Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Erste Lektionen oder Tuk‐Tuk‐Fahrt mit Werbeunterbrechung

Wie schwer es ist, um halb vier Uhr aufzustehen, wird einem erst klar, wenn es halb vier Uhr ist und zwei Wecker gleichzeitig klingeln. Ausgecheckt hatten wir gestern schon, somit war die Bahn heute Morgen frei, direkt in das Taxi zu steigen und zum Flughafen zu fahren. Wir hatten gestern eines vorbestellt, das hat aber wohl nicht recht geklappt – es war nicht in der Liste eingetragen, somit war auch keines da. 225 Ringit hätte es kosten sollen – ein stolzer Preis, der sich aus Limousine und Nachtzuschlag zusammensetzt. Der Portier rief dann ein Budget‐Taxi heran, das kostet etwa die Hälfte. Dafür hatte die eine Reisetasche nur auf dem Vordersitz Platz, da der Kofferraum mit der andern Tasche zu hundert Prozent gefüllt war.

Autofahren in Kuala Lumpur kann so entspannend sein. Man muss nur die richtige Zeit dafür finden – vier Uhr nachts ist definitiv eine gute Zeit. Der Taxifahrer meinte, er würde nicht über den Highway fahren sondern die Landstraße. Das wäre kürzer, würde nur unwesentlich mehr Zeit kosten und wäre nicht so langweilig. Fahren auf der Autobahn würde so einschläfernd sein. Wir stimmten ihm zu, dass er damit die bessere Route gewählt hat.

Ich hatte das alte Air Asia‐Terminal vor Jahren kennen gelernt. Da war es ein Provisorium, ohne dass wir wussten, dass Besserung angesagt war. Im Vergleich mit dem anderen Terminal 1 versprüht das neue Terminal immer noch ein sehr dürftigen Charme. Aber das ändert sich vielleicht noch, wenn erst einmal alles installiert ist und Geschäfte eingezogen sind.

Duty Free K.L.

Duty Free K.L.

Interessant war, dass man durch eine Sicherheitsschleuse kam, bei dem man die Taschen scannen ließ. Susann meinte, dass das Sicherheitspersonal nicht mal auf die Monitore geschaut hätte. Das war wirklich lässig. Wir gingen weiter und Susann war ein wenig beunruhigt, während ich meinte, dass Terroristen so früh nicht reisen würden. Sie müsse sich keine Gedanken machen, da kamen wir ums Eck und da war dann die richtige Kontrolle. Wozu jetzt die erste Kontrolle war, hat sich uns aber nicht erschlossen.

Der Flug mit Air Asia selbst, war auch wie meine anderen in der Vergangenheit, tadellos. Eine der besten Billigfluglinien, die ich bisher erlebt habe und das nicht nur auf den lokalen Markt bezogen. Für die zwei Stunden Flug nach Siem Reap schien es uns nicht notwendig, Frühstück oder irgendwelche Snacks zu buchen. Jeweils ein Croissant hatten wir am Flughafen gekauft und Susann hatte sich mit der Minimal‐Dosis Kaffee versorgt und war mit einem Becher auch zufrieden. Wir hielten tapfer durch, auch als die Flugbegleiter mit den verführerischen Snacks kamen, und uns immer wieder fragten, ob wir nicht vielleicht etwas zu uns nehmen wollten. Aber wir waren der Meinung, dass vielleicht im Hotel ein Frühstück für uns abfallen dürfte. Was man halt so denkt…

Der Internationale Flughafen von Siem Reap ist niedlich, zumindest für einen internationalen Flughafen. Es gibt ein paar Gebäude, vor denen dann die größeren Maschinen stehen, und man marschiert vom Flugzeug in die Empfangshalle. Ich habe keine Schilder gesehen, die irgendwie den Weg wiesen und wir sind den Leuten gefolgt. Entweder kannte sich wer aus und es gab eine gestellte Führungspersönlichkeit, die uns durch Vorangehen, den Weg wies.

