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Weichgespülter Ring

Da will man mal was Gutes tun … und was kommt raus. Lange Gesichter. Zu Weihnachten verschenkte ich Karten für ein »Herr der Ringe«-Konzert. Die zweitbilligsten Plätze kosteten immer noch 51 Euro, ein wahrlich fürstlicher Preis. Veranstaltungsort: das Tempodrom in Berlin.

Über zweihundert Mitwirkende versprach das Plakat, aber die Quantität ist mir eigentlich ziemlich wurscht. Solange die Musik stimmte, war ich zufrieden. Aber bevor man sich auf das Gehörte konzentrieren konnte, muss man erst einmal gucken. Eine Videoleinwand war hinter der Bühne positioniert und mit Beginn der Musik wurde ein Ring auf diese projiziert. Diese Ring blieb während des gesamten ersten Stücks auf der Leinwand, ohne, dass ich etwas tat. Dann kam Bewegung ins Spiel: Mit Beginn des zweiten Stücks wurde eine Landkarte eingeblendet und ein Pferd wurde langsam vergrößert eingeblendet. Was für eine Darbietung! Mir fällt für so eine Vorstellung nur eines ein: grottenschlecht. Wenn man es nicht kann, dann sollte man es sein lassen. Ich finde, dies ist eine ganz einfache Regel.

Recht sporadisch wurde auch mit Licht gearbeitet. Das man einzelne Solisten hervorhebt, mag ja noch angehen. Warum das bei einem Konzert nach einer Filmmusik, quasi klassisch, auch noch mit rotem und grünen Licht rumspielen muss und dieses relativ uninspiriert über das Orchester schweifen lassen muss, bleibt mir indes ein vollständiges Rätsel.

Hätte man sich also diesen ganzen Multimedia‐Schnickschnack gespart, dann wäre nur noch die Musik über geblieben und auch an der konnte man herumnörgeln. Was mir auffiel (und besonders deutlich wird es, wenn man dann das Original von der CD nochmals hört), ist, dass es weichgezeichnete Musik war. Es gab keine Konturen. Spielte da etwa eine Posaune im Hintergrund ein Thema, dass nennenswert war? Produzierte sich da etwa die Oboe? Nur durch genaues Hinhören, konnte man es erahnen.

Wenn man von dem, was man gehört hat, wieder weggeht, stellt sich mir auch die Frage, warum man um Gottes Willen das gesamte Orchester und den gesamten Chor in Abendkleidung auftreten lässt, aber ausgerechnet die Trommler in Kostüme steckte? Gerade die Trommler hatte noch nicht einmal die passenden Kostüme, sie hätten in Ork‐Kostüme gepasst. Aber egal, sie hätten sich erst gar nicht verkleiden sollen. Da nicht das gesamte Orchester so auftrat, war es hochgradig albern. (Vermutlich hätte ich aber ein komplett verkleidetes Orchester komplett albern gefunden, aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.)

Wir sind nach der (ersten) Pause gegangen. Es reichte uns. Schade um die Zeit…

2008-02-11T20:30:00+00:0011. Februar 2008|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Weichgespülter Ring