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The long road

Ich kann nicht genau sagen, ob ich ein Fernseh- oder ein Radio-Kind war. Vielleicht war es so, dass ich ein Fernseh-Kind war und später ein Radio-Jugendlicher wurde. Der Grund dafür war einfach: Musik. Musik für Jugendliche spielte im Fernsehen keine große Rolle. Es gab »Formel 1«, und das hörte es für uns Ost-Kinder, die zu den glücklichen mit Westempfang gehörten, auch schon auf. An MTV und Viva war nicht zu denken. Blieb das Radio.

Zur Jugendweihe bekam ich einen Kassettenrecorder geschenkt, von der West-Tante und dem dazugehörigen Onkel. Später gab es dann noch Kopfhörer, weil die Anschlüsse zwischen West und Ost auch mehr trennendes als gemeinsames hatten. Ich hörte bis in die späte Nacht Radio, wachte oft mit Kopfhörern um zwei Uhr nachts auf, hörte Stimmen, die einem damals vertraut waren und heute Wetter und Verkehr in Hamburg ansagen. Kompetente, über Musik redende Stimmen, also keinesfalls eingebildete.

Zu diesen Radio-Erinnerungen gehört auch eine Sendung, die auf RIAS 2 lief und sich mit Filmen beschäftigte. Die Filme waren egal, ich wusste, dass ich sie vielleicht in drei Jahren im West-Fernsehen sehen könnte, aber die Musik, die hatte man schon mal. Ich weiß nicht genau, wie die Sendung hieß, aber es war immer von Soundtracks die Rede – es hat eine Weile gedauert, ehe ich dahinter kam, was denn damit gemeint war. Filmmusik halt. Im Osten gab es keine Soundtracks, da gab es noch nicht einmal Filmmusik zu kaufen. Zumindest wüsste ich keine, die ich jemals in einem Plattenladen (ja, Platten!) gesehen hätte und wo ich gedacht hätte: »Ach, sie mal an: eine Filmmusik!«, obwohl die Filme durchaus vertont waren.

Der Abspann dieser Sendung wurde mit einem Stück verziert, welches nie angesagt wurde. Es war ganz klar, die Sendung war zu Ende, der Moderator sagte noch einmal seinen Namen und dankte allen Zuhörern und Zuhörerinnen (wahrscheinlich in umgekehrter Reihenfolge). Schluss, aus. Sollte ich jemals erfahren, wie das Stück hieß und von wem es war? Naheliegend, dass es aus einem Film stammte, aber welchem? Manches Musikrätsel konnte ich ja schon zu DDR-Zeiten lösen, beispielsweise war mir recht schnell klar, dass die Musik vor der Tagesschau, die auf dem Dritten des NDR gespielt wurde, von Andreas Vollenweider stammen musste. Nach der Wende hatte ich alle Scheiben von ihm, und damit auch dieses Stück (»Con Chiglia« aus »Caverna Magica«).

Das Rätsel des Soundtrack-Songs sollte sich allerdings erst dieser Tage lösen. Ich verbringe zur Zeit viel Zeit südlich von Frankfurt und der Empfang von Bayern 3 ist dort hervorragend. Meines Erachtens eigentlich zu gut, denn in meinem Stammhotel dudelt der Sender rauf und runter, und ich möchte den Otto um sieben Uhr mit seinen Gesprächen nicht mehr hören. Auch der Nachfolger um acht Uhr kommend, mäßig komisch, aber sich als Clown versuchend, ist nicht gerade die Offenbarung. Offenbarungen gibt es aber um kurz vor zehn Uhr, denn dort wird ein nachdenklicher Text zur Nacht gebracht, religiös angehaucht. Da man ein Thema hat, gibt es nichts weiter zu der Musik zu sagen, die diese Gedanken einleitet und untermalt. Mein Lied.

Heute ist es natürlich viel einfacher. Songs lassen sich im Internet nachschlagen, und wenn man hier nicht weiterkommt, dann kann man beim Sender anrufen oder ihm eine Mail schicken, und die gebührenfinanzierten Mitarbeiter, melden sich mit den Antworten zurück: Mark Knopfler – »The long road«. Oh ja, das war wirklich ein weiter Weg – über zwanzig Jahre.

2009-02-25T22:14:27+00:00 25. Februar 2009|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für The long road