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Auf der Insel

Vor ein paar Jahren waren Schwesterchen und ich zusammen in Malaysia. Das ging erstaunlich gut. Auch der Urlaub nach Vietnam in großer Familie wurde mit Bravour überstanden. Im letzten Jahr gab es einen Ausflug nach Südtirol. Der war so schön – da beschlossen wir, einmal im Jahr etwas zusammen zu unternehmen und da nur wir beide das machen würden, es als »Das Geschwisterding« zu bezeichnen. Die räumliche Entfernung zwischen uns, gibt halt wenig Gelegenheit, sich in Ruhe zu unterhalten, schwatzen, lästern, rumzualbern.

Dieses Jahr ist es Sylt. Meine Sylt-Erfahrung beschränkt sich auf ein paar Stunden in Westerland. Danach hatte ich kein Bedürfnis mehr, noch mehr von Sylt kennenzulernen. Das Schwesterchen war noch nie auf Sylt.

Gestern Vormittag (nachdem wir im Reisebüro die Reiserücktrittsversicherung für Namibia abgeschlossen haben und die Tickets für die Flüge der »Ost-Crew« entgegengenommen haben) fuhren wir nach Sylt. Ich hatte Tags zuvor ein Online-Ticket für den Sylt-Shuttle besorgt und war nun schon ganz aufgeregt, denn mit einem Autoreisezug war ich noch nirgendetwas gefahren.

Wir kamen fünf vor halb eins in Niebüll an, gaben den Code ein und schon wurde uns Zufahrt gewährt. Kurze Zeit später leerten sich die Schlangen. Erst die rechts neben uns, dann die links neben uns. Hinter uns scherte ein Fahrzeug noch auf die linke Spur aus, wohl in der Hoffnung mitzukommen und ich verfluchte ihn, weil für mich Vordrängeln zu den Totsünden gehört. Aber unsere Schlange wurde dann auch noch auf den Zug gebracht und ich sah, dass mein Fluch geholfen hatte, denn Fahrer und Fahrzeug des Vordränglers waren aufgehalten worden.

Die Überfahrt erfolgt im Auto sitzend. Es wurden weder Schnittchen noch Getränke gereicht, womit der Service so überhaupt keinem Sylt-Klischee entspricht. Am Ambiente kann also noch gearbeitet werden.

Das Schwesterchen meinte dann auch nach der Ankunft: »Da kommt man auf Sylt an und das erste, was man zu sehen bekommt, sind ALDI-Fahnen.«

Ich hatte eine Unterkunft in Morsum gebucht. Teuer, teuer, teuer. Aber es war nichts anderes zu haben, wenn man nicht in eine Ferienwohnung wollte. Was ich indes gebucht hatte, war mir nicht mehr so genau in Erinnerung. »Ihre Suite ist leider noch nicht bereit«, ließ mich an meinem Menschenverstand zweifeln. Hatte ich eine Suite gebucht? Keine Ahnung, ich hatte das letzte Zimmer in einem Hotel gebucht. Oder Booking.com hatte mich glauben lassen, es wäre das letzte Zimmer auf der Insel. Das kommt der Wahrheit wohl näher.

Der Name des Hotels lautet »Hof Galerie«. Das Gefühl »teuer« ist natürlich immer relativ, interessante Angebote gibt es auf der Homepage des Hotels. Die Adresse lautet Serkwai 1, 25980 Sylt / OT Morsum.
Eine Stunde hatten wir Zeit und das Schwesterchen hatte schon auf dem Zug verlautbaren lassen, dass es einer Mahlzeit nicht abgeneigt ist. Mit dem Schwesterchen und dem Esssen ist es so wie mit einem Vögelchen: Es braucht nicht viel und isst dann auch wie ein Spatz, aber es braucht was. Gegenüber vom Hotel war eine Bäckerei/Café und wir haben es nicht glauben wollen: Die Sonne war da! Wir saßen im Garten, warteten auf die Getränke und Speise (man ließ sich Zeit), sonnten uns und verjagten Wespen.

Wieder zurück im Hotel hieß es, unser Gepäck sei schon in der Suite – aber es würden gerade noch die Fenster geputzt. Wir können von dem selbstgebackenen Kuchen nehmen, uns in den Garten setzen und auch noch die Sonne genießen. Gesagt, getan.