Vor der Halle gab an sein Gesundheitszeugnis ab, welches schon im Flugzeug auszufüllen war und auf dem bekanntzugeben war, unter welchen Symptomen man litt und wo man in der letzten Zeit so gewesen wäre. Susann hatte beim Ausfüllen zu mir gesagt, ich solle nichts von meinen Halsschmerzen sagen. Gut, dass mein Englisch nicht gut ist, dass ich das Symptom auf dem Zettel entdeckt hätte.
Ein Quarantäne‐Offizier sammelte diese Bekenntnisse ein, ohne dass er die Zettel mit sichtbarem Interesse studiert hätte.

In der Halle stürzten alle zu den Formularen für die Visa. Offenbar hatten sich die wenigsten Einreisenden die Mühe gemacht, vorher ein Visa zu besorgen. Das war vor Jahren in Vietnam ein wenig anders gewesen: Gemessen an den ankommenden Menschen, waren mehr Leute mit einem richtigen Visum eingereist. Das Prozedere ging hier flott von statten, schneller als damals in Vietnam. Wir waren mit Dollars – 30 Dollar kostet der Eintritt nach Kambodscha – ausgestattet und hatten die Passfotos dabei. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, dass man auch noch einen Automaten dort findet, an dem man Fotos machen kann. In New York könnten sich die Einwanderungsbehörden eine Scheibe abschneiden.

Hinter der Passkontrolle – man muss mit seinem gerade mit einem Visa versehenen Pass, nochmals durch eine Kontrolle – gab es ein Money Exchange und Susann tauschte Euro in die lokale Währung – Riel genannt und KHR abgekürzt. Für einen Euro bekommt man etwa 4000 Riel, was wiederum dem Umrechnungskurs von Euro in Dong entsprach. Wir richteten uns ein, mit viel Geld herumzulaufen.

Vor der Türe erwartete uns schon ein Reiseführer. Ich hätte ja gedacht, dass unser Reiseführer erst morgen kommt und wir heute nur einen Fahrer hätten, der uns zum Hotel bringt. Aber nein, ein richtiger deutschsprachiger Reiseführer stand dort, machte uns mit unserem Fahrer bekannt und brachte uns zum Hotel. Unterwegs sagte er uns, dass er nur für die heutige Abholung zuständig sei und gab er uns eine kleine Einführung und beruhigte uns, was den Verkehr anging. Er lachte viel und wir hoffen mal, das unser Reiseführer ab morgen, auch so gut drauf ist. Im Hotel sorgte er dafür, dass wir – trotz unser frühen Ankunft (wir waren um neun Uhr im Hotel) – ein Zimmer zur Verfügung gestellt wird. Als das geregelt war, verschwand er und überließ uns und unseren Gelüsten.

Schlaf.

Seit gestern Nacht habe ich Halsschmerzen und bin unter Ibuprofen, lutsche Pfefferminz, was interessanterweise hilft, und versuche viel zu trinken. Da ist wohl was im Anmarsch, aber ich hoffe mal, dass das nur ein klitzekleiner Infekt ist. Aber so kam mir das Abruhen doch genauso entgegen wie überhaupt die Tatsache, dass heute keine weiteren Aktivitäten geplant waren. Wir waren zum Lunch wieder einigermaßen bereit.

Beim Lunch beschlich uns das erste Mal das Gefühl, dass zumindest in Siem Reap ein Tausch in die hiesige Währung unnötig gewesen wäre. Die Preise auf der Speisekarte waren in Dollar ausgezeichnet. Ebenso die Preise für das Spa. Und der Fahrer für das Tuk‐Tuk wollte auch Dollar haben. Ich sah unsere Dollar‐Reserven schneller dahinschwinden als Obama »Haushaltssperre« sagen kann. Wenn jeder Dollar haben möchte und wir keine mehr hätten, wären wir recht uninteressant für die hiesige Tourismuswirtschaft. (80% der Bewohner von Siem Reap leben direkt vom Tourismus, sagte uns unser Guide. Auf dem Weg in die Stadt gab es ein Hotel an dem anderen. War ein Platz frei, so wurde da gerade ein neues Hotel gebaut. Wir haben aber auch stillgelegte Hotels gesehen, also nicht jedes Investment scheint sich zu rechnen.)

