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In der Kommerz-Falle

Hatte ich eigentlich erwähnt, dass wir diese Reise auch antraten, um dem Weihnachtsrummel zu entkommen? Mir fällt das gerade nicht ein, und da ich sowas von ohne Internet bin, kann ich auch nicht nachschauen. Das ist uns missglückt. Ich bin eigentlich ein großer Fan von »Last Christmas«, aber da dieses Lied hier gefühlt zehnmal am Tag läuft und das im Wechsel mit »Happy New Year« von ABBA und »Jingle Bells« bekommt man dann doch irgendwann zu viel. Zählt man das zusammen mit den zahllosen Weihnachtsbäumen und Merry Christmas-Wünschen, kann die Mission Weihnachtsflucht als gescheitert betrachtet werden.

Gestern morgen lief im Hotel beim. Frühstück Weihnachtsmusik in einer Zupfvariante, wie live aus Österreich. Ich summte das Lied schon mit, und war damit nicht allein, denn die Bedienung war auch am Summen. Ich erkannte es nicht und summte es Susann voller Enthusiasmus vor. Ich komme nicht drauf, sagte ich zu ihr, was es ist. Sie hörte kurz zu und meinte: “Das ist “Last Christmas”!. Hui! Schlimmer war dann noch, dass auf der österreichischen Zupf-Weihnachtsmusik-CD nur drei Lieder waren und die Musik nicht gewechselt wurde. Da man die Sachen immer positiv sehen soll, kann ich nur dafür danken, dass Frühstück und nicht ein dreistündiges Dinner war.

Das vietnamesische Wetter war durchaus bereit, uns auch seine hässliche Seite zu zeigen. Wir stiegen in Hanoi in unseren Mini-Bus und es fing an, zu regnen. Im Nu waren waren die Straßen dreckig und die alles verwandelte sich in eine unfreundliche gelbe Masse. Man konnte nicht weit schauen, und das, was man sah, lud auch nicht zum Dableiben ein.

Ich hatte mir auf der Karte nicht angeschaut, wo es genau hingehen sollte. Man muss sich auch ein wenig überraschen lassen. Nach Programm war die Fahrrad-Tour der Höhepunkt des Tages. Denn Tempel hatten wir schon gesehen und Boots-Touren hatten wir auch schon einige gemacht.

Wir fuhren auf einer Autobahn, oder so was ähnlichem. Die Betreiber hatten schon herausbekommen, dass man von Autofahrern gut Maut nehmen kann. Die Investitionen in die Infrastruktur lassen aber sehr zu wünschen übrig. Man lernt das Hüpfen im Auto und sollte jemand gerade einen eingeklemmten Rückennerv haben, so ist eine Autofahrt das Schlimmste, was passieren kann.

Als wir das erste Ziel erreicht hatten, fingen wir an, das Wetter zu verfluchen. Man hätte nicht doll unter dem Nieselregen gelitten, denn die vietnamesischen Kaufleute passen sich den Bedürfnissen ihrer Kundschaft sehr flexibel an und standen mit Regenplanen und Schirmen bereit. Auch die Besichtigung von Tempelanlagen bei leichten Regen, bringt keinen Norddeutschen aus der Fassung. Aber wenn man in eine Gegend kommt, die von traumhafter Schönheit ist, wie man sie dort findet, und selbige lässt sich Dank Nebels nur erahnen, kann man schon ein wenig aus der touristischen Fassung geraten. Wir hatten schon Bilder von der Halong Bay gesehen, aber was sich dort auftat, war die Halong Bay an Land.

Noch vor dem Mittagessen erfuhren wir von Tuan, wie Hund schmeckt. Allerdings nur verbal, mit zwei Regeln: Man isst keine kleinen Hunde und die großen Hunde lässt wie einen Schäferhund isst man auch nicht. Bei der Wahl ist man allerdings nicht so eingeschränkt und isst schon mal den eigenen Hausgenossen, wenn er alt geworden ist. Kommentar Tuan: “Ja, es ist ein Freund. Aber man kann auch Freunde essen.”

In Hua Lu checkten wir im Hotel am Rande des Ortes ein. Die Freundlichkeit der Vietnamesen muss nicht extra erwähnt werden, aber hier war das Personal und die Besitzerin besonders freundlich. Vielleicht fiel das auch feshalb so auf, da das Hotel,familiengeführt war. Die Zimmer waren recht einfach, aber wie bisher immer, sehr sauber. Da die Temperaturen zu wünschen übrig ließen und Dämmung zumindest zur Zeit noch ein Fremdwort zu sein scheint, wude eine andere Funktion der Klima-Anlage sehr wichtig: die Heizung.

