Als Höhepunkte der letzten beiden Tage könnte man die Momente bezeichnen, in denen es nicht geregnet hat und würde der Wahrheit ziemlich nah kommen. Das war jeweils der Vormittag.

Gestern gab es keine Bericht, da sich das Internet in den Winkel unseres Zimmers nicht verkriechen wollte und ich nicht zwingend Lust hatte, die Etage zu wechseln. So ereignisreich war der gestrige Tag dann auch nicht gewesen oder anders gesagt: Es gab eine herausragende Besichtigung, die es dafür aber in sich hatte. Wir waren am Morgen nach Marienburg aufgebrochen und der Reiseführer versprach uns die größte Backsteinburg Europas. Bei Näherem überlegen bin ich geneigt, zu behaupten, dass es wohl die größte der Welt ist, denn wo sollte es sonst noch Backsteinburgen geben?

Wenn man dann davor steht, ist man beeindruckt. Diese Burg ist wirklich imposant, man steht davor und denkt sich immer nur wieder: »Wow!« Wenn man sich dann vorstellt, dass das ganze Burgdrumherum, wie es im Mittelalter üblich war, mittlerweile nicht mehr vorhanden ist, was früher auch zur Burg gehörte und wenn man dann noch erfährt, dass der Turm ja nur noch eine Höhe von 30 und ein paar Metern hat, statt wie früher über 60, dann wird man ganz blass im Gesicht. Gut, die Herrschaften der vergangenen Ordensritter hatten sich mit dem Aufbau ordentlich Zeit gelassen. Von der Mitte nach außen gebaut. Man sieht aber im inneren der Burg ein Bild, welches die Zerstörung nach dem zweiten Weltkrieg zeigt und man begreift, wie sich die Polen ihren guten Ruf als Restauratoren erarbeitet haben.

Ein wenig schwierig war der Kartenkauf. Unsere Stadtführerin in Gdansk hatte uns gesagt, dass die Museen am Montag gratis wären – wir waren uns aber nicht ganz sicher, ob das nur für die Stadt oder für ganz Polen gelten würde. Wenn es für ganz Polen gilt, dann hat sich das Museum der Marienburg da fein heraus dividiert, denn es hat am Montag zu. Man kann aber die Burg und ein paar Räume besichtigen und damit waren wir gut zwei Stunden beschäftigt. Wir hatten gerade das Gelände des Kassenhäuschens betreten, da tauchte eine Dame mit dem Schild auf, dass es deutschsprachige Führungen geben könne. Man müsse sie halt nur kaufen. Sie machte uns deutlich, dass wir uns die Kosten auch gern mit anderen teilen könnten. Das war schwierig, da die anderen Deutschen offenbar nicht in der Lage waren, dieses Konzept zu verstehen oder nicht mit wildfremden Landsleuten durch eine Burg marschieren wollten. Eine Familie gesellte sich dann zu uns und wir teilten uns die Führerin, was die Angelegenheit doch recht preiswert machte…

Die Dame führte uns mit jeder Menge Erklärungen durch die Burg und hatte dabei auch ein glückliches Händchen mit den Kindern des zweiten Paares, war sehr geduldig. Einer der Nebenhöhe‐Punkte war der Moment, in der der Vater eine Frage stellte, die zu aller Zufriedenheit beantwortet wurde und der, ich würde mal sagen, fünfjährige Sohn ebenfalls eine Frage zu stellen hatte: »Gibt es auf der Burg auch Spielzeug?« Die Antwort fiel ein wenig enttäuschend für den Knirps aus.

Wir wollten uns dann noch eine andere Stadt, ihren Marktplatz und die Brücke anschauen, die recht berühmt ist. Das mit der Brücke war uns gelungen, diese war aber gesperrt und so hatten wir keine Chance die Stadt zu erreichen. So sahen wir wieder ein wenig vom Land und brachten unser Navi zur Verzweiflung.

Dann fing es an zu Regnen und wir landeten in Elblag. Das Hotel hatte auch den Namen »Atrium« wie das Hotel in Stettin auch schon. Ein Neubau mit angenehmen Zimmern, auf jeder Etage vier Zimmer und es gab (wahrscheinlich) vier Etagen. Die Innenstadt von Elblag ist nach alten Vorbildern wieder aufgebaut worden, ich denke aber nicht nach Originalen. Es ist ein wenig wie Disney‐Land, aber nicht unangenehm. Man muss nicht in diese Stadt fahren, um sie gesehen zu haben, aber als Übernachtungsort ist sie angenehm.

Wir hatten uns auch die Kathedrale des Ortes angeschaut. Während wir so rumspazierten, kam ein junger Mann, fragte »Deutsche?« und schaltete für uns, nur für uns, die Lichter für einen Altar ein. Sehr schön, aber ohne weitere Erklärung. Nun habe ich schon eine Kirchenerklärungen hinter mir und kann mir auch als nicht Bibel‐Kundiger zusammenreimen, was zu sehen ist. Wir wandten uns ab, er schaltete das Licht wieder ab und meinte: »Sloty?« Wir gaben ihm ein wenig Geld, aber Susann fragte mich zu Recht, ob die Kirche von dem Geld etwas sehen würde. Vielleicht – vielleicht auch nicht, meinte ich, mit Blick auf den jungen Mann, der sich in die letzte Reihe gesetzt hatte und wartete, dass sich andere Besucher ein Licht aufgehen lassen wollte. Aber eine clevere Geschäftsidee, meinte ich.