Susann mochte nicht mit dem Tuk‐Tuk fahren. Einmal drin gesessen und sich auf das waghalsige Abenteuer eingelassen, fand sie rasch Gefallen. Vorn ein Mofa, hinten ein Anhänger. Diese sind von unterschiedlicher Qualität und Polsterung. Die Fahrer lieben es, wie unser Guide sagte, mit zwei Passagieren zu fahren, man könne aber wesentlich mehr in eine Tuk‐Tuk unterbringen. Dass das stimmt, können wir mittlerweile bestätigen.

Ich kann nicht sagen, dass ich irgendwelche Verkehrsregeln erkannt hätte. Es wird gehupt und gefahren. Manchmal blieb der Fahrer stehen, manchmal fuhr er einfach los. Wenn es nicht anders ging, dann halt mal auf der falschen Straßenseite in den fahrenden Gegenverkehr hinein, womit niemand ein Problem zu haben schien. Im Zweifel wird gehupt. Fährt man auf so etwas wie der Hauptstraße setzt man seine Vorfahrt soweit es irgendwie geht durch. Sollte mal jemand einen Filmtitel für die Situation benötigen, ich würden »Sie hupen und sie lächeln« vorschlagen, denn das haut so ziemlich gut hin.

In der Innenstadt waren dann Touristen, jede Menge. Aus aller Herren Länder sind sie in diese Stadt eingefallen, bleiben ein paar Tage und ziehen dann weiter. Das mir das gefällt, kann ich nicht behaupten. Essen scheint günstig zu sein, Cocktails dagegen teuer – alles auf Dollar‐Basis.

So marschierten wir erst einmal zu einem Geldautomaten und steckten aus reinem Interesse unsere Karte hinein und zu unserer Erleichterung wurde dort angezeigt, dass man sich auch Dollar auszahlen lassen kann. Ist ja auch ein Tick einfacher, als Riel zu ziehen und dann tauschen zu müssen.

Kurz darauf sprach uns eine junge, arme Frau an, mit einem Kind auf dem Arm und zeigte auf die Flasche mit Milch und fragte nach Geld oder ob wir Milch kaufen würden. Damit habe ich ein Problem: Ich weiß, dass die Frau Hilfe benötigt und wir mehr haben als sie. Aber ich müsste fairerweise ja Jedem helfen und da komme ich dann schnell in Schwierigkeiten, weil das nicht funktioniert. Deshalb ist es so bequem, anonym zu spenden. Jetzt hat die Frau zwar die Rechnung ohne mich gemacht, aber mit mit Susann. Ein Kind, große Augen, Milch, Hunger! »Ich will helfen! Wir kaufen da Milch.« Ein bisschen Milch, dachte ich mir, das kann man mal machen. Wie sich herausstellen sollte, ist diese Masche gut geeignet uns arm zu machen. Denn kaum waren wir im Supermarkt, ging die Frau zu einem Regal und nahm eine Dose heraus und stellte die der Kassiererin hin. »Milchpulver«, dachte ich mir, »wie clever.« »Wie viel kostet das?« fragte Susann. »25 Dollar.« »Nee!« sagte ich und Susann sah auch einigermaßen erschüttert aus. »Das ist zu viel«, meinte ich und ihr könnt mich ruhig einen Unmenschen schimpfen, aber an der Stelle fragte ich mich schon, ob wir hier nicht gerade ausgenutzt wurden. Wer mich kennt, weiß, dass ich eher zurückhaltend mit schlechten Meinungen über andere Menschen bin und Erklärungen für ihr tun suche. Susann sah man an, wie sehr sie hin und hergerissen war. Einerseits der Wille zu helfen, andererseits die Erkenntnis, dass 25 Dollar eine Stange Geld sind. (Susann hatte mir vorher vorgelesen, dass das Durchschnitts‐Monats‐Einkommen 30 Euro betragen würde.) Die Frau hatte wohl bemerkt, dass Susann ins Schwanken geraten war, ging zum Regel und holte eine andere Dose heraus, die andere wurde weggenommen. »Wie viel kostet die?« »13 Dollar.« Das lag immer noch weit über dem Schnitt unser üblichen Spontan‐Gaben und war auf jeden Fall ein würdiger Spitzenreiter der »Haste-mal-ne-Mark«-Liste. (Bisher übrigens angeführt von einer Schweizerin, die mich mal in Zürich fragte, ob ich 3,50 Franken für’s Parken hätte und der ich 5 Franken gab, da ich es nicht kleiner hatte. Da habe ich auch lange mit dem Kopf über mich geschüttelt. Hey, man muss uns nur überraschen!) Susann war dann der Meinung, dass wenn sie es in der lokalen Währung bezahlen würde, vielleicht günstiger bekommen würde. Aber das war ein Irrtum. Sie gab fünfzigtausend Riel für das Milchpulver aus, freute sich, dass sie einen Schnitt und etwas Gutes gemacht hatte, und ich sah, wie die Kassiererin 13,50 Dollar in die Kasse einbuchte.

