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Michael Crichton – »Next«

Wo sich die Gentechnik eingeschlichen hat, ist für uns Normalos doch kaum noch zu überblicken. Hin und wieder werden wir mit Debatten konfrontiert, in der sich Politiker, Wissenschaftler und Ethiker um das Eine oder Andere streiten. Beispielsweise, ob man menschliche Embryonen von Abtreibungen für die Forschung verwenden soll. In diesem Zusammenhang werden gern Schlagworte wie »adulte Stammzellen« verwendet und so läuft die Debatte unter Ausschluss der Massen, die keine Meinung hat oder haben kann, unter dem Begriff Stammzellendebatte.

Vielleicht kann ein Buch wie es Michael Crichton geschrieben hat, so konstruiert es wirkt, einen Beitrag in der Debatte leisten. Trotz seiner Schwächen kann das Buch ein Augenöffner sein, um sich mit diesem Thema näher auseinanderzusetzen. Und das ist doch auch schon mal ein Verdienst.

Dieses Verdienst, übrigens auch einem fundierten Nachwort des Autors zu verdanken, kann man gar nicht genug schätzen. Anders sieht es mit der Story aus. Die kam mir nicht nur sehr konstruiert vor, sondern sie stellte sich für mich auch als überladen heraus. Weniger wäre mehr gewesen und hätte dann auch mehr Spaß gemacht. So steht man vor einem Wust von Themen, und fast noch ärgerlicher: einem Wust von Personen. Ein paar von diesen Protagonisten verschwinden aus dem Buch, ohne dass man sie richtig verabschieden konnte. Für mich gehört das dazu. Eine Figur hat eine wichtige Rolle, dann sollte sie nicht einfach so verschwinden.

Das war Michael Crichton wohl ziemlich egal.

In dem Buch geht, ich hatte es schon angedeutet, um das Thema Gentechnik. Es wird auf mehreren Ebenen geschrieben. Wir haben einen Patienten, der einen Prozess gegen eine BioTec‐Firma führt, die seine Zell‐Linie von einer Universität erworben hatte. Sein Arzt hatte ihm irgendwelche Formulare vorgelegt und jetzt kam ein Gericht zu dem Schluss, er könnte keine Entschädigung verlangen, denn die Zellen würden nicht ihm sondern der BioTec‐Firma gehören. Damit, stellt sich später heraus, auch die Zell‐Linien seiner Tochter und seines Enkels.

In dieser BioTec‐Firma arbeitet ein junger Mann, der Probleme mit seinem Bruder hat. Man kann diesen das schwarze Schaf der Familie nennen und der BioTec‐Mitarbeiter muss seine Arbeit unterbrechen, um seinen Bruder mal wieder von einem Gerichtstermin abzuholen, bei dieser nach Drogenproblemen auf Kaution entlassen wurde. In der Eile nimmt der Wissenschaftler eine Dosis einer Medizin mit, die er Ratten verabreichen sollte. Sein Bruder, immer auf der Suche nach etwas Schnupfbarem, schnappt sich die Ampulle und inhaliert sie mal. Der Wissenschaftler ist mehr als verärgert, registriert aber alsbald, dass sich bei seinem Bruder eine Persönlichkeitsänderung vollzieht. Dieser wird plötzlich zuverlässig, sucht sich einen Job und durchläuft eine Reihe sehr erfreulicher Entwicklungen.

Ein anderer Wissenschaftler wird mit der Frucht seiner Arbeit konfrontiert und muss diese in seine Familie integrieren. Was ziemlich unerfreulich ist, denn die Frucht seiner Arbeit hat zwar sehr menschliche Züge, seine unmittelbare Abstammung von einem Affen ist nicht zu verleugnen.

Da sind weitere Themen wie ein intelligenter Papagei und ein korrupter Mediziner, der mit Leichenteilhandel (unglaublich, aber wahr) sein Geld verdient, nur noch Kleinigkeiten.

Keine Frage, die Melange ist spannend und auch dieser Crichton ist, wenn man ihn erstmal in den Händen hat, ein richtiger Pageturner. Die eingangs erwähnten Schwächen lassen sich aber leider nicht von der Hand weisen. Wer die Geduld hat und sich für das Thema interessiert, der sollte auf die Taschenbuchausgabe warten.

2007-03-12T09:00:00+00:0012. März 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Michael Crichton – »Next«