Ein Stück Zitronen- bzw. Pflaumen-Kuchen später stand eine nette Dame neben uns und meinte, dass sie uns gern unsere Suite zeigen würde. Was man halt so als Suite bezeichnet…

Als da wären: ein Wohnzimmer mit einer Terrasse in den Garten, auf der selbstverständlich – wir sind ja auf Sylt – ein Strandkorb zu finden war, ein riesiges Bad, zwei Toiletten und zwei Schlafzimmer. Das Schwesterchen freute sich wie Bolle, dass sie die drohende nächtliche Geräuschkulisse aus Husten, Schnauben und Schnarchen nicht proaktiv bekämpfen musste. Ich freute mich, dass ich ganz viel Platz für mich hatte. Die erste Kühlschrankfüllung wäre inklusive, hieß es, wozu eine Flasche Wein und Kavier gehört. Darauf musste ich erst mal eine Fritz-Cola nehmen. »Wie damals in Malaysia«, tönte das Schwesterchen und ich brauchte ein Weilchen, bis mir Langkawi wieder einfiel.


Wir verließen das Etablisement dann trotz der schönen Unterkunft noch für einen Spaziergang und spazierten in Richtung Morsum-Kliff. Sehr schöne Ecke und das Wetter spielte (vorerst) auch mit. Wir gingen erst am Wasser entlang. Es gab nur eine einzige, etwas schlammige Herausforderung, die wir aber mit Bravour meisterten. Ein Trio anderer Touristen war auch noch in der Nähe. (Sylt hat ja wirklich viele Touristen. Fast ein wenig lästig.) Nett, wie man als Tourist so ist, fragte uns der Mann des Trios, ob er ein Foto von uns  machen solle. Ich zögerte zu lang, um da noch mit Würde herauszukommen und das Schwesterchen meinte dann: »Nein, er will nicht.« Da mir nichts Besseres einfiel, fügte ich hinzu: »Ich will die Bilder ja meiner Frau zeigen.« Es könnte sein, dass wir damit ihre Fantasie ein wenig angefacht haben.

Das Trio war eigentlich ein Quartett, nur dass der Fehlende in der Gruppe sehr flott vormaschiert war. Wir trafen ihn an einer Abzweigung auf einer Bank sitzend wieder, an der wir uns entscheiden mussten, ob wir noch oben auf dem Kliff langmaschieren oder besser direkt in Richtung Hotel gehen sollten. Seine Empfehlung war der Kliff-Weg und das war eine gute Entscheidung. Mit herrlichen Ausblicken auf die See würden wir belohnt und es war kaum was los. Vielleicht ja, weil die anderen den Wetterbericht ausführlicher studiert hatten als wir. Fünfhundert Meter vor dem Ziel kam der Wind und mit ihm der Regen.

Triefend nass trafen wir in unserer Suite ein, ruhten ein wenig ab. Trockneten, kann man auch sagen.

Dass auf Sylt die Uhren anders ticken und Franzosen und Spanier in Gefahr sind, hier zu verhungern, wenn sie sich nicht anpassen, wurde uns ein wenig später klar. Wir waren um kurz nach acht Uhr im Restaurant »Friesenwirtschaft« in Keitum. Ob es denn noch ein Tisch für zwei gäbe. Eine recht überflüssige Frage, die nur der Höflichhkeit halber gestellt wurde. Schon, hieß es von der Kellnerin: »Sie müsse sich mit dem Aussuchen beeilen. Die Küche schließt um halb neun.« Waaas? Normalerweise will man nicht von einem Koch in Zeitnot bekocht werden, aber wir wussten nicht, wie es anderswo gehandhabt wird. Die Karte war nicht riesig, aber alles klang sehr lecker. Kabeljau auf einem Kartoffel-Steinpilz-Püree war das meine Wahl, das Schwesterchen hatte sich für einen Salat mit Rinderfilet-Medaillons (oder einfach nur Stückchen?) und Scampi entschieden.

Es lässt sich aushalten…

2016-11-05T07:31:03+00:0019. September 2015|Categories: Deutschland|Tags: , , , , |Kommentare deaktiviert für Auf der Insel