In die Stadt sind wir für 3 Dollar gefahren. Wir haben nicht verhandelt, das müssen wir erst wieder lernen.

Vor einem Tempel in der Stadt stand ein freundlicher junger Mann. Ganz unverbindlich fragte er dieses und jenes, gab uns Hinweise und ich dachte mir schon, so ganz umsonst kann das doch nicht sein. Als wir den Tempel verlassen wollten, fragte er, ob er uns ein wenig herumfahren solle und uns die Attraktionen zeigen solle. Es gab eine längere Diskussion, bei der Susann zu verstehen gab, dass sie das nicht wolle. Zwei Dollar für eine Stunde, meinte er, kein schlechter Preis. Nun ja, das würde vielleicht stimmen, aber wir hätten unseren Guide ab morgen und der würde uns alles zeigen. Er warf darauf hin ein, aber nicht das, was er uns zeigen würde. Wir gab letztlich nach und er kutschierte uns eine halbe Stunde herum: So richtig die Attraktionen waren es nicht, was uns zeigte. Dann fuhr er uns zu einer Galerie, mit kambodschanischer Kunst, in der wir was kaufen konnten/sollten/durften – aber irgendwie nicht willig waren. Danach hatten wir genug und fragten, was es an Sehenswürdigkeiten gäbe. Er könnte uns zu diesem und jenem Ort fahren, wo es Kunsthandwerk zu besichtigen gäbe. Davon hatten wir genug und meinten, er könne uns auch zum Hotel bringen. So war’s für ihn eine halbe Stunde weniger Arbeit und für uns ein paar Werbeunterbrechungen weniger.

Susann war dann im Spa und kam begeistert zurück, während ich die Augen schloss und die Halsschmerzen zu ignorieren versuchte.

Zur Dinner‐Zeit machten wir uns forsch auf die Suche nach einem Tuk‐Tuk. Wir hatten ein thailändisches Restaurant im Auge und kamen für 2 Dollar hin. Das Essen war einfach aber sehr lecker. Zurück zum Hotel gingen wir auf’s Ganze. »Wir handeln!« erklärte ich Susann.
»Okay«, meinte Susann nicht ganz überzeugt, die zurück wieder mit dem Tuk‐Tuk wollte. Der Fahrer, den wir alsbald fanden, bemühte sich um uns.
»Wie viel kostet es?«
»Zwei Dollar.«
»Ein Dollar«, hielt Susann dagegen.
Der potentieller Fahrer meinte: »Zwei Dollar«
»Zwei Dollar sind zuviel, das ist nur ein Kilometer«, meinte ich.
»Zwei Dollar, das bringt Glück«, entgegnete er.
Wir insistierten, dass es zu viel wäre und er sagte etwas, was wir nicht verstanden. Ich sagte zu Susann auf Deutsch, dass wir gehen würden und sie meinte, wir sollten das Tuk‐Tuk nehmen. Was für mich auch okay wäre, aber sagen tat ich:
»Danke!« und Susann bewegte, weiter zu gehen.
»Ein Dollar ist okay.«
Das haben wir auch so gesehen. Wir hatten für heute schon genug Gutes getan.

2016-11-05T07:34:10+00:0014. Februar 2015|Categories: Kambodscha 2015|Tags: , , , , , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Erste Lektionen oder Tuk‐Tuk‐Fahrt mit Werbeunterbrechung