Der Höhepunkt des Tages war dann aber ohne Zweifel die Bootstour. Nun schrieb ich, dass die Fahrradtour der Höhepnkt sein würde, aber diese wurde gestrichen – von uns – und selbst wenn sie stattgefunden hätte, hätte sie es nicht auf den ersten Platz schaffen können. Es sei denn, der Herr Papa hätte sich auf das Fahrrad gesetzt. Dankenswerterweise wurden wir von Tuan vor der Fahrt gebrieft und waren so für das Kommende gewappnet. Womit die Tricks der Ruderer gemeint waren. Womit wir nicht rechneten, war die atemberaubende Schönheit, die sich uns vom Boot aus erschloss. Wir stiegen in das Boot und ein Ruderer, der mit den Füßen ruderte (obwohl er such Arme hatte…), und eine Frau, die ein Ruder hin und wieder in das Wasser hielt, waren als Begleitpersonal dabei. Das Verhältnis Besucher:Personal betrug 1:1.

Mir war das Glück hold, denn ich saß vorn. Susann hatte die Ruderin neben sich sitzen und wurde alsbald von dieser mit Informationen über Familienstand und Geschichten aus selbiger versorgt. Während wir an imposant schönen Gebirgslandschaften vorbeiruderten, wurden wir gewahr, dass auf anderen Booten versucht wurde, Handel zu treiben. Oft eine recht einseitige Sache und ich vermute, die meisten Touristen kaufen nur, um ein wenig Ruhe zu haben. Irgendwann wurde ein anderes Boot angesteuert und von diesem eine Kiste übernommen, in der der Kram drin war, von dem wir bis dato verschont geblieben waren.

Ein paar Grotten später schien der Flussarm zu enden (oder war nicht mehr schiffbar) und es wurde gedreht. An der Stellemgab es aber fliegende Händlerinnen und die versuchten Getränke zu verkaufen. Da wir nicht wollten, kam dann die Masche, dass die aruderer durstig seien. Man muss zäh sein, um nicht zu kaufen. Ich sagte der Ruderin hinter mir, es gäbe einen höheres Trinkgeld, wemm sie uns befreien würden. Das klappte. Kurze Zeit später zog die Ruderin ein Fotoalbum heraus und präsentierte ihre Familie. Kurz darauf hatte Susann was gekauft.

Die Fahrradtour wurde zurmFahrt mit dem Bus, an dessen Ende eine Pagode stand. Schwesterchen machte mit mir einen work out und wir stiegen die Stufen zur zweiten und dritten Pagode hinauf. Wir hörten später, dass die Untengebliebenen mit Plagen in Form von fliegenden Händlern gestraft wurden.

Der Ort war ein Kaff. Das Mittagessen war kein Höhepunkt, weshalb die Feage nach dem Abendbrot eine sehr wichtige wurde. Es gab da ein Restaurant mit Western Food und Pizza. Die Speisekarte überraschtemit dem Logo von Pizza Hut. Die Pizza hatte mit der von Pizza Hut nichts zu tun, ich hatte von den Mutigen probiert, war aber für eine Pizza in Vietnam nicht schlecht. Frau Mama konnte ihren Käse-Bedarf für mehrere Tage decken.

Übrigens Frau Mama: Diese gelüstete es plötzlich nach Schokolade. Es gab an der Strasse eine Reihe von Läden, aber eine Tafel Schokolade war bei aller Hilfsbereitschaft des Personals nicht aufzutreiben. Auf dem Rückweg enterten wir noch einen Laden, der nach unserem Verständnis am Ehesten als Konsum druchgehen würde. Mit dem Unterschied, dass am Ende des Verkaufsraum ein Bett stand, auf dem ein Kind lag und Fernsehen guckte. Schokolade gab es auch da nicht, aber Frau Mama kaufte noch eine Not-Ration Schmelzkäse – den mit der Kuh, den es scheinbar weltweit gibt – und ich frischte die Zahnpasta-Bestände in meiner Waschtasche auf.

2012-12-28T19:23:16+00:0028. Dezember 2012|Categories: Unterwegs|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für In der Kommerz-Falle