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Quälerei

In drei Wochen wird meine Schwägerin unter die Haube gebracht. Ein Blick in den Kleiderschrank brachte zu Tage, dass sich nicht passendes für diesen Tag finden wird. Mein Vorschlag, in Badehose zu erscheinen, das Wetter wäre ja danach, wurde von meiner Frau nicht begrüßt. Heute morgen eröffnete sie mir, dass es zu NORTEX nach Neumünster gehen würde.

Mein Einwand, ich würde heute ja schon bei FAMILA einkaufen gehen, das würde genug Shopping für heute sein, wurde abgebügelt. Sie würde das übernehmen. Vielleicht hat sie ja doch keine Lust, dachte ich mir, aber ich musste nun nicht zu FAMILA, dafür aber Klamotten kaufen.

Man kommt bei NORTEX rein, freundliche und große Räume und muss gleich dreimal »Guten Tag« sagen. Verkäufer möchten sich auf einen stürzen und einem helfen. Ich sagte brav zu allen »Hallo« und hastete weiter, meine Frau im Schlepptau. Wir standen kurz da, wollten uns orientieren, da wurden wir von unserem persönlichen Betreuer in Empfang genommen. Danach ging alles ganz schnell. Hose hatte ich innerhalb von fünf Minuten, auch das Jackett war innerhalb kürzester Zeit ausgesucht. Toll, der Mann taxierte mich kurz und konnte mir meine Hosen-Größe nennen. Merken kann ich mir sowas nicht. Zehn Minuten: 200 Euro.

Danach wurden wir »übergeben«, der Verkäufer kümmerte sich um eine kompetente Ansprechpartnerin in punkto Hemd und Krawatte. Die stellte uns dann verschiedene Kombinationen von Hemden und Krawatten zusammen und innerhalb einer für mich akzeptablen Zeit war auch hier eine Lösung gefunden. Meine Frau war zufrieden und erklärte, jetzt müsste sie noch was kaufen. Das hatte ich ja nun gar nicht auf dem Plan. Wenn ich etwas noch weniger mag als Klamotten für mich kaufen, dann ist es Klamotten für andere kaufen. Da werde ich recht schnell ungeduldig. Bei mir ist es auch so, dass wenn mir eine Hose passt, dann passt die zweite vom gleichen Hersteller, gleichen Schnitt, gleicher Farbe hundertprozentig auch. Männer denken so. Frauen, zumindest die meine, sind da ganz anders: Zwei Hosen werden gekauft, beide gleich, dann werden beide anprobiert. Meine Geduld wird da ganz schön auf die Probe gestellt. Ich sag’s mal so, würde ich die Frau nicht lieben, ich wäre schreiend raus gerannt.

Aber nun ist’s überstanden. Klamottenkauf, der für mich typisch ist, wird von mir allein erledigt: Allerdings komme ich dann meist mit Jeans und T-Shirts aus dem Laden und da habe selbst ich ein Einsehen – für eine Hochzeits ist das nicht das Wahre.

Den Mann, der die Krawatte als Kleidungsmuss ins Gespräch hatte, sollte man wieder ausgraben und noch mal eine Backpfeife geben!

2006-05-13T21:50:00+00:00 13. Mai 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Quälerei