Mragowo war der Name der komischen Stadt, deren Name ich nicht aussprechen konnte und mir auch nicht gemerkt habe. Er ist auch nicht korrekt geschrieben, denn das Akzentzeichen, was diesen Namen ziert, habe ich gar nicht auf der Tastatur.

Wir starteten nach einem opulenten Frühstück und dem Gefühl, in einem durch und durch westlichen Hotel gewesen zu sein – wo man ordentliches Geld für Frühstück und den Parkplatz zu bezahlen hat. Wie schon vorher geschrieben – das muss ich nicht noch einmal haben.

Das Wetter war nicht wirklich freundlich, aber wir entschieden uns, die Trockenheit zu nutzen und ein wenig offen durch die Gegend zu sausen. Wir fuhren erst einmal zurück in die Stadt Lidzbark Warminski. Unterwegs hielten wir noch in einem kleineren Ort, der aber auch schon ein paar Lenze auf dem Buckel hatte und dies auch stolz an der Einfahrt zum Ort verkündet hatte, und besuchten einen Polen‐Markt. Bisher dachte ich immer, dass die Märkte, die ich in Swinemünde gesehen hatte, und von denen mir berichtet wurde, für die Grenzgänger gedacht wären. Aber weit gefehlt: Der Markt in dem kleinen Ort, der von Regionsfremden kaum besucht werden dürfte, hatte die gleiche Aufmachung. Eine Mischung aus Lebensmitteln aller Art und Waren des täglichen Bedarfs. Riesige Tomaten heimischer Produktion waren auch zu bewundern, hätten wir eine Ferienwohnung, dann wäre ein paar von denen sicher unsere geworden. So fuhren wird weiter und besuchten in Lidzbark Warminski die Wasserburg, die sehr gut erhalten bzw. sehr schön restauriert worden war. Der Eintritt war – obwohl wir nicht Montag hatten – frei. Ein paar schöne Sachen waren zu sehen, obwohl wir wieder einmal merkten, dass ohne Führung Museen eigentlich nur die Hälfte wert sind.

Wer die Zeit hat, der sollte sich von dort aus noch nach Stoczey Klastorny aufmachen, wo es ein Kloster zu besichtigen gibt. Die Kirche wird gerade renoviert, aber ein Teil des Kreuzgangs ist wunderschön renoviert worden. Besonders schön: Es ist überhaupt nicht überlaufen. Vielleicht liegt es daran, dass das, was ich als schön empfunden habe, alltäglich für den Polen und geübten Polen‐Besucher ist.

Im Reisefüher empfohlen ist auch ein Besuch der Stadt Reszel. Nun ja.

Aber es gibt mir Gelegenheit, ein wenig abzuschweifen: In der Zitadelle der Stadt gab es ein kleines Restaurant, wo wir ein wenig zu Mittag gegessen haben. Wir schlagen uns mit Englisch und den drei Worten Polnisch durch, die wir so haben. Susann sagt manchmal »Guten Tag« statt »Danke« und hat auch ein schönes Wort erfunden, namens »Newkoje«, welches es nach meinen kurzen Recherchen so im Polnischen nicht geben dürfte und wir hoffen, dass wenn doch, es nichts Schlimmes bedeutet. Sollte es so etwas heißen wie »Mietverweigerer«, so sollten sich die Polen schon denken, dass es aber nett gemeint ist, schließlich lächelte meine Liebste dazu. Deutsch sprechen wir, wenn wir erkannt werden und meist ist es dann ein Mix aus allen drei Sprachen, den wir aufführen. Ganz lustig meist. Andere Landsleute geben sich die Mühe nicht. So zuckte ich zusammen, als ein Mann den Raum betrat und rief: »Sir! Zahlen!« Der Ton macht die Musik und dieser war überhaupt nicht melodisch.

Wir hatten ja auch prächtig gelacht, als wir bei der Lesung von Stefan Möller gewesen waren und er unter anderem etwas über die Beschriftung von polnischen Toiletten erzählte. Blöd, dass ich vergessen hatte was, oder andersherum: Erst beim Abschlagen des Wassers fiel mir ein, dass ich schon mal was drüber gehört hatte. Aber erst einmal stand ich vor den beiden Türen und fragte mich: Kreis oder Dreieck? Ich entschied mich für das Dreieck und war damit richtigerweise in der Männer‐Toilette.

Susann stöhnte schon auf, als ich meinte, dass wir doch mal in Swieta Lipka vorbeischauen sollten. Was denn da wäre, fragte sie. »Ein Kloster«, meinte ich. »Noch ein Kloster?« bekam ich zu hören. Ja, wozu ist man denn in Polen, wenn nicht Natur, Kirchen und Kloster zu besuchen. Als wir die Kirche, die zum dem Kloster gehörte, betraten, und die auch für einen Mittwoch gut besucht ware, waren wir baff. So etwas Schönes habe ich lange Zeit nicht gesehen und wenn es ein Wort trifft, dann das Wort: »überwältigt«. Fotos durfte man dort nicht machen, aber nachdem sich selbst die Landsleute daran überhaupt nicht hielten, habe ich mich auch getraut. Wenn auch sehr verstohlen. Dann begann die Messe und ich verließ mit Susann fluchtartig die Kirche.

Wir machten uns dann auf nach Gizycko, wo wir ein schmuckes Hotel bewohnen. Leider ist die Küche am Abend nicht so berühmt, wie wir gerade erfuhren. Aber das wird durch den Rest mehr als wett gemacht. Man muss ja nicht im Hotel essen.