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Jeffery Deaver – »Das Teufelsspiel«

Nicht bös gemeint, und schon gar nicht persönlich. Gut, dass es noch Killer gibt, die mit ein wenig mehr Prinzipientreue unterwegs sind. Jack Ryan zum Beispiel, der sich als Tokio‐Killer einen Namen gemacht hat. Klar, das ist ein besonderer Bursche und so einer kommt in einem Buch von Jeffery Deaver einfach nicht vor. Ganz ehrlich: Ein moralischer Killer, mit so etwas hätte uns Deaver mal richtig überraschen können.

Das zweite Kapitel beginnt mit »Geneva Settle rannte«. Der Ort für dieses Wegrennen war genauso ungewöhnlich, wie die Flucht von Geneva überhaupt untypisch war. Sie befand sich in einer Bibliothek und hatte alte Dokumente und Zeitschriften studiert, sie für einen Vortrag in der Schule auswertete. Sie hatte mitbekommen, dass sich jemand an sie anschlich. Eigentlich gab sich der Mann ganz normal, er lachte in ein Mobiltelefon. Dieser Anschein von Normalität wurde durch ein kleines Klick‐Geräusch unterbrochen, welches Geneva als Waffengeräusch erkannte. Flugs ergriff sie Gegenmaßnahmen und machte sich, nicht ohne eine eigene kleine Falle zu hinterlassen, die den Zweck hatte, den eventuellen Angreifer zu irrtieren, und machte sich von dannen. Als sie dann mitbekam, dass der Angreifer auf ihre Attrappe hineingefallen war, rannte sie.

Thompson Boyd hatte alles bis zum letzten I‐Tüpfelchen durchgeplant. Damit in so früher Morgenstunde von einem Gör hineingelegt zu werden, damit war allerdings von Seite nicht zu rechnen. Er nutzte seine Gelegenheit, das Mädchen zu verfolgen, musste sich aber kurze Zeit später eingestehen, dass Geneva ihm entkommen war.

Wer jetzt denkt, dass dies eine gute Gelegenheit für den Herren war, vom Tatort zu verschwinden, der irrt. Thompson Boyd denkt weiter vor und bringt durch einen gezielten Anschlag Unruhe in das Aufgebot der Polizei, die kurze Zeit später in der Bibliothek erscheint.

Ermittler in diesem Fall ist, wie in so vielen Fällen, die in von Deaver in letzter Zeit erschienen sind, der querschnittsgelähmte Lincoln Rhyme. Ebenso natürlich ist es, dass er übellaunig drauf ist. Die Aussicht, Babyzitter für ein halbwüchsiges, rechthaberisch (oder besser: rechthabendes) Mädchen zu spielen, entzückt ihn überhaupt nicht. Geneva macht es Lincoln auch nicht gerade leicht. Ihr Streben gilt der Schule und sie möchte am Liebsten, sofort in ihre Schule zurück. Schließlich wurden dort Klausuren geschrieben und sie sah den Vorfall in der Bibliothek nicht als die Chance, der Schule zu entkommen, sondern als lästigen Zwischenfall, der sie beim Schreiben ihrer eigenen Erfolgsstory hinderte.

Die Eltern, so erzählt sie, waren unterwegs und sie wurde von einem Onkel betreut. Da ihr das ganze Prozedere ihres Schutzes zu lang dauerte, setzt sie Rhyme und sein Team erheblich unter Druck, in dem sie zum Beispiel damit droht, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden, der sie aus den Fängen ihrer Beschützer befreit.

Keine gute Idee, dumme Göre, denkt man als Leser, der seinen Deaver kennt. Denn natürlich hat auch Thompson noch seine Stiche im Ärmel und denkt überhaupt gar nicht daran zu kapitulieren.

Da man von Anfang an weiß, wer wen umbringen will, stellt sich alsbald nur noch eine Frage: Wer hat Interesse Geneva Settle umzubringen. Auf der Suche nach dem Motiv wird man auf genregängige und professionelle Art von Jeffery Deaver immer wieder verschaukelt. Wer dieses Metier als Leseheimat liebt, kann auch mit diesem Deaver‐Roman nichts falsch machen.

2006-06-11T16:32:00+00:0011. Juni 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Jeffery Deaver – »Das Teufelsspiel«