Die Gruppe hat gar keinen Namen, vielleicht könnte man sie mit HSW abkürzen, aber das Fehlen eines Vokals macht Abkürzungen auf Namensbasis nicht sehr attraktiv und gut merkbar. Viel besser passt wahrscheinlich die Interessensgruppe Eis (IGE) oder einfach nur die Ice‐Group. Diese Gruppe steht für besondere Anlässe auch schon mal früh auf. So saßen wir am Sonnabend schon um sieben Uhr beim Frühstück und planten unseren Ausflug zum Papst.

Morgens ging es mit den Öffentlichen immer sehr gut, da gab es keinen Grund zur Klage. Um halb neun Uhr waren wir vor dem Petersdom und begehrten Einlass. Die Schlange war nicht sehr lang und wir waren bald durch die Sicherheitschecks. Ich weiß gar nicht mehr genau, warum, aber auf jeden Fall meinte irgendjemand, dass es eine dufte Sache wäre, wenn man einen Audio‐Guide hätte, der einem den Petersdom erklärt. Ich bin da nicht so ein Fan von, aber nun ja. An der Rezeption wurde uns erklärt, dass der Audio‐Guide mehr die spirituellen Fragen behandeln würde, ein echter Führer die (kunst)historischen Fakten. Einer menschlichen Einweisung war ich gar nicht abgeneigt und mit dem Guide, der uns führte, hatten wir auch noch außerordentliches Glück. Er schickte uns zwar erst einmal in die Gruft, wo wir uns die Gräber verschiedener Päpste anschauten, was – ich sag es mal, wie es ist – leidlich interessant ist und nur deshalb einigermaßen angenehm ist, da es dort schön kühl ist.

Die Führung, die ich nur jedem ans Herz legen kann, wurde von einem Holländer durchgeführt, der nicht nur mit einem Haufen an Wissen über den Petersdom versehen war, sondern auch einer gehörigen Portion Selbstironie (“Die waren schon ganz schön arrogant. Fast wie Holländer.”) und auch der übrige Witz war nicht zu verachten. Ein geflügeltes Wort wurde: “Machen Sie es wie die Römer: Drängeln und Lachen!” Die Führung dauerte an die anderthalb Stunden und war eine der lohnesten Investition im Urlaub (20 Euro pro Person – sollte man also in das Reise‐Budget einplanen). Von dem Guide kam auch der Hinweis, dass man nicht in unmittelbarer Umgebung vom Vatikan speisen sollte, sondern sich ein wenig weiter zurückziehen sollte und, dass es keine gute Idee ist, nach der Besichtigung des Petersdoms zum Vatikanmuseum zu eilen, denn da wäre es verdammt voll. Nachmittags wäre es viel leerer, so ab zwei Uhr.

(Es gab einen Stein, den man berühren sollte, um alle Sünden vergeben zu bekommen. Warum die protestantischen Damen unserer Gruppe diesen unbedingt berühren mussten, bleibt mir schleierhaft. Es versteht sich, dass sie auch den Schuh des Glücks rubbeln mussten. Kurzfristig brachte das kein Glück – weder wurden die öffentlichen Nahverkehrsmittel dadurch besser; ganz im Gegenteil – sie wurden jeweils einmal beim Essen von den Kellnern nicht mit ihren Speisen versorgt.)

Wir marschierten aus der Vatikanstadt wieder auf heimisches römisches Gebiet und wagten den Aufstieg zur Passeggiata del Gianicolo (den Aufstieg zur Kuppel des Petersdoms hatten wir uns gespart, da haben wir für das nächste Mal noch was), von wo aus wir einen fantastischen Blick über Rom hatten. Rainer bestellte ein Eis für sich, und gab als Zielrichtung fünf verschiedene Sorten vor. Es kamen fünf Eisbecher, randvoll mit Eis, so dass wir uns alle über das Eis hermachten. Es gibt Verwechslungen und Missverständnisse, die einfach göttlich sind.

Von dort aus marschierten wir zur Engelsburg und genossen nochmals die fantastischen Ausblicke auf die Stadt. Warm war es auch an diesem Sonnabend, aber das war jetzt nichts neues. Aber mittlerweile wussten wir die öffentlichen Trinkwasser‐Hähne sehr zu schätzen und füllten unsere Flaschen jeweils mit den römischem Wasser ab. Anschließend waren wir bereit für das Vatikanische Museum. Wir waren zwischen drei und halb vier Uhr dort und: Es war leer. Allerdings ist dieser Zeitpunkt ein wenig spät. Wenn man sich die Sammlung in Ruhe anschauen möchte, hat man dann etwa anderthalb Stunden Zeit. Das ist recht wenig. Aber um einen Überblick zu bekommen, reicht es erst einmal und zum Schluss kann man sich in der Sixtinischen Kapelle mit den anderen Besuchern drängeln. Ich war übrigens weniger von der Sixtinischen Kapelle begeistert (ja, ist schon schön und eine Leistung), ich fand die Sammlung an moderner Kunst – die ich gar nicht erwartet hatte – viel interessanter. Muss ich erwähnen, dass dies ein recht ruhiger Platz in diesem Museum ist?

Da wir noch nicht mit den Regionalbahnen gefahren waren, nahmen wir diese mal. Ein Wort des Lobes haben wir übrig: Die Klimanlage funktionierte. Gut, die Fenster waren so verschmiert, dass man nicht rausgucken konnte und der Zug hatte Verspätung, aber das sind wir ja von zu Hause gewohnt.

Im Viertel Trastevere fanden wir unser Abendbrot. Es war ein einfaches Restaurant und von allen das Beste. Hier war übrigens auch der Sieger des Tiramisú‐Wettbewerbs zu finden und ich weiß gar nicht, ob ich von dieser, von meinen Spaghetti Lobster oder dem Wein begeisterter war. Ein rundum gelungener Abend und wir kamen auch irgendwann zu Hause an, nachdem wir herausgefunden hatten, dass die Straßenbahn “3” eigentlich ein Bus war und … aber lassen wir das. An der Bushaltestelle trafen wir ein Pärchen aus Frankreich, die meinte, die Italiener wären so schlecht zu verstehen, da sie so schnell sprechen würden. Das aus dem Munde von Franzose zu hören, war schon mehr als amüsant. Das Verkehrssystem wäre chaotisch, urteilten sie gnadenlos, und für Touristen überhaupt nicht zu verstehen. Ihre Meinung zu italienischer Küche fragten wir danach nicht mehr ab, da sie sich vielmehr dafür begeisterten, wie oft wir schon in Frankreich gewesen sind. Ich fragte, ob sie denn Deutschland kennen würden, was sie verneinten, aber sie hätten es auf ihrer Liste. Na, das macht ja Hoffnung.

Zwei Stunden nach unserem Aufbruch vom Abendbrot‐Tisch waren wir schon im Hotel und fielen totmüde in die Betten.