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Kirchenweg 10a, Kiel

Ein kurzer Abriss schadet sicher nicht: 1990 kam ich nach Kiel. Wohnungs- aber nicht obdachlos. Ich wohnte die erste Zeit in einem Hotel. Danach in der Wohnung, die ein Kollege aufgegeben hatte und das direkt an einer Fernstraße – nicht so prickelnd. Anschließend in einer anderen Wohnung, die ein Kollege aufgegeben hatte, die wohl drei Zimmer hatte und ein Vollbad. Letzteres musste ich aufgeben und tauschte große Zimmer gegen einen Flur, der Qualitäten als Landebahn für einen Airbus 380 hatte, und dieser Flur war im Kirchenweg 10a zu finden.

Wie ich darauf komme? Ich war heute bei SIXT und habe einen Mietwagen abgeholt. Der Kirchenweg liegt einen Steinwurf davon entfernt und da dachte ich mir, schau doch mal wieder vorbei. Knipse ein paar Bilder vor dem nächsten Tsunami, dann hast Du wenigstens noch ein paar Bilder zur Erinnerung. Gesagt, getan. Grundsätzlich hat sich in der Straße nichts getan. Auf den ersten Blick zumindest nicht.

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Die Tür war leicht demoliert, dafür schien mir die Fassade vor nicht allzu langer Zeit gestrichen worden zu sein. Da kann man nichts sagen – schon zu meiner Zeit, war das Haus von außen und innen sehr gepflegt. Dafür sorgte schon der »Hausmeister«, von dem ich nicht glaube, dass er noch lebt. Genauso gab es ein Unikum, welches unten im Haus wohnte – ganz früher mit seiner Mutter, später dann allein. Gardinen hatte er, aber die Farbe der Gardinen näherte sich immer mehr der von der Ado-Goldkante an, ohne den Glanz jemals ganz zu bekommen. Es hieß, er wäre früher Bankangestellter gewesen und irgendwie auf eine komische, aber ganz und gar nicht kriminelle, Bahn gekommen. Lebensläufe entwickeln sich manchmal so. Nett und freundlich, aber auch immer ein wenig abwesend.

Als ich einzog, wurde sofort dafür gesorgt, dass ein Türschild am Klingelbrett installiert wurde, was dem HD (House Design) entsprach. Neben der Tür sogar ein göldenes Namensschild. Welches wir heute noch haben und im Augenblick in der Garage mit der Tür steht, die beim Streichen letztes Jahr der Meinung war, das dies nicht mehr viel nützen würde – der Rost gewann den Marathon vor der Farbe und so stand der Maler mit unserer Eingangspforte samt Namensschild in den Händen da und schaute mich einigermaßen ratlos an – »Und nu?« »Ab in die Garage… Die brauchen wir sowieso nicht.« Was nicht Pragmatismus war, sondern einfach wahr. Nun waren das Klingelbett ein einziges durcheinander und der gute Mann, der die goldenen Schilder brachte, der ist nicht mehr dort, also wird auch im Haus ein Durcheinander herrschen, welches vor zwanzig Jahren inakzeptabel gewesen wäre.

Wer das Bild betrachtet, oder die Bilder überhaupt, die ich mal mit online stelle, dem wird auffallen, dass die Parkplatz-Situation vor Ort offenbar sehr entspannt ist. Das kenne ich anders. Eigentlich war abends immer die Frage, wo findet man noch ein Plätzchen. Eines, in das man noch hineinpasst, und in das man mit den mageren Einparkkünsten, die man damals besaß (ohne Servo-Lenkung und ohne Parkhilfe wohlgemerkt auch). Das sah heute ganz anders aus. Ich mag das nicht weiter interpretieren, was da wohl los war.

(Update 2015: Die Bilder sind aus dem Jahr 2015, da die alten Bilder verloren gegangen sind.)

Als ich dort einzog war irgendwas unten in dem Laden drin. Ich kann mich nicht mehr erinnern was. Es wird unwichtig gewesen sein. Vielleicht ein Blumenladen. Ich würde es fast vermuten, denn es wäre etwas, was mich nicht interessiert hätte. Bald darauf zog der Glücksfall meines Lebens dort ein. Ein Computer-Spielverleih. Das war damals innovativ. Wir waren auch innovativ und ich gestehe es gern. Damals musste man ein gewisses Know-how aufbauen, die trickreichen Kopierschutz-Mechanismen zu umgehen. Die bestanden manchmal darin, dass das achte Wort aus dem fünften Absatz auf Seite 97 zum Spielstart erfragt wurde – eine Menge Kopierarbeit war das. Oder Folien, die übereinander gelegt wurden – da musste man ganz schön am Firmenkopierer üben, ehe man das mit den Folien hin hatte, aber unsere Sekretärin war da sehr hilfreich, auch wenn sie für das Computerspielgedöhns nichts übrig hatte. So ganz schnell kam das aber mit dem Computerspiel-Laden dann doch wieder nicht, denn erst 1993 (in dem Dreh) hatte ich mir einen PC gekauft.

Als ich ausgezogen bin, war der Laden schon woanders und ich hatte unten einen türkischen Fleischer drin. Mittlerweile war dort ein Grill. Ich habe im Internet nach der Adresse gegoogelt, weil ich mir nicht sicher war, ob es jetzt »Kirchenweg 10« war oder »Kirchenweg 10a«. Letzteres war richtig und es ist gerade eine Wohnung frei, wie man an der Anzeige sehen kann (Update: Bilder nicht mehr vorhanden). Der Grill wird ausdrücklich erwähnt. Nicht, dass jetzt jemand denkt, dass ein Grill auf dem Hof stehen würde … auf dem Hof war gerade Platz für die Mülltonnen. Aber es gab einen Party-Keller, auch wenn der eher selten von der Hausgemeinschaft genutzt wurde.

2015-07-27T13:50:07+00:0020. Februar 2012|Categories: Dies und Das|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Kirchenweg 10a, Kiel