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Ein Tag auf der Terrasse

Früh zu Bett gehen, ist nicht immer eine gute Idee. Gerade in den letzten Tagen war ich nicht richtig müde, wenn die Stunde des Ganges geschlagen hatte. Wie auch? Ich hatte über den Tag kaum etwas gemacht und allein vom Tabletten einwerfen, Erkältungsbad nehmen und Wasser trinken, erschöpft man nicht allzu schnell. Um kurz nach zehn Uhr ins Bett gehen, mag so das Gewissen beruhigen, ist aber eigentlich kontraproduktiv. So war es auch kein Wunder, dass man früh wieder auf den Beinen ist.

Erkältungen haben eine unangenehme Nebenwirkung bei mir. Ich habe selten das Bedürfnis im Bett zu liegen und bettlägerig zu werden. Natürlich ist es lästig, Kopfschmerzen zu haben. Aber werden sie im Bett besser? Kaum. Lustig ist es sicher nicht, mich husten zu hören. Mancher glaubte schon, sein Haus werde abgerissen. »Nein, das war nur ich!« Für mich am Unangenehmsten ist durch die Verschleimung entstehende Kurzatmigkeit, die sich für mich in der Form auch äußert und zu allem Übel auch noch so anhört.

So bin ich gestern zu früh im Bett gewesen, habe meinem Rasseln eine Weile zugehört und mir darüber Sorgen gemacht. Sorgen machte mir auch Luna, die nicht heimgekehrt war. Die Nacht war nicht berauschend. Für Susann übrigens auch nicht, die mein Husten nicht entzückend fand (Mein Vorschlag, dass ich ins Wohnzimmer ausziehe, wurde aber auch nicht angenommen. Vermutlich zu recht, da es von der Geräuschkulisse keinen großen Unterschied macht.). Meine Geliebte musste heute um halb sechs aufstehen. Ich war nicht nur vor ihr wach, sondern auch auf. Nach einem kurzen Kontrollgang, bei dem ich feststellte, dass sich Luna noch nicht eingefunden hatte, bin ich noch mal kurz zu Bett, dann aber mit Susann aufgestanden. Habe mich angezogen und habe mich auf die Terrasse gesetzt. Wir hatten heute morgen launige Temperaturen und schon strahlenden Sonnenschein. Vor der Terrasse, in einem Stein‐Beet, lag nicht Luna sondern eine tote Maus. Aha, sie war zwischenzeitlich hier gewesen.

Die Vögel waren schon ordentlich aktiv. Die Sonne war zügig im Aufgehen begriffen, der See und die darumliegende Landschaft war in ein herrliches Rot getaucht. Dick eingemummelt saß ich im Liegestuhl und betrachtete die Umgebung, darauf wartend, dass die Katze nach Hause kam. Die anderen Beiden machten sich unterdessen auf die ersten Streifzüge. Unser Dreibein kam dann nach einer Viertelstunde aus dem kleinen Wäldchen spaziert. Ein kleiner Pfiff machte sie auf mich aufmerksam. Sie stutzte → so früh sitze ich gewöhnlicherweise ja nicht auf der Terrasse – und kam dann angefegt.

Die Freude war groß, beiderseits.

Susann saß drinnen, genoß ihren Kaffee, während ich mein Laptop rausholte und ein wenig an der Übersetzung für das neue Forum (http://forum.maigret.de) arbeitete. Langsam kam die Sonne rum, und gegen acht strahlte sie mir direkt ins Gesicht. Um acht Uhr haben auch die Bäckereien auf. Da meine Geliebte schon unterwegs war, musste ich für mich selbst sorgen. Also schnell zu Bäcker, um mich mit Lebensmitteln einzudecken. Dann ein Frühstück (gut geraten! Auf der Terrasse) und anschließende Medikamenten‐Einnahme. Auf meinem Tisch saß es aus, als wäre man irgendwo im Speisesaal einer Senioren‐Pension. An der Stelle könnte ich auch noch ein paar Worte über die Löslichkeit meines Schleimlösers verlieren, aber das lasse ich mal wieder. Ebenso wie ich an der Stelle darauf verzichten werde, über Hustenschleim zu philosophieren. Dafür hat meine Frau auch nur schwer Verständnis, auch wenn sie sich sonst sehr um meine Gesundheit sorgt.

Anschließend ging ich unter die Dusche, nahm im Anschluss die sekundären Medikamente (Sie wissen schon, Erkältungscreme und die Dragees mit den ätherischen Ölen). Danach kommen als Dritt‐Mittel noch Husten‐Bonbons zum Einsatz. Die Bakterien werden nicht geschont, zumindest die Erkältungs‐Terroristen, die meinen Körper kaperten.

