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Von Riesen und Wild West-Feeling

Frau Schwiegermutter hatte gesagt, es gäbe Mammut-Bäume zu sehen, die ganz, ganz alt wären und die müsste man unbedingt sehen. Im Yosemite ist es nun nicht so, dass man sagt – ja, dann lass uns mal schnell hinfahren. Es zieht sich, man fährt langsam und wird auch ständig abgelenkt. Zum Beispiel von Wasserfällen oder Bergspitzen, Eichhörnchen und Kojoten. Naja, ich will nicht übertreiben – es gab nur einen einzigen Kojoten, der uns abgelenkt hatte, und der war so schnell weg, dass eine Ablichtung nicht möglich war. Bären sind uns – die Einen sagen zum Glück, die Anderen leider – nicht begegnet. Aber dafür haben wir wohl auch zu zivilisiert gewohnt.

Wir fuhren also zum Mariposa Grove, an dem sich diese Mammutbäume aufhalten sollten. Bäume, das ist das schöne und macht sie im Gegensatz zu Kojoten, Bären und Eichhörnchen auch verlässlicher, sind recht stetige Geschöpfe. Wenn man ungefähr weiß, wo sie sind, kann man sich auch verlassen, dass man sie dort antrifft. Die zweite entscheidende Frage ist dann eigentlich nur, ob man auch hinkommt. Denn diese Bäume stehen an den unmöglichsten Orten – diese Beispiel zwischen 1700 und 2100 Metern. Zu den 1700 bringt ein noch ein Motorgefährt, der Rest muss zu Fuß erwandert werden und da der Gruppen-Alters-Durchschnitt demographisch korrekte 60 Jahre beträgt, gab es alsbald Beschwerden über die Lage der Bäume und das Allgemeine. Aber man kann halt nicht alles haben – Gruppen-Senioren-Rabatt und Mammut-Bäume in angenehmer Lage.

Wir marschierten aber auf dem Wanderweg zu drei Highlights und wunderten uns, warum diese schönen Bäume alle so angekokelt waren – die Erklärung kam erst recht spät auf einem Schild. Die Parkverwaltung beschäftigt »Fire Manager« die gezielt ermitteln, an welchen Stellen der Wald mal wieder ein Feuer benötigt. Dem ganzen Buschkrams geht es damit ans Leder ebenso Kleinvieh wie Ameisen und Käfern. Dem Rest ist es egal, denn rundherum gibt es ja Ausweichmöglichkeiten. So mancher kleiner Junge wünscht sich ja, Feuerwehrmann zu werden, einfach, weil er um diesen Beruf eines »Fire Managers« überhaupt nichts weiß. So geht es sicher auch den Leuten, die gern irgendwelche Häuser anzündeln und die nun in Deutschland im Knast sitzen. Den kann man doch nur raten, nach Amerika auszuwandern und ihr Talent nutzbringend einer Park-Verwaltung anzudienen.

Wie immer lohnt sich auch hier frühes Erscheinen, denn die Hauptwanderwege sind spätestens um zwölf Uhr verstopft und was um diese Zeit an Touristen erscheint, ist wirklich nicht der Rede wert. Was die für T-Shirts anhaben! Und wie laut die immer sind!

Meine Lieblingstouristen sind ja die Japaner. Nicht alle – ich habe einige gesehen, die mit Stativ auf die Berge geklettert sind und dort wahrscheinlich fantastische Naturaufnahmen gemacht haben. Nun gut, einen habe ich von denen gesehen. Aber ich gehe davon aus, dass es mehr von diesen gibt.

Der normale Japaner stellt sich aber vor die Landschaft, bedeckt damit über den Daumen gepeilt 50% des schönen Motivs und lässt sich dann ablichten. Wichtig ist natürlich, dass die Schärfe auf der Person liegt, so dass derjenige, der die Bilder später betrachtet, nur erahnen kann, dass dahinter eine schöne Landschaft liegt. Bei der Einschiffung nach Alcatraz in San Francisco, ich erwähnte es wohl, wird man vor eine Leinwand von der Insel gestellt und fotografiert. Ich glaube nicht, dass irgendjemand sieht, ob das nun wirklich Alcatraz ist oder eine Foto-Tapete. Und so ist es wohl auch mit den Landschafts-Aufnahmen. Zuhause kann keiner mehr sagen, ob das nun die echte Landschaft war oder nur eine Foto-Tapete, also auch egal, wenn man die Landschaft nur als Beiwerk betrachtet. Die Amerikaner sind auch nicht viel besser, allerdings bedecken diese im Durchschnitt mindestens 75% des Bildes – denn die Japaner sind ein wenig schmächtiger oder sie lassen die kräftigeren nicht aus dem Land.

