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Die zweite Meinung

An Tierärzten haben wir so einiges durch. Wenn es kompliziert wird, scheuen so einige. Das war damals bei meinen Ratten schon so und es ist offenbar bei Katzen nicht viel anders.

Wenn wir zu Hause sind und irgendwo rumliegen, dann ist es Luna, die sich zu uns gesellt. George macht überhaupt keine Anstalten, sich bei uns einzuschmeicheln und kommt nur, wenn das mit einem Leckerli oder er Streicheldefizite hat, was nicht oft vorkommt. Lenny kommt auch irgendwann, um sich ihre Streicheldosis abzuholen und bleibt dann auch länger bei uns liegen – vorausgesetzt, dass sie da ist.

Luna liegt eine zeitlang auf mir, bevor ihr das zu ungemütlich wird und sie sich neben mich legt. Dann wird sie weiter gestreichelt, mit Pausen dazwischen, manchmal stundenlang. Sie ist happy und wir sind auch zufrieden.

Im September spürte ich bei einer dieser Streichel-Sessions, dass da etwas an den Rippen war. Merkwürdig, dachte ich mir, das war doch früher nicht da. Ein kleiner Knoten, mehr nicht. Ich fragte Susann und die meinte auch, dass das neu wäre.

Kein Problem, dachten wir, wir sind ja bald beim Tierarzt wegen der alljährlichen Impfungen und Maniküre, dann kann man sich das ja anschauen. Das wurde dann auch keine zwei Wochen später gemacht. Ich würde es nicht Ergebnis nennen, sondern nur, dass die Tierärztin eine Vermutung äußerte. Es könnte so etwas wie eine Fett-Einlagerung sein.

Wer Luna kennt – schon älter und sehr bequem, guter Fresser, körperlich eingeschränkt – der hätte diese Aussage auch plausibel gefunden. Wir beobachteten weiter.

Und uns wurde nicht wohler dabei. Das Ding wuchs und wuchs und die Theorie von einer Fett-Einlagerung wurde immer umplausibler. So viel frass selbst Luna nicht. Ende November wollten wir das nicht auf sich beruhen lassen und stellten Luna wieder bei unserem Haus-Tierarzt vor. Es wurde eine Röntgen-Aufnahme gemacht, auf der wir sahen, dass da was ist. Das da was ist, war uns ja schon klar, aber was, konnte nicht bestimmt werden.

Die Empfehlung war, weiter zu beobachten und nichts zu machen.

Nun will man auch nicht ständig an der Katze rumtasten, zumal sie ein gutes Gespür für unseren Hintersinn hatte. Wenn man an dem Teil rumtastete und sich zwei Leue über sie beugten, dann wurde Luna schnell unhappy und machte sich vom Acker. Wir taten es trotzdem.

Sie fraß gut, ging raus und zoffte sich auch mit den anderen beiden. Wenn das Ding unter ihrer Haut in der Nähe der Rippen nicht gewesen wäre, hätte ich gesagt: Alles wie immer.

Vor einer Woche fing ich an zu zweifeln. Sollte man das Ding einfach wachsen lassen und nichts machen. Das Argument des Arztes war gewesen, wenn man anfängt, rumzuschnippeln, macht man vielleicht alles noch schlimmer. Es könnte beispielsweise und das wäre das Ende.

Aber das Ding ist seit der ersten Vorstellung beim Arzt mindestens viermal so groß geworden. Ich suchte in unserem allseits geliebten Internet nach den Stichworten »Katze Krebs Kiel« – dass es die großen drei »K« wurden ist reiner Zufall.

Neben allgemeinen Informationen stieß ich auf eine Tierarztklinik, in der die Behandlungsmethoden bei Krebs angesprochen wurden. Da hatte sich jemand ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt. Vielleicht sollte mal den mal fragen. Ich fragte Susann, ob wir nicht eine zweite Meinung einholen sollten. Sie stimmte zu und so holte sich Susann dort am Montag für Dienstag einen Termin, um Luna beim Tierarzt vorzustellen.

