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Walter Satterthwait – »Scharaden«

Phil Beaumont hat einen heiklen Auftrag bekommen. Es geht um den versuchten Mord, der an einem Parteivorsitzenden. Dessen aufstrebene, rechtsradikale Partei kann es sich nicht erlauben, dass ihr charismatischer Führer vor der Machtergreifung umgebracht wird. Klar, um wen es geht? Na, klar: Adolf Hitler.

Das ist irgendwie gewöhnungsbedürftig und ich finde es auch ein wenig gewagt, sich an ein solches Thema heranzuwagen. Schließlich haben wir es hier mit der leichten Muse zu tun und wenn diese einen küsst, dann stehen komplizierte Sachverhalte leicht im Wege. Es geht also darum, den‐ oder diejenigen zu finden, die dem deutschen Volke einen Dienst erwiesen hätten, wenn sie es denn geschafft hätten. Es ist sowohl in der Fantasie‐Welt wie auch in der realen, vergangenen eine große Tragödie, dass dies niemandem gelang. Diese Hürde umschifft Satterthwait aber recht geschickt und man muss ihm eines zu Gute halten, zumindest nach meinem bescheidenen und unwissenden Dafürhalten: Die Atmosphäre hat er eingefangen. Dazu gehört auch, dass es durchaus menschlich ist, dass sich die Protagonisten in diesem Roman auf die Rattenfänger einlassen.

Es ghet quer durch die Weimarer Republik. In Berlin untersuchen Phil Beaumont und Jane Turner, seine Assistentin, den Tatort und die Tatwaffen. Sie tauchen ein in der verruchte Milieu der statt. Ein Milieu gegen das die Nationalsozialisten bei sich jeder bietenden Gelegenheit wettern. Aber dessen Bestandteil sie auch sind, weil sie sich natürlich darauf einlassen. (Was ein wenig an die Prediger erinnert, die gegen Sonntags in der Messe gegen Sonntagsarbeit wettern und anschließend beim Bäcker frische Brötchen holen – menschlich also irgendwie.)

Die beiden Detektive sind schon bald sehr beunruhigt. Nicht nur, dass sie angegriffen werden und die Angreifer fadenscheinige Beweise am Tatort zurücklassen. Die Zahl der vermissten und Toten in ihrer Umgebung steigt exorbitant. Das wird auch nicht besser, als sie nach München fahren, um den großen Meister persönlich zu vernehmen. Sattherthwait zögert nicht, das Faszinierende an Hitler herauszuarbeiten. Relativiert wird das alles aber recht schnell, kommt es doch zu einer äußert unschönen Szene zwischen Hitler und Jane Turner. Überhaupt erweist sich München, schließlich die Hauptstadt der Bewegung, als sehr gefährliches Pflaster für die Ermittler. Sie haben das Gefühl, sie ermitteln nicht einen Täter und schützen Hitler, sondern müssen sich mit diversen Fronten innerhalb der Partei auseinandersetzen, die den ausländischen Detektiven auf das Äußerste misstrauen.

Natürlich müssen Detektive von dem Rufe eines Phil Beaumont und eines Jane Turner das Spiel durchschauen. Die Jagd nach dem Attentäter verläuft spannend und humorvoll. Man sitzt mit seiner vorgefertigten Meinung dar und wird immer wieder überrascht. Der Höhepunkt in diesem Buch ist ein echter Höhepunkt und soll an der Stelle natürlich nicht verraten werden.

2006-06-15T15:43:00+00:0015. Juni 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Walter Satterthwait – »Scharaden«