Ich war heute auf der Buchmesse. Mit Rüdiger, guter Freund und bereit, einen jederzeit in peinliche Situationen zu bringen. Manchmal möchte man einfach nur Beiseite blicken und verwünscht den Tag, an dem man das Eine oder Andere vorschlug. Wenn ich mich an den heutigen Tag zurückerinnere, dann gibt es mindestens drei Situationen, an denen ich daran zweifelte, ob es eine gute Idee war, ihn mitzunehmen. Letztlich macht es aber immer wieder Spaß, man muss nur mitspielen.

Was kann man von einer Buchmesse berichten. Bücher über Bücher, und man hat das Gefühl, man ist ein Kind in einem Spielzeugladen und die Eltern haben kein Geld dabei. Man darf sich alles anschauen, aber nichts mitnehmen. Man würde ja auch gern kaufen, aber das ist auch nicht gestattet. Man bekommt keinen Eindruck davon, wie es am Wochenende ist, an denen jeder Bürger, der bereit ist zu zahlen, hineindarf, aber voll ist es auch so. Ich habe keine Bücher gesehen, die mich jetzt schwer beeindruckt haben. Habe allerdings zur Kenntnis genommen, dass von Fred Vargas ein Buch veröffentlicht wurde, das aber kein Krimi zu sein scheint (werde ich am Wochenende mal validieren) und das man einige Stände mit Herren versehen hat, die mit einem Knopf im Ohr versehen wurden (wie die Agenten in »Matrix«) und die offenbar damit befasst waren, Bücherdiebe zu fassen. Wie es die anderen Verlage machen, weiß ich nicht, beim Aufbau‐Verlag war es nicht zu übersehen. Ich glaube aber, dass auch die anderen Verlage durchaus eine Security haben.

Wir waren vom Brockhaus‐Verlag eingeladen, einem Kunden von unserer Firma, und die haben – wenn sie uns schon eingeladen haben, dann sollen sie wenigsten als Werbung auch erwähnt werden – die neue Brockhaus‐Enzyklopädie vorgestellt. Dreißig Bände sollen es werden. Sechs existieren schon, bis zur nächsten Buchmesse soll sie vollständig sein. Das klingt nicht nur großartig, das ist auch eine großartige Leistung. Die Show dazu, Rüdiger nannte sie interessant, was nicht positiv zu werten ist, war, nun sagen wir mal, interessant. Nicht mein Geschmack. Vermutlich wurde sie nur einmal aufgeführt, und dafür hatte man jemanden geholt, dessen Namen ich nicht verstanden habe, der aus New York kam und, hier kann ich wirklich nicht anders, herumjaulte.

Vermutlich bin ich ein Kunstbanause, aber vielleicht hätte der Chor aus Tübingen gereicht. Immerhin hatte uns der Herr, der einen Fan‐Club zu haben schien und eigentlich aus Dortmund stammte, gezeigt, wie belastungsfähig so ein Enzyklopädie‐Band ist. Er nahm ihn an seinem Einband und fing an, sich zu drehen. Dabei ging der Inhalt nach außen. Wäre vermutlich sehr unpassend gewesen, wenn sich der Inhalt von seinem Einband getrennt hätte, aber nein, er hielt und es ist gut zu wissen, dass die Buchbinder gute Arbeit geleistet haben. Es ist aber fest davon auszugehen, dass das Brockhaus‐Marketing vorher genau getestet hat, ob es die Belastung aushält. Eine kluge Entscheidung, die ich nachvollziehen kann. Ob die Hausfrau zu Hause, das Gleiche tun sollte, um die dreißig Bände regelmäßig zu entstauben, möchte ich aber bezweifeln. Immerhin reden wir bei dieser Reihe von einem Investitionsvolumen von zweieinhalbtausend Euro. Mindestens.

Dafür kann man sich an dem Goldschnitt erfreuen. Ich habe mich an einem Dedikationsexemplar erfreut. Ich war den ganzen Nachmittag so von diesem Wort fasziniert, dass ich hochneugierig nachschauen musste, was es denn heißen würde. Da es keine Dedikationsexemplar vom Brockhaus gewesen war, kann ich ja zugeben, dass ich dazu online bei Wikipedia nachgeschaut habe. Ein Widmungs‐ oder Schenkungsexemplar. Man lernt nie aus und ich bin schon gespannt, bei welcher Gelegenheit ich es anwenden kann.

Ein Gespräch, sehr, sehr, sehr, sehr nett bei Diogenes war natürlich auch mit drin (vielen Dank noch einmal für den Kaffee, das Wasser, die Schokolade und das Dedikationsexemplar), und ich weiß nicht, ob ich Anregungen gegeben habe, mehr werde ich sicher in den nächsten Wochen erfahren. Man sollte ja nicht über ungelegte Eier spekulieren, auch nicht in Zeiten der Vogelgrippe, aber ich werde rechtzeitig Bescheid geben, wenn ich etwas Neues erfahre.

Ich habe übrigens wieder einmal empfohlen, »Maigret und der Clochard« herauszubringen, da man der gesammelten Schülerschaft einen Gefallen damit tun könnte. Mal sehen, ob ich erhört werde. Dann verlange ich aber zumindest ein virtuelles Denkmal.

(Während der Brockhaus‐Show wurden einzelne Schlagwörter gerufen. Aus allen Bänden, die es gibt. Erlaubter Einwurf: »Hat da jemand Wikipedia gerufen«? Nein, das ist schwer zu glauben.)