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Man redet nicht drüber

Ich bin ein Kerl. Wenn es mir jemand gesagt hätte, ich hätte es bestritten. Schließlich bin ich ja durchaus kundig und habe meinen Dave Barry gelesen. Ich habe gelacht, aber ich bin auch so. Einfach so aus Jux mal die Rolltreppe zweimal hoch und runter fahren und Dummheiten auf dem Herrenklo machen, wenn man mit seinem besten Kumpel da ist. Ja, ich gebe es zu. Und wenn irgendwas mit dem Körperlein nicht stimmt, dann wird es wohl eine Verstauchung sein. Auf keinen Fall was Schlimmes. So lernt man so manche Sache, die man unbedingt kennenlernen muss, halt ein wenig später kennen. Zum Beispiel einen Urologen.

Als Kerl ist mir der Urologe natürlich ein besonderer Graus. War es zumindest bis heute vormittag. Denn, nun, es ging nicht weg. Nicht von allein. Also auf den Weg zu einem Urologen gemacht – natürlich ohne Termin (die Arzthelferin meinte noch, dass sie in dieser Praxis Termine lieben würden. Ich habe es verstanden.) – und mich in die Wartebucht gesetzt. Ich war der vierte Patient. Die Anderen: Männer fortgeschrittenen Alters, fünfundsechzig aufwärts. Ich dachte mir nur: »Die haben sicher alle was mit der Prostata. Oh, Gottogott! Und du selbst bis jetzt auch hier.« Ich drückte mich in meine Ecke und, nein, ich weinte nicht!, war ruhig und still.

Es dauerte lange, sehr lange. Das kann ein gutes Zeichen sein oder ein schlechtes. Erst dachte ich mir, alles hoffnungslose Fälle (zumal der Arzt, der die Patienten persönlich hereinholte, bei dem einen auf dem Zettel schaute und ziemlich laut – zumindest für meine Ohren – »Scheiße, scheiße« murmelte. Es klang besorgt und ich war es auch). Mein mentales Ruder wurde dann noch herumgerissen, denn ich dachte mir, der liebe Doktor nimmt sich einfach ein wenig Zeit für seine Patienten. So soll es sein. Als Privatpatient will man ja auch was bekommen für sein Geld, zumindest ein wenig Geld, wenn’s schon mit der Prostata nicht mehr so geht. Als Kassenpatient hofft man wenigstens drauf.

Sehr nett und irgendwie auch elegant, schaffte es der liebe Doktor von meinem eigentlichen Problem eine zeitlang abzulenken und das Gespräch auch Übergewicht im Allgemeinen zu bringen. Überflüssigerweise auch im Speziellen, aber das möchte ich, wie den Rest der Prozedur, gar nicht weiter ausführen.

Meine urologischen Probleme sind wohl nicht so gravierend. Frauen gehen mit ihren Harnwegsinfektionen ja gern hausieren, warum soll ich das als Kerl nicht auch mal machen? Antibiotika schlucken und auf das Beste hoffen. Ist übrigens eine Krankheit, wo weder Frauen noch Männer irgendwelche Vorteile haben: Das Jucken ist fürchterlich und Kratzen ist nicht drin. Was für ein Ärger!

Weitere Erkenntnis: Auch unter den Urologen gibt es ziemlich coole Kerle!

2005-07-14T23:42:55+00:0014. Juli 2005|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Man redet nicht drüber