Für unsere Verhältnisse gehen wir früh zu Bett und stehen zeitig auf. Normalerweise öffnen sich die Augen so gegen sechs Uhr. Regnet es, wie heute Morgen, so ein wenig früher. Der Regen prasselt dann aufs Dach und macht einen wach. Zu sagen, wir hätten mit dem Wetter bisher Glück gehabt, wäre eine Lüge. Da ist noch viel Raum nach oben auf der Gute‐Wetter‐Scala. Es gibt ja die Fraktion von Leuten, die sagen, dass es kein schlechtes Wetter gäbe, nur unpassende Kleidung. Nun ja, das mag an der Küste gelten – aber nur dann, wenn man keinen Badeurlaub geplant hat; in den Bergen halte ich von dem Spruch überhaupt nichts, denn schlechtes Wetter heißt, die Wege sind matschig, die Berge sind nicht zu sehen und die Wasserfälle verschwinden im Nebel. Da kann ich dann noch so passend angezogen sein, die Sicht verbessert das nicht.

Vorgestern Nachmittag gab es kleine atmosphärische Störungen zwischen Mutter und Tochter. Es wurde gemeinsam gekocht und Frau Schwiegermama meinte zur mir, dass Mutter und Tochter in der Küche nichts Gutes gäbe. Außerdem beschwerte sich Susann, dass meine Frau Schwiegermama immer alles wegwerfen würde. Verstand ich gar nicht.

Gestern Morgen räumte ich das Geschirr ein oder aus. Zwischen den einzelnen Geschirr‐Sorten lag nun Küchenpapier. Eigentlich waren dort kleine Gummi‐Lappen, wie ich sie auch Antirutsch‐Decke in meinem Auto hatte. Aha, dachte ich, das war doch gestern noch anders.

»Warum liegt denn hier Küchenpapier zwischen dem Geschirr?«

»Hat Mama gemacht.«

»Und warum?« fragte ich, da sich mir der Sinn nicht erschloss.

»Die sahen komisch aus«, meinte meine Schwiegermama, während die dazugehörige Tochter die Augen rollte und meinte: »Weil sie immer alles wegschmeißt.«

Ahh, nun konnte ich den roten Faden vom Vortag aufgreifen. Das war mir allerdings nicht Erklärung genug:

»Warum komisch, das gehörte doch so?«

»Das wusste ich doch nicht«, meinte Frau Schwiegermama.

Gut, dass konnte sein, ich kannte das Material ja auch nur, weil ich das mal in meinem Auto hatte.

Allerdings: »Wenn Du es nicht kennst und weißt, wozu es gut ist, warum fragst Du dann nicht?«

Erwischt!

Als wir vorgestern die Status‐Anzeige des Wohnmobils überprüften, die anzeigt, wieviel Frischwasser man noch hat, wie viel graues Wasser (Abwaschwasser) und wieviel schwarzes Wasser (Toilette), da stand die Anzeige beim Frischwasser auf leer, und die beiden anderen Tanks waren zu zwei Dritteln geleert. Das konnten wir uns nicht erklären und es gab ein sofortiges Abwasser‐Stopp‐Gebot. Auf dem Platz konnten wir Frischwasser nachfüllen, aber es gab keine Dump‐Station, für die Abwasser‐Beseitigung.

Das kam dann gestern morgen auf der Fahrt Richtung Wells Gray. Mir hatte jemand erzählt, dass Toiletten‐Abwasser könnte in einer Art von Batterie aufgehoben werden. Das hatten wir Gott‐sein‐Dank nicht. Es führt ein Schlauch aus den Tanks. Der kommt in die Auffang‐Station und dann wird erst der Hahn für den schwarzen Tank aufgemacht und im Anschluss mit dem Wasser aus dem grauen Tank hinterhergespült. Das war ratzfatz durchgelaufen und das hörte sich gar nicht nach vollen Tanks an. Bevor wir das »Toiletten-Tank-Präparieren»-Ritual vollzogen (ein blaues Zauber‐Chemie‐Stückchen ins Klo und zwei bis drei Eimer Wasser hinterher), schaute ich mal nach, wie der Füllstand in den Abwassertanks war: unverändert. Arrg, die Anzeige ist kaputt und nun dürfen wir die nächsten beiden Wochen immer rätseln, wie es denn um den Füllstand bestellt ist. Für die Lauge aus dem grauen Tank ist das kein Thema, aber unsere blauen Zauber‐Chemie‐Stückchen sind ja nun nicht endlos vorhanden. Insgesamt war die Angelegenheit aber weniger problematisch, als wir uns das vorgestellt haben.

Ursprünglich hatte ich geplant, von Cache Creek in Richtung 100‐Mile‐House zu fahren und dann »quer« rüber. Im Reiseführer stand aber, dass die Strecke Richtung 100‐Mile‐House wenig attraktiv sei. Weshalb wir die Strecke über Kamloops wählten. Nachdem ich auf den ersten Kilometern noch dachte: »Ach Gott, da hätten wir auch andersrum fahren können.«, gab es später eine Reihe von netten Aussichten, die allerdings getrübt wurden durch das Wetter.

Kamloops selbst umfuhren wir und wird uns nur in Erinnerung bleiben, da es hier die günstigsten Benzinpreise bisher gab und wir an der Tankstelle das erste Eis gegessen hatten. Überhaupt Tanken: Es passen zweihundert Liter rein und wir werden gute Gäste an den Tankstellen sein. Der Verbrauch des Autos ist nur günstig, wenn er steht und der Motor aus ist. Das wussten wir aber vorher.

Was wir an Tankstellen gern vergessen, das müssen wir echt noch lernen, ist, das Gas vorher auszustellen. Ja, das haben wir bisher jedesmal vergessen.

In Wells Gray nahmen wir erst einmal jeden Wasserfall mit, der unseren Weg kreuzte. Das waren die Spahat Falls (nett als Beginn), die Dawson Falls (spektakulär – nicht besonders hoch, aber breit und laut) und die Helmcken Falls, bei denen wir schon waren, die aber nicht da waren.

Das Wetter, ja immer wieder das gleiche Thema, wird in den nächsten Tagen besser werden. Wir werden es also nochmal probieren…

Unterwegs habe ich Blaubeeren in der Hand gehabt. Sie sahen aus wie Blaubeeren, die es hier ja auch im Joghurt gibt, wuchsen an ähnlichen Sträuchern, bevor ich aber auch nur dran riechen konnte, wurden mir diese mit der Begründung aus der Hand geschlagen, ich hätte sie ja nicht alle. Ich könne doch nicht einfach Sachen probieren. Wir haben jetzt also ein Blaubeeren‐Thema.