Solche Motive gab es also bei den Mammut-Bäumen, die übrigens zu keinem Zeitpunkt Gewinner irgendeines Weltrekordes einer Einzeldisziplin sind (es gibt Ältere, es gibt Höhere, es gibt Umfangreiche, und und und – aber in der Kombi sind sie schon nicht schlecht und einmalig), zuhauf. Da konnte man sich in einen ausgehöhlten Baum stellen, vor den größten seiner Art in diesem Wald (wirklich mächtig und beeindruckend) und wir sind danach nach unten gegangen. Erfreuten uns an merkwürdigen Gewächsen, die erst gegen Mittag aus der Erde auftauchten und rot leuchteten (manchmal lohnt das spätere Aufstehen halt doch) und beobachteten die Eich- und Streifenhörnchen bei ihren neckischen Spielchen im Wald.

Die weltbeste Ehefrau erwies sich ein weiteres Mal als nicht wildnistauglich, denn die zur Verfügung gestellten Toiletten ließen ihr ein Bedürfnis vergehen, dass normalerweise nicht verdrängbar ist. Hilfreich ist sicher, wenn man verschnupft ist (manchmal hat das Schlechte auch einen Nutzen) und eine Sonnenbrille trägt. So hab ich‘s gemacht und bin damit ganz gut gefahren. Ich mag mir jetzt aber nicht vorstellen, wie das auf einer richtigen mehrtägigen Berg-Wanderung abgehen soll, wo solche Lokalitäten normalerweise gar nicht zu finden sind.

Schnupfen in den Bergen ist bei Wanderungen vielleicht ganz erträglich. In der Kombination mit Autofahren aber wirklich lästig. Ständig hat man die Ohren zu und die letzten beiden Tage bekomme ich nur die Hälfte, von dem was gesprochen wird, mit und Pflege das Karies meiner Zähne mit Kaugummi und Bonbons. Die Mitreisenden wissen ja um das Leiden und haben teilweise das selbe Handicap, aber den Gastgebern muss ich manchmal ziemlich tumb vorkommen, wenn ich auf Ansprache gar nicht oder nur sehr irre reagiere.

Im Anschluss fuhren wir zurück in Richtung Yosemite Valley und hatten noch einige tolle Ausblicke und ein gefrorenes Lemon-Eis, welches genauso sauer wie lecker war und dringend einer Wiederholung bedarf.

Unterwegs trafen wir noch einen anderen Deutschen, der in den USA lebte, und der uns empfohl, dass wir nach Oregon fahren sollten. Da wäre es wirklich schön und vor allem grün. Nun ja: Wir haben eigentlich vor in die Wüste zu fahren und ahnen schon, dass es dort alles andere sein wird – nur nicht grün. Aber wir haben es mal auf einem Merkzettel untergebracht: Oregon.

Eigentlich wollten wir ein wenig zeitiger wieder im Hause sein, das ging allerdings schief. Zum einen, weil wir schnuckeligen Coulterville halt machten und dort in einen waschechten Saloon einkehrten. Sagen wir mal so: In das was uns für einen waschechten Saloon vorgemacht wurden. Wenn wir ganz ehrlich sind, hatte es auch ein wenig damit zu tun, dass wir die Restrooms aufsuchen wollten. Aber lustig war es schon irgendwie.

So wurde es nichts mit dem zeitigen Auftauchen in der Hütte, sondern wir waren zur üblichen Zeit in Mariposa, umfuhren das »Gelbe Restaurant« weiträumig und kehrten im »Savoury‘s« und aßen so was von lecker. Gute Küche gepaart mit exzellentem Service, der auch noch gut aussah – wie auch die weltbeste Ehefrau meinte – was Besseres hat uns an dem Abend gar nicht passieren können.

2015-04-04T12:11:50+00:0024. Mai 2011|Categories: Unterwegs, USA 2011|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Von Riesen und Wild West-Feeling