Abgesehen davon, dass der frühe Vogel manchmal den Wurm fängt, fängt er manchmal auch Bilder von menschenleeren Straßen bei schönem Wetter ein. Was ja auch schon was ist. Wir waren schon um acht Uhr beim Frühstück, was ausreichend und gut gewesen war; machten uns dann auf den Weg zur Straßenbahn und hatten – im Vergleich zu gestern – bei strahlendem Sonnenschein die Innenstadt für uns. Die Restaurants hatten noch nicht auf, die Buden noch nicht aufgebaut und die meisten Touristen lagen noch im Bett oder waren beim Frühstück. Einfach herrlich.

Wir betrachteten den Königsweg von der anderen Seite und machten dann eine Bootsfahrt mit einer nachgebauten Gallone in Richtung Westerplatte. Das kann man machen, muss man aber nicht. Was man wirklich machen sollte, ist eine geführte Tour durch Gdansk. Sicher, die wichtigsten und schönsten Punkte hatten wir auch ohne die Stadtführerin entdeckt. Aber so richtig Spaß macht das Sehen erst, wenn man auch die Geschichten dahinter erzählt bekommt. Von unserer Stadtführerin kann ich nur sagen, dass sie es Klasse gemacht hat und mit einer Mischung aus Verehrung der Stadt und ihrer Geschichte, purer Begeisterung und Selbstironie und Humor keine Langeweile aufkommen ließ. Da die Gruppe »so groß« war, brauchte sie auch länger – wofür sie sich entschuldigte. Dabei hat sie uns die rechtsseitige Stadt gezeigt und die Altstadt konsequent gemieden. Zu wenig Zeit.

Von den Polen heißt es, sie würden wie die Henker fahren. Sportlicher, meine mal eine Polin zu mir. Das ist wohl war. Ich hatte allerdings bei den Überholmanövern, die sie mit mir exerzierten, kein einziges Mal das Gefühl, sie würden mich gefährden. Bei anderen beobachteten Manövern hatte ich manchmal das Hui-Gefühl gehabt, aber da die Polen immer noch sehr gläubig sind und den vorletzten Papst ja auf ihrer Seite hatten, ist da auch ein gehöriges Maß an Gottvertrauen mit dabei. Das ist insofern auch wichtig, dass in einem Augenblick die Straßen noch besser sind als die besten Straßen in Deutschland, im nächsten Augenblick aber an die Pisten in Swaziland gemahnen.

Mit der englischen Sprache kommt man hier ganz gut durch. Mit Deutsch manchmal sogar noch besser. Einmal hatten wir es, dass die Bedienung sogar gefragt hat, ob wir nicht lieber Deutsch mit ihr sprechen könnten; bei anderen Gelegenheiten wurde es angeboten beziehungsweise verfielen die Gegenüber automatisch in die deutsche Sprache. Der Fallback erfolgte dann, als erkannt wurde, wo wir herkamen – zum Beispiel bei der Nachfrage nach einer deutschen Tour.

Unser Polnisch indes ist recht dürftig. Am Tag 2 kann ich vermelden, dass ich mir die Wörter »ja«, »nein«, »Guten Tag« und »Brot« ganz gut verwenden kann und dazu noch »Danke«; wobei eher Letzteres zum Einsatz kommt, da ich auf Fragen eigentlich nie in Polnisch antworten kann. Ich habe aber das Gefühl, dass die Polen sich schon über ein Danke in ihrer Sprache freuen und nicht auf die Idee kommen, anschließend gleich in ihrer Muttersprache eine Konservation führen zu wollen.

Jeden guten Vorsatz fallen lassend, haben wir uns heute mit Zuckerwatte an dem Wenig-Kohlenhydrate-Gebot versündigt. Ich wollte es mal wieder ausprobieren und weiß jetzt, wie sie schmeckt und es sich anfühlt. Dabei gewann ich die Erkenntnis, dass es mit Bart noch schwieriger ist dieses Zeug zu vertilgen als ohne. Susann sah danach aber noch lustiger aus.

Das Abendessen war das teuerste was wir bisher hatten, verglichen mit den anderen allerdings nicht das Beste. Vermutlich haben wir die Lage – am Königsweg in Danzig – mitbezahlt. So, wie die Getränke an den großen Boulevards von Paris auch teurer sind.

Begeistert – und das ist keine Übertreibung – bin ich über die Internet-Anbindungen hierzulande. Sie sind schnell, umsonst und größtenteils ohne Passworthampelei. Man sitzt in einem Kaffee, will sich kurz erkundigen, wie es denn mit Danzig und dem Wasser steht, und es werden einem keine Stolpersteine in den Weg gelegt. Auch das Wetter ist so schnell überprüft, auch wenn meine Regen-Radar-App nur bis Stettin funktionierte.

Vorsichtig habe ich mal bei Susann angeklopft, wie sie die Reise bisher empfindet: Erfreulicherweise meinte sie: »Mit jedem Tag besser…« und sie war schon von Stettin recht angetan.

Eine Bemerkung noch, bevor ich es vergesse: Wir fuhren über die Grenze und sahen einen Laden, der für uns völlig uninteressant ist: Die weltweit billigsten Zigaretten. Zwei Kilometer später sahen wir einen anderen Laden, der mit dem gleichen Versprechen lockte. Einer von den beiden muss lügen.