Manchmal, meistens gegen Abend, wenn ich im Auto sitze und Radio höre, kommen so Berichte aus der Wirtschaft, zu der aus irgendwelchen Gründen auch Börsennachrichten gehören, die für mich manchmal den Eindruck von Glücksspiel machen (was aber ein ganz anderes Thema ist), und in denen dann die Rede von Mitnahme‐Effekten oder auch Gewinnmitnahmen die Rede ist. Sowas fällt einem dann ein, wenn man auf der Messe ist.

Meine Schwester ist auf Messen tätig, verdient sich den einen oder anderen Cent dazu. Schon häufiger hat sie berichtet, dass mitgenommen wird, was nicht niet‐ und nagelfest ist. Die Messebesucher sind sogar richtig fordernd, was Geschenke angeht, und reagieren unverschämt, wenn kein Kugelschreiber zu bekommen ist. Warum sind sie denn auf die Messe gekommen? Um Kugelschreiber und Tüten zu sammeln? Ich habe manchmal den Eindruck. Die Kosten‐Nutzen‐Rechnung geht ganz schön daneben, wenn man nicht ordentlich absahnt. Ich durfte das auch auf Messen beobachten, die ich besucht habe, wie zum Beispiel die CeBit, oder auf Messen, an denen ich selbst teilgenommen habe. Dort ist es nun nicht so arg, da die meisten Messen von Fachpublikum besucht wird. Aber die Düsseldorfer DRUPA und Imprinta wurden schon von Souvenirsammlern heimgesucht.

Am Mittwoch ist mir aber eine besondere Dreistigkeit aufgefallen. Da ging ein Mann vor uns her, in einer Halle, in der man nicht gewinnen konnte. Plötzlich sah er einen Besprechungstisch, auf dem ein Keksteller stand. Vielleicht hatte ihn eine Teamassistentin dort hingestellt, weil man Besuch erwartete und ein paar Kekse einen netten Eindruck machten. Auf keinen Fall, waren sie für diesen Mann bestimmt, der zielstrebig zu dem Tisch eilte, und ein paar von den Keksen einsackte. Da fällt mir nicht vielmehr als ein »Hallo!« ein.

Ein anderes, ziemlich beeindruckendes Beispiel von Mitnahmequalitäten habe ich in meinem Hotelzimmer diese Woche entdeckt. Da steht eine Tafel Schokolade bereit, für denjenigen, der sich des Süßen nicht erwehren kann. Dazu gehöre auch manchmal ich. So checke ich also ersteinmal die Bestände und schaue nach, was denn für Schokolade angeboten wird. Häufig ist es sowas wie »Nougat«, »Weiße Schokolade« oder »Buttertrüffel«. Nicht unbedingt meine Favoriten. Mein Zimmer war diese Woche mit der Tafel »Nougat« präpariert und so war ich ziemlich schnell desinteressiert. Aber die Verpackung zog mich dann doch an, weil ich mir dachte, hier stimmt doch was nicht: Die Packung war schon offen, und aus dieser Packung, Schokletten oder so ähnlich, auf jeden Fall einzelne Schokoladenstückchen, fehlte eines. Dazu fällt mir jetzt noch nicht einmal ein boshafter Kommentar ein. Obwohl der oder die Type, auf deren Mist dieser Mundraub gewachsen ist, diesen wirklich verdient hätte.

Allerdings: Was will man von so einer Gegend erwarten, wo auf einem Friedhof wie wild Gießkannen und Blumen geklaut werden.