Nach einem leckeren Frühstück heute Morgen, machten wir uns auf den Weg in Richtung Pampa. In dieser Gegend, eine genauere Angabe kann ich nicht liefern, da ich die Namen mir weder merken, noch schreiben geschweige denn aussprechen kann, sollte es eine Seilbahn für Boote geben. Über Kanäle sind die Seen miteinander verbunden, aber es gibt so einiges an Höhenunterschieden und die werden über Seilzüge verbunden. Wir hatten alsbald einen gefunden und sahen noch aus der Ferne, wie ein Boot hochgezogen wurde. Dann war erst einmal Ruhe und als wir gerade auf dem Rückweg waren, kamen noch ein paar Boote und so konnten wir bei einsetzendem leichten Regen beobachte, wie das passiert. Faszinierend einfach eigentlich, aber mit einem erheblichen Aufwand dahinter. Das Schiff kommt rein, wird auf einen Wagen verfrachtet, dieser Wagen wird dann anschließend hochgezogen und wieder gewässert. Das ganze im Zweischicht‐Takt. Wirklich interessant.

Danach fing es an zu regnen und wir fuhren zum zweiten Höhepunkt. Dies sollte eigentlich eine Stadt auf dem Wege sein, aber da der Regen immer stärker wurde, kehrten wir in ein Restaurant ein, welches im Baedeker erwähnt worden war und es gab Piroggen mit Obstfüllung. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich tendiere dazu zu sagen, dass die Seilbahn für Züge keine schlechte Errungenschaft Polens ist, aber diese Piroggen mit Blaubeere‐Füllung – das ist für mich die bessere Erfindung. Mag auch daran liegen, dass sich der praktische Nutzen einer Seilbahn für Boote für mich nicht direkt bemerkbar macht, während die Piroggen… Es ist nicht übertrieben, wenn ich dass ich den ganzen Nachmittag in dieser Erinnerung schwelgte. War das lecker!

Ein schlechtes Gewissen haben wir natürlich trotzdem, denn der Heilige Stefan vom Fitness‐Center wird diesen Anschlag mit von Kohlehydraten ganz gewiss nicht tolerieren können. Da will ich von der Cola und den Salzkartoffeln am Abend gar nicht erst anfangen. Und der Waffel mit heißen Kirschen.

Untergebracht sind wir ein einem Mercure‐Hotel, das ich ausgesucht habe. Ein Fehlgriff, finde ich, hoffentlich mein letzter auf dieser Reise. Die Zimmer sind ansprechend groß, sauber und gut eingerichtet, keine Frage. Aber es ist ein großer Komplex, sehr auf Familien‐Urlaub ausgerichtet und die Zimmer recht hellhörig. Jetzt gegen 22.00 Uhr wird es einigermaßen ruhig, aber ansonsten steppt hier richtig der Bär. Gott sei Dank ist es so, dass wir eher Frühaufsteher im Urlaub sind. Wer lange schlafen möchte, wird in diesem Hotel keinen Spaß haben, da bin ich mir ziemlich sicher.

Abgesehen davon ist das mit dem Internet so eine Sache. Während es in den anderen Hotels frei war und auch funktionierte, kostet es hier richtig Geld. Nun, das entspricht nicht ganz der Wahrheit: 512 KByte sind frei. Nun ist es so, dass wenn ich den Rechner einschalte und eine Verbindung herstelle, vermutlich gleich diverse Prozesse losmarschieren und im Internet nachschauen, was sich in der Welt so getan hat und vielleicht auch anfangen, Sachen herunterzuladen. Da sind die 512 KByte innerhalb von Sekunden aufgebraucht – und dann kostet es Geld.

Wir sind heute Nachmittag dann noch ein wenig durch die Gegend gefahren und haben das Auto ordentlich dreckig gemacht. War eine schöne Tour, aber es ist wie überall – so richtig kommt man die Seen nicht heran – entweder weil eine Straße entlangführt, an der man nicht halten kann oder allzu oft auch Schilder mit der Information, dass es Privatbesitz wäre, den Weg versperren.

Bemerkungen am Rande: Ich wurde auf einem Baustellen‐Abschnitt, den ich mit 75 statt der erlaubten 70 zu passieren gedachte, von einem Lastzug überholt obwohl absolutes Überholverbot bestand. Da war ich schon beeindruckt. Nicht, dass dieses Manöver dem Kerl irgendwas gebracht hätte, er hing anschließend hinter einem anderen Laster. Autofahren hat nicht immer etwas mit Vernunft zu tun.

Einige Ampeln bieten als Extra‐Information ein Display, welches verrät, wie lang noch grün ist oder auch rot und welches countdownmäßig herunter zählt. Das finde ich wirklich sehr nützlich. Ein wenig verwirrend ist die Logik der Ampel‐Kennzeichnung mit dem grünen Rechts‐Pfeil als Lichtzeichen, nicht zu verwechseln mit dem Schild, welches es bei uns gibt. Bei uns heißt es, dass der Weg nach rechts frei ist. Hier heißt es alles mögliche, aber ganz und gar nicht, dass man einfach so fahren dürfte. Zu meiner Überraschung kann es sein, dass der kreuzende Verkehr sich gerade auf den Weg macht und dazu gehören auch Fußgänger. Wenn es da mal nicht häufiger zu Missverständnissen kommt!

Apropos Verkehr: Man kann erkennen, dass bald eine Stadt kommt, wenn man durch einen Wald fährt und in den Einfahrten zu den Waldwegen, Mädchen in aufreizender Kleidung stehen sieht. Wir haben ein wenig gerätselt, wie der eigentliche Verkehr dann stattfinden wird, denn dem Freier wird kein Komfort mit Wohnwagen geboten, wie man es hin und wieder in Deutschland beobachten kann. Gerade bei dem Wetter, dass wir im Augenblick haben, ist es rätselhaft, wie es gleichzeitig komfortabel wie auch trocken von statten gehen könnte.