Kurz nach dem Termin rief Susann an und sagte, laut Tierarzt gäbe es nur zwei Möglichkeiten: sofort operieren oder in zwei Monaten einschläfern. Es wäre ein sehr aggressiver, bösartiger Tumor, der sich in Luna breit machen würde. Weshalb auch nicht davon die Rede sein könne, irgendwas nach Weihnachten zu machen, sondern wenn sofort. Ein Nacht solle Susann drüber schlafen und dann entscheiden.

Er gab Susann zu bedenken, dass es durchaus sein könne, dass während der Operation festgestellt würde, dass der Tumor sich an einem Knochen festgesetzt hat oder er schon metastasiert. In diesem Falle würde er nicht weiter operieren, sondern Luna einschläfern.

Ich überlegte und sagte, es sei wohl besser, jetzt zu operieren und Luna eventuell um zwei Monate zu bringen, als in sie in zwei Monaten auf jeden Fall einschläfern lassen zu müssen. Susann war der gleichen Meinung und so wurde Luna für die OP angemeldet.

Donnerstag ging es zum Tierarzt. Luna soll recht gefasst gewesen sein, wie es ihre Natur gewesen ist. Vom Frauchen konnte man das nicht behaupten. Der Tierarzt hätte fast eine Rolle Haushaltspapier aufgebraucht, da Susann ihre Tränen nicht halten konnte.

Am Abend gab es dann die Nachricht, dass die Operation gelungen wäre. Der Tumor war noch gekapselt gewesen, hatte keine Verbindung zu Knochen oder Muskeln und der Arzt hatte keine Metastasen entdecken können. Aufgrund der Größe hätte er ordentlich etwas wegschneiden müssen. Luna wäre noch ziemlich angeschlagen, weshalb sie noch eine Nacht in der Klinik bleiben müsse.

Erleichterung pur. Susann holte sie am Freitag ab, denn sie wollte, dass nicht nur die negativen Erlebnisse mit ihr verbunden bliebe – wie das Wegbringen -, sondern auch die positiven – wie die Heimkehr. Luna war das egal, wenn sie Susann zur Zeit sieht und die bewegt sich auf sie zu, dann macht sie kehrt und verschwindet.

Sie soll von den anderen Katzen separiert gehalten werden, was ein wenig schwierig ist. Wenn wir da sind, ist sie bei uns und wir haben sie im Auge. Nachts bekommt sie im Bad ihr eigenes Hotelzimmer, samt Katzentoilette und Fressen. Die anderen Beiden reagieren recht komisch: George versucht es zu ignorieren. Lenny mag den Geruch nicht und macht ordentlich Stunk, wenn sie Luna sieht. Da müssen wir ordentlich aufpassen.

Aber sie frisst schon wieder ordentlich, schnurrt rum und ließ sich den ganzen Abend streicheln. Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass sie auf der einen Seite im Augenblick quasi nackt ist und eine riesige Narbe die Seite ziert.

Gelernt haben wir auch was:

  1. Zögere nicht! Die Geschwindigkeit, mit der der Tumor von Luna wuchs, ist wirklich frappierend gewesen.
  2. Keine falsche Loyalität! Tierärzte sind (fast) alle nett und tierlieb. Aber wenn keine Erfahrung mit Tumoren vorhanden ist, dann sind sie auch scheuer, was Operationen angeht. Eine zweite Meinung kann nie schaden. Wir wissen jetzt, dass es einen Tier-Hausarzt gibt und wie auch einen Spezialisten in der Nähe haben.
  3. So eine Operation bzw. das Drumherum mit Untersuchungen und Medikamenten ist ziemlich teuer. Bei Luna beliefen sich die Kosten auf 600 Euro. Susann sagte, es wurde auch Raten-Zahlung angeboten. Wenn das nicht der Fall sein sollte und man knapp bei Kasse sein, würde ich den Tierarzt aber trotzdem danach fragen.
2016-11-05T07:34:57+00:0020. Dezember 2014|Categories: Katzen|Tags: , , , , |1 Comment