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Wie damals

Damals, mit der Reichsbahn, da wusste man auch nie so genau, wann man ankam. Man war aber dran gewöhnt. Im Augenblick gewöhnt man sich bei der Deutschen Bahn auch dran. Gestern war mal wieder so ein Tag, bei der es die Bahn schaffte, auch das letzte Lächeln aus meinem Gesicht zu zaubern.

Ich habe keine Probleme damit, früh aufzustehen. Muss hat manchmal sein. Dafür darf ich an anderen Tagen ausschlafen. Ausgleichende Gerechtigkeit. Bei der Planung der Reise war mir schon aufgefallen, dass ich in Neumünster verdammt wenig Zeit hatte – elf Minuten. Aber normalerweise schafft man es in dieser Zeit auch, sein Frühstück zu holen.

Allerdings nicht, wenn der Zug aus Kiel in Bordesholm schon sechs Minuten Verspätung hat. Mir ist ein Rätsel, wie man um diese Uhrzeit bei bestem Wetter, auf einer Strecke von fünfundzwanzig Kilometern, es auf sechs Minuten Verspätung bringen kann. Unerklärlich. Wenn man also in so einer Situation auf dem Bahnsteig steht und einem klar wird, dass man sein Frühstück im Zug einnehmen muss, sinkt die Laune erheblich.

In Neumünster blieb ich auf dem Bahnsteig stehen, es lohnte ja nicht. Der Zug kam ja gleich. Fünf Minuten, da sollte man sich in Position für den richtigen Wagen bringen. Dumm nur, wenn es keine Wagenstandsanzeiger gibt. Danke!

Wenn es schon rätselhaft ist, wie ein Nahverkehrszug um diese Uhrzeit, wo nichts los ist auf den Schienen, es zu sechs Minuten Verspätung bringt, so ist man über eine ICE noch verwunderter. Das legte sich aber, als wir erst einmal im Zug saßen. Den mit dem Enthusiasmus, mit dem der Zug in Neumünster los fuhr, so wurde ein schnell klar, würde es eine längere Reise werden.

In Hamburg‐Dammtor wurde uns das auch vom Zugführer bestätigt: Der Zug würde zwanzig Minuten Aufenthalt haben, da es eine Triebwagen‐Havarie gegeben hätte. Kein schönes Wort am frühen Morgen. Da habe ich immer die Titanic vor Augen oder den Dampfer auf der Havel, der mit mir als kleinem Jungen da mal eine Panne hatte. Die weiteren Erläuterungen verhießen, dass die Türen geschlossen würden und, auch nett, das Licht erlöschen würde. Was für eine heimelige Atmosphäre würde es werden im Zug.

Dann ging das Licht an, und der Zugführer verkündete, es würde noch etwas dauern, was der Lokführer eine Minute später aber korrigierte und meinte, er wäre abfahrbereit und damit ja auch der Zug.

Der Zug fuhr mit dem gleichen Enthusiasmus los wie in Neumünster und man hatte das Gefühl, man könne auch laufen. Irgendwann nahm das Ganze dann ein wenig an Fahrt auf und dann meldete sich auch der Lokführer, was man ja nicht so häufig hat, mit erklärenden Worten: Der Triebwagen würde heute nur die halbe Leistung bringen, er könne da nichts für, aber das wäre nun einmal so und er würde sein bestes Geben, könne aber nichts daran ändern. Man hörte ein Aufstöhnen derer, die ihren Tag mit Terminen gepflastert hatten und nun, in eis‐ und schneebefreiten Zeiten meinten, das man pünktlich ankommen könne.

Irgendwann hörte der Zugchef auf, sich die Verspätungen anzusagen und da es für ihn keine Verspätung mehr gab, musste er sich auch nicht dafür entschuldigen. War mir auch recht, denn wenn man die ganze Strecke fahren muss, in diesem Fall bis Stuttgart, wird man es auch irgendwann leid, diese ewigen Entschuldigen aus dem Bahn‐Ausredenkalender hören zu müssen.

In Stuttgart, das war noch mal ganz interessant, kam ich mit anderthalb Stunden Verspätung an. Mein Zug allerdings nicht. Man hatte ihn umdeklariert zu einem anderen Zug, der einigermaßen pünktlich kam. Das fand ich dann schon ganz interessant. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das eine neue Masche ist, nachdem Motto: »Hey, Dein Zug hatte gar keine so dolle Verspätung.«, oder ob das Personal der Bahn zwischenzeitlich den Überblick verloren hat, mit welchen Zügen sie es zu tun hat.

Egal. Da ich eine dreiviertel Stunde Aufenthalt in Stuttgart für meine Weiterfahrt gehabt habe, die ja weg war, die folgende Verbindung aber exakt eine Stunde später fuhr, bin ich nur mit einer Stunde Verspätung an meinem Zielort angekommen und damit genau in der Frist, in der es keine Entschädigung von der Bahn gibt. Also alles gar nicht so schlimm.

Bahn fahren ist trotzdem toll. Wie meinte die Dame im Zug neben mir: »Wahrscheinlich halten wir irgendwo auf irgendeinem Bahnsteig an, und müssen in den Zug aus Hamburg einsteigen, der uns demnächst überholt. Der wird dann völlig überfüllt sein.« »Ja«, meinte ich, »ist aber auch egal, weil die Stimmung an Bord dieses Zuges schon spitze ist, weil vermutlich das Reservierungssystem heute nicht funktioniert.« Geänderte Wagenreihung und ausgefallene Heizung fielen mir später noch ein. Aber man soll ja nicht den Teufel an die Wand malen. Schließlich habe ich am Freitag noch eine Rückfahrt.

2011-01-18T22:21:10+00:0018. Januar 2011|Categories: Unterwegs|Tags: |Kommentare deaktiviert für Wie damals