Es gibt Unruhe und es gibt Unruhe, wenn man am Gepäckband steht. Die eine Unruhe ist die, die einen beschleicht, wenn die Mitreisenden mit ihren Gepäckstücken abgezogen sind und man ohne da steht. Die andere Art von Unruhe ist die, wenn man meint, geschlagene Stunden vor dem Gepäckband zu stehen und überhaupt kein Teil auf dem Band landet. Die erstere Variante ist wohl die Schlimmere … wir hatten in Rom nur mit dem zweiten Phänomen zu kämpfen und sind damit noch gut weggekommen.

Die aus Frankfurt kommenden Freunde mussten zwei Stunden warten, bevor sie mit ihren Gepäckstücken den Flughafen verlassen durften. Sprich: Sie waren noch genervter als wir, die nur etwas mehr als eine halbe Stunde an dem Gepäckband gestanden haben.

Von der Hotel‐Webseite hatten wir eine Beschreibung, wie wir zum Hotel mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen könnten: Mit dem Zug zum Hauptbahnhof, mit der 910 bis zur Enthaltestelle und dann mit der 911 mit zur Iranischen Botschaft – und schon wäre man da.

Nun kostet die Zugfahrt schon etwas und wir waren am Überlegen, ob wir uns wirklich diese Reise antun sollten. Der Taxifahrer vor der Türe wurde gefragt, was es denn kosten würde (wobei das Wort “fragen” ein wenig übertrieben war, da unser Italienisch gegen null tendierte und das Englisch des Taxifahrers knapp über unserem Italienisch‐Niveau dümpelte), antwortete uns, dass es um die fünfzig Euro kosten würde. Das war weniger, als eine Webseite uns prognostiziert hatte und günstiger, als wenn wir mit dem Zug fahren würden. Also drängten wir uns in einen Skoda und fuhren Richtung Hotel. Ein netter Wagen zum Einkaufen, dieser Skoda, als Taxi für fünf Personen aber etwas unterdimensioniert.

Als wir auf den Hof des Hotels fuhren stand auf dem Taxameter aber eine 50, womit sich die Schätzung des Chauffeurs als sehr exakt erwiesen hat. Dafür gab es dann auch ein angemessenes Trinkgeld und ein Bravo.

Angenehm überrascht über die Taxifahrer in Rom, machten wir uns dann auf den Weg in die Innenstadt um mal ein wenig innerstädtische Luft zu schnuppern und auch die italienische Küche zu testen. Uns ging dabei auf, wie weit wir mit unserem Hotel von der Innenstadt entfernt waren, denn der Preis betrug fast die Hälfte von der Fahrt zum Flughafen. In uns wuchs der dringende Wunsch aus Sorge um die Geldbörse, uns mit den öffentlichen Nahverkehr vertraut zu machen.

Aber erst einmal guckten wir uns das Restaurant an, das uns unser Reiseführer empfohlen hatte. Wir wurden weggeschickt, da wir nicht reserviert hatten. Der Hinweis im Reiseführer diesbezüglich war also ernst zu nehmen. Für das nächste Mal sind wir klüger.

Um die Ecke gab es ein Restaurant, welches gar nicht mal so versteckt lag, wo man aber noch problemlos einen Tisch bekommen konnte. Wir machten es uns dort gemütlich und wurden von einer wahrhaften Matrone bedient, die sich überhaupt gar nichts daraus machte, dass wir des Italienischen nicht mächtig sind und uns trotzdem verschiedenste Sachen erzählte, zum Beispiel, dass sie aus Monaco käme. Die Reise entwickelte sich für mich zu einem großen Tiramisú‐Test. Dieses Restaurant, wo die Bedienung am originellsten wahr, musste sich in dem großen Test allerdings mit dem vierten Platz zufrieden geben – nicht nur kein Medaillen‐Rang sondern auch noch der letzte Platz.

Wir hatten das Restaurant kaum verlassen und sind ein paar Meter gestapft, als Rainer meinte: “Hier riecht es nach Eis!” und siehe da, an der Ecke war nicht nur ein Eisladen – es war der Eisladen, den wir unbedingt besuchen sollten. Man sollte nicht erwarten, dass es dort etwas wie eine Schlange gäbe. Es wird der bedient, der dem Eis‐Einfüller seinen Bestell‐Zettel am dichtesten unter die Nase reibt. Und es gab auch hier noch eine kleine Hürde zu überwinden: Nicht anstellen und bezahlen, sondern erst einen Bestell‐Zettel kaufen und dann bekam man sein Eis. Etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn man schon ein Weilchen gestanden hat.

Aber irgendwann standen wir glücklich vor dem Eisladen und schleckten unser Eis, bis auf die Eis‐Spürnase, die das Drängel‐Prinzip noch nicht verstanden hatte und immer noch am Ende einer nicht existierenden Schlange darbte.

Da man in Rom in den Bussen keine Fahrscheine kaufen konnte, brauchten wir noch einen Tabak‐Laden. Nur hier sollte man die begehrten Fahrscheine bekommen. Nun bewegten sich die Zeiger der Uhr schon stet auf die 12 zu. Wir irrten herum und bekamen schließlich an der Piazza Venezia die Chance: In der Hinterstube eine Bar (man könnte sagen “ein wenig verrucht”, aber so war es nicht) kauften wir ein Sieben‐Tages‐Ticket für je 16 Euro. Dann wollten wir mit dem Bus zurück fahren. Taten wir dann aber nicht, weil wir nicht herausbekommen konnten, wie wir denn bis zum Hotel kommen sollten. Dabei konnte man uns noch nicht einmal vorwerfen, unvorbereitet gewesen zu sein. Martina kundschaftete in ihrem Büchlein herum, aber zielführend (im wörtlichen Sinne) war das nicht. Und wir waren dann schon in der Nachtbus‐Phase und da griffen wir nochmals auf Taxis zurück.