Das ging ordentlich daneben: Da hat man so im Hinterkopf, dass im Juli eigentlich schönes Wetter sein sollte und was ist: Regen. Gut, wir starteten gestern Nachmittag noch im Trockenen, von Sonnenschein aber keine Spur. Im Wetterbericht hieß es noch, dass man an der Oder am Wahrscheinlichsten trockenen Fußes davon kommen würde. In Vorpommern war davon wenig zu spüren und in Stettin schon gar nicht.

Wir waren trotzdem recht flott in Stettin, auch wenn uns das Navi einmal eine Abkürzung servierte, die uns in eine baustellenbedingte Abkürzung führte und eine Umleitung war nicht ausgeschildert und wir den Unterschied zwischen Straße und Allee nicht sofort dem Namen entnehmen konnten.

Der Parkplatz, der uns vor dem Hotel zugewiesen wurde, erwies sich auch als Herausforderung. Aber das Zimmer entschädigten uns für den halsbrecherischen Akt des Einparkens und wir machten uns auf den Weg, die Innenstadt zu erobern. Die gute Nachricht war: Sie wäre fußläufig zu erreichen.

Stettin hatte mit einem Nachteil zu kämpfen, mit dem jede Stadt zu kämpfen hat, wenn es sie mal trifft: Keine Stadt ist schön bei schlechtem Wetter, da macht Stettin keine Ausnahme. Ein bisschen was haben wir gesehen, aber wie wir heute Morgen bei der Ausfahrt feststellten, die schönsten Dinge halt nicht. Vielleicht ergibt sich auf der Rückfahrt für Stettin die Chance einer Revanche – mal schauen.

Wir hätten für 20% Rabatt in unserem Hotel Atrium essen können, aber irgendwie blieben wir bei dem Restaurant davor hängen, das den Namen Bohemia hatte und ein Keller‐Restaurant war. Absolut urig eingerichtet wurden wir von einer netten Bedienung willkommen geheißen und auf Englisch brachte sie uns die verheißungsvollen Angebote nach. Susann diskutierte noch ein Weilchen über einen flachen Fisch, der nicht Scholle und nicht Flunder sein sollte, von ihr aber trotzdem genommen wurde. Ihr Wunsch, keine Kartoffeln serviert zu bekommen – in welcher Form auch immer – wurde von der Küche ignoriert und die Pommes die kamen, wurden von Susann sofort geliebt. Ich hatte Entenbrust mit Erdbeerenbegleitung. Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, dass das so schmackhaft sein können. Mir bleibt aber nur übrig zu konstatieren: Es war zum Reinlegen!

Der Abend war ein guter Start für die Polen.

Nur das Wetter, das spielte halt nicht mit. Heute auch nicht. Wir fuhren bei Regen in Stettin los und kamen bei Regen in Danzig an. Wir nahmen zwischen den beiden Strecken die Straße 20 (ich nenne das mal so, weil ich nicht weiß, ob es eine Bundesstraße oder Landesstraße ist), aber ich kann bestätigen, dass es eine landschaftlich schöne Strecke ist. Die Qualität der Straßen ist verkraftbar, man sollte aber einkalkulieren, dass es reiner Landstraßen‐Verkehr ist und man gut fünf Stunden braucht.

In Danzig sind wir im Hotel »Le Petit« untergebracht, ein Steinwurf vom Zentrum entfernt, aber mit der Straßenbahn nur drei Stationen. Mehr als zwölf Zimmer dürfte es nicht haben, diese aber sehr gut eingerichtet. Wir waren begeistre.

Nachdem wir einen Regenguss abgewartet hatten, marschierten wir los in Richtung Innenstadt und drehten unsere Runden. Mal mit mehr Regen, mal mit weniger Regen – die Hoffnung nicht verlierend, dass es morgen vielleicht besser sein wird.

Abendbrot gab es in einem Restaurant mit Speisen aus der Region. Susann hatte Piroggen gefüllt mit Lachs und ich hatte gedünstete Rippchen an einem leckeren Sauerkraut und rote Beete – wir waren beide recht zufrieden, zumal dieses Restaurant in unseren Augen eigentlich eine Notlösung gewesen war, da soviel Wasser von oben kam, dass ein Aufenthalt draußen nicht weiter angeraten war. Es hatte sich herausgestellt, dass nicht jede Jacke, die wie eine Regenjacke aussieht oder einem als solche verkauft wurde, auch tatsächlich eine ist. Wir waren pitschnass, als wir in dem Restaurant einkehrten.