So setzte ich meinen Körper denn auch weiter dem Sonnenschein aus. Mit Sonnenbrille und Base‐Cap ließ es sich ganz gut aushalten. Die Vögel wurden ein wenig stiller. Hin und wieder kam eine Katze heraus um den Rasen zu erkunden. Irgendwann verschwanden sie aber wieder.

Mittags gab es ein Bröttchen (wie dürftig!) und im Anschluss Schoko‐Eis. Irgendwie musste ich mich belohnen. So lange an der frischen Luft!

Aber ich war tapfer. Die Sonne verschwand hinter dem Nachbargebäude und es kam ein wenig Wind auf. Die ließ das Plastik‐Windrat im Blumenkasten drehen, welches mir noch nie aufgefallen war. Susann meinte, es wäre schon eine Ewigkeit da. Da sieht man mal, wo ich mit meinen Gedanken bin, wenn ich mal draußen sitze. Der Wind war heute nachmittag so kräftig, dass sich ein Segler auf den See wagte und ein bisschen kreuzte. In den MIttagsstunden waren auch ein paar Kinder aufgekreuzt und angelten auf der kleinen Halbinsel, die in unserem Blickfeld ist. Sie sind erst gegen neun Uhr nach Hause gegangen. Für’s Abendbrot hatte es wohl nicht gereicht.

Zum frühen Abend, die Vögel standen wieder mit vollem Maul vor der Terrasse (während die Katzen mit leerem Magen vor der leeren Schüssel in der Wohnung standen und miauten), flaute der Wind ab. Der See war (und ist spiegelglatt).

Um sieben Uhr abends wurde dann mein Magen gefüllt. Ich will’s verraten: Pute mit Salat, dazu ein Sylter Dressing, eine Neueroberung von Famila. Danach war auch Raubtierfütterung. Dazu ein Glas Weißwein, das wäre schön gewesen. Aber nichts da: Alkohol und Antibiotika scheinen keine gute Kombination zu sein. Am Wochenende, wenn alles ausgestanden sein sollte, könnte ich wieder mal einen Sancerre genießen. Das gute Wetter soll sich bis dahin verabschiedet haben. Vierzehn Grad und Regen – ich weiß auch, wer Schuld ist. Meine geliebte Susann! Die hat gestern die letzten Happen von ihrem Teller nicht aufgegessen. Sie hat die Schuld schon eingeräumt und ein schlechtes Gewissen.

Gegen halb neun tauchte der Mond auf. Mit ihm auch die Mücken. Die schwirren hier in Hundertschaften vor der Terrasse und keine Schwalbe kümmerte sich um sie. Gestern war gegen Abend noch eine Fledermaus da, aber die hat heute wohl auch keine Lust oder ist noch von gestern satt, da waren die Mücken noch zahlreicher vertreten. Interessanterweise scheinen Mücken sich auch um Schall oder Geräusche zu kümmern, was ich nicht gedacht hätte. Woher ich das weiß? Ein kleiner Hustenanfall und der recht geordnete Schwarm zerstob und fand sich erst Sekunden später wieder zusammen. Schienen aber keine Stechmücken zu sein. Gerade tauchte eine von den Stechmücken auf, aber die war noch schüchtern, mochte sich nicht niederlassen, um erschlagen zu werden. Unwahrscheinlich, von mir einfach so interpretiert, aber vielleicht hat sie eine Ahnung, dass das Leben schön ist, und dass es gefährlich ist, sich im Schein eines Laptop‐Bildschirms sich auf einen Hand niederzulassen. Vielleicht? An diesem schönen Tag verlor so mancher sein Leben, darunter, wie ich weiß, eine Maus. Nicht zu vergessen die Fliege, die sich im frischgesponnen Netz verheddert hatte und jetzt schon gut verpackt rumhängt. Vor einem ähnlichem Schicksal konnte ich ein anderes fliegendes Wesen heute erretten.

Der Mond, der fast Vollmond ist, lässt hier noch alles recht hell erscheinen. Draußen schreien noch die Möwen. Insekten schwirren um das Display des Notebooks. Ich habe nun fast siebzehn Stunden auf der Terrasse und im Garten zugebracht. Ein Luxus, an den ich unter der Woche nicht zu denken brauche, den ich mir an Wochenenden nicht leiste und im Urlaub fährt man meist weg. Das könnte ein Fehler sein, denkt sich so mancher, aber ich hab’s ja jetzt mal gemacht. Wegfahren ist auch schön.

So bleibt zusammenzufassen: Krank war ich, gesund bin ich immer noch nicht, morgen geht es wieder zur Arbeit – aber es war ein schöner, einmaliger Tag.

(Sieht so aus, als würde es die Mücke doch noch erwischen. Schad’ für sie.)

2015-07-28T11:34:27+00:0010. Mai 2006|Categories: Dies und Das|Tags: |Kommentare deaktiviert für Ein Tag auf der Terrasse