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Fast wie Bambi

Nein, es gab kein Kartoffelbrei gestern. Den hatte ich dann erst heute wieder. Gestern gab es Lasagne. Mit Chips. Eine gewöhnungsbedürftige Kombination. Anfangs kam von meiner Gast‐Mutter noch die Frage, ob ich meine Frau vermissen würde. Ich habe gesagt: Nein, eigentlich nicht jetzt, da es für mich wie eine Dienstreise wäre. Am Wochenende würde das sicher anders aussehen. Nun ja: Nach fünf Tagen irische Hausmanns‐Kost könnte ich antworten: Ja, ich vermisse sie, weil es doch anders ist als eine Dienstreise und auch weil mir ihr Essen fehlt.

Aber das tue ich natürlich nicht: Ich erzählte ihr, dass diese Art von Unterkunft für mich etwas Besonderes wäre und ich ja normalerweise anders unterkomme, und es ein wenig eigenartig wäre, in einer Familie zu leben, zu der man eigentlich kein Bezug hat. Das löste gleich Besorgnis aus, es könne mir nicht gefallen. Das stimmt so nicht – egal: Kartoffelbrei mal wieder zu essen, ist schön. Sogar mit Fischfilet. Aber heute gab es Kartoffelbrei mit Hühnchen und ich kann nicht anders: Ja!, schon wieder!

In der Schule war Grammatik ein großes Thema. Diesmal ging es um Conditionals. Kurz wiederholt wurden die Formen 1, 2 und 3 – bevor zügig zu einer neuen Form gewechselt wurde. Nun ist es nicht so, dass mir die anderen Formen schon vertraut gewesen wären. Gehört ja, angewendet in der leichtesten Form. Aber nicht so, dass ich über dieses Thema fix hinweggegangen wäre. Ich hatte gestern schon erwähnt, dass ich nicht das Gefühl habe, in der richtigen Klasse zu sein. Das Niveau ist ein wenig zu hoch und ich habe zu viele Lücken. Nach den Conditionals war es dann soweit. Ich bat John, den Lehrer, auf ein Wort und sagte, ich wäre unglücklich und ich hätte das Gefühl, das wäre nicht mein Niveau.

Hmm, ob ich die Klasse wechseln wolle, fragte er. Nun ja, das ist die Option die ich habe, meinte ich. Ja, aber…, kam da von ihm. Es waren einige »abers«, die ich nicht abstreiten konnte. Ja, ich würde ihn gut verstehen. Ja, ich würde auch mitdiskutieren. Er meinte letztlich, lass uns gucken, was in der nächsten Woche kommt und er überflog das Kapitel in dem Buch. Einfach. Einfach. Einfach. Das wird eine einfache Woche, Du solltest hier bleiben, meinte er. Da blieb ich und hoffe…

Aber ich kann noch mal auf das Thema »Kartoffeln« zurückkommen. Es gab interessante Momente jenseits des Sprachaufbaus. Zum Beispiel als der Brasilianer in der Gruppe erfuhr, dass Kartoffeln aus Südamerika nach Europa gebracht wurden. Er fragte immer wieder, und das konnte er gar nicht fassen, was wir denn vorher gegessen hätten – insbesondere die Iren. Da hätte es schon was gegeben, antwortete ihm John, aber halt keine Kartoffeln, keine Tomate und kein Kakao. Wie kein Kakao? Ja, das hätten wir Kolumbus zu verdanken, was die Spanier wiederum nicht verstehen wollten, die Kolumbus anders nennen, und nicht glücklich waren, als man ihnen mitteilte, das Kolumbus kein Spanier war sondern auch Genua kam. Trotzig gab es zur Antwort: Gut, aber es war ein spanisches Schiff. Zum Thema »Schiff« hatte dann auch noch Olivia, die Süd‐Koreanerin, etwas beizusteuern, als sie in ihrem Beispielsatz den »betrunkenen irischen Kapitän« erwähnte, der die Titanic versenkte, was John gespielt oder absichtlich betroffen machte, und er meinte, dies stehe ganz oben auf der Liste in dem Buch »Wie mache ich mir in Irland keine Freunde«. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, denn er konnte ja noch festhalten, dass es sich um einen Nord‐Iren handeln würde.

Gestern war der Abend für die alten Säcke in der Schule. Ich war Bambi. Der Pub war nett, die Musik war nett, das Bier war nett – aber ich machte mich zeitig auf den Weg, denn so nett, das ich ewig bleiben wollte, war es auch nicht. In den Pub geht man wohl doch mehr mit Freunden oder wenn man ganz allein ist.

2010-09-02T22:48:39+00:002. September 2010|Categories: 2010, Unterwegs|Tags: |Kommentare deaktiviert für Fast wie Bambi