Was soll es schon zu berichten geben, wenn man den ganzen Tag in einem Großraumbüro sitzt und kaum das Tageslicht sieht, da die Fenster entweder Meilen entfernt scheinen oder so verdunkelt sind, dass man den Eindruck hat, es wäre draußen duster. Wer nach Kuala Lumpur kommt, um strahlend blauen Himmel zu erleben, der hat sowieso verloren. Die wirklichen Kenner, also die Einheimischen, winkten auf meine Frage nach einem solchen ab und meinten, dann wäre es ja viel zu heiß, und in einem anderen Gespräch, in dem ich meinte, im Sommer würde ich ja gern früher Feierabend machen, dann könne man noch den Garten bei schönem Wetter genießen, wurde mit den Schultern gezuckt und gesagt, sie hätten das ganze Jahr über das gleiche Wetter, da wäre es egal: Morgens als weniger Wolken als Abends, dafür gibt am Nachmittag Gewitter und/oder Regen (das dann aber ordentlich) und Temperaturen um die 32 Grad. Ein wenig eintönig könnte man meinen, aber wahrscheinlich bleiben die Leute nicht nur wegen des Wetters in Kuala Lumpur.

Die obligatorische Frage, wie viele Kinder ich denn hätte, beantworte ich schon recht souverän; meine Antwort auf die Frage, wie es denn mit der weiteren Planung aussieht, dass sich die Frage eigentlich nur von meiner Oma kennen würde, war wohl ein wenig undiplomatisch, wurde aber mit Gelächter aufgenommen.

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig die Leute – trotz Interesses – über Europa wissen und überrascht reagieren, wenn man ihnen mit Nord‐ und Ostsee kommt, um etwas zu erklären; dass ihnen Begrifflichkeiten wie Hamburg oder Berlin wenig bei der Orientierung helfen. Aber immer nur bis zu dem kurze Zeit später auftretendem Aha‐Moment, wo ein Ort erwähnt wird, den man eigentlich kennen sollte, aber nicht kennt – da er halt in Asien liegt. Überhaupt können wahrscheinlich die Wenigsten auf einer nicht beschrifteten Landkarte Indonesien, Malaysia und die Philippinen – was ja noch einfach ist, wenn man an Länder wie Laos, Kambotcha, Korea & Co. denkt.

Überhaupt »Ahh« und »Ohh«. Englisch, ich habe nicht nachgeschaut, ist wohl eine Amtssprache – aber es wird auch viel Bahasa, die Landessprache gesprochen. Insofern überkommt mich oft das Gefühl, dass die Aussprache des Englischen von malayischen Einwohnern kaum als »nativ« zu bezeichnen ist. Schnell und abgehackt. Nicht leicht zu verstehen, wenn man sowieso nicht so im Englischen ist und sich so seinen Teil denken muss. Wenn dann aber jemand spricht, erzählt und erklärt, die Teilnehmenden dass dann mit »Ahhs« und »Ohhs« begleiten (keine gedachten, sondern gerufenen), so wird es noch einmal einen Tick schwieriger. Mittlerweile kann ich die positiven Schwingungen, die man dann ignorieren kann, gut von den negativen Schwingungen unterscheiden.

Ich stand neulich vor einem mexikanischen Restaurant in meinem Hotelkomplex und dachte mir so: »Mexikanisch in Malaysia. Das musst Du nicht haben.« Heute dachte ich ganz anders, da ich sowieso in Experimentierlaune gewesen war und damit für nichts zu Schade. Kurz vorm Feierabend kam eine Angestellte des Verlags herum, die ich gesehen und gegrüßt habe, es aber sonst keine Berührungspunkte gab und stellte mir zwei Kekse hin (so in die Richtung Waffelkekse) und die waren ziemlich lecker. Im Anschluss verteilte sie unter den noch Anwesenden ein Getränk. Ich hab’s eingesteckt, wollte nicht negativ auffallen, da ich bei solchen Sachen ja skeptisch bin, aber auf alle Fälle mal probieren. Wenn ich so mutig bin, dachte ich mir, dann kannst Du auch mal den Mexikaner ausprobieren. Tat ich und wusste, nachdem ich das Hauptgericht gesehen und gegessen hatte, dass ich es auch sein lassen können. Bei unserem Mexikaner in Neumünster ist jemand zu sehen, dem man die Herkunft aus Mexiko zumindest zutrauen würde (abgesehen davon, dass das Essen gut ist) – bei diesem war weder das Eine noch das Andere der Fall.

Derart gewappnet konnte ich mich auch an das Getränk machen, dessen Fruchtabbildung (in der Galerie zu sehen), mir überhaut nichts sagte. Es ist in Europa unter dem Namen Sauersack (Soursop) bekannt. Vielleicht müsste ich mal den echten Saft trinken – der den ich hatte, schien mir nicht das zu sein, was im Internet von Einigen für seinen herausragenden Geschmack gelobt wurde. Der Fruchtanteil ließ sich der Flasche nicht entnehmen. Zwei Drittel habe ich schon getrunken, der Rest wird wohl in der Flasche bleiben.