Of course – das war ziemlich knapp. Gestern Abend ging mir auf, warum in aller Welt das Internet im Hotel – und nicht nur in diesem, sondern auch in dem, was in in K.L. das letzte Mal hatte – so verdammt langsam ist. Es lag nicht daran, dass alle Hotelbewohner um 22.00 Uhr zurückkommen und anfangen, sich ins Internet einzuwählen und im besten Fall YouTube‐Videos zu schauen. Es liegt schlicht daran, dass offenbar um 22.00 Uhr oder kurz davor oder kurz danach alle Welt in Malaysia ins Internet geht.

Dabei kann man, ich habe es ausprobiert, die landeseigenen Seiten sehr wohl in guter Performance abrufen. Leider Gottes, interessieren die mich weniger, weshalb der Versuch, die eigene Internetseite nach zehn Uhr abends mit Texten und Bilder zu bestücken, in der Regel zum Scheitern verurteilt ist. So nahm ich mir vor, das heute Morgen zu tun. Die Texte waren schon online, das ging gerade noch, aber die Bilder der halb verhungerten und irgendwie sehr treuen Katzen – die waren halt noch nicht online. Um kurz nach sieben Uhr klingelte der Wecker und das habe ich mal mit einem Klick ignoriert. Um 8.57 Uhr war ich dann wach und stellte fest, dass das mit der Pause nicht so richtig funktioniert hat. Ein Debug‐Modus für den iPhone‐Wecker gibt es nicht, und wenn es ihn gäben tät – in der Situation hätte er mich überhaupt nicht interessiert. Ich war ohne Chock aus dem Bett gesprungen und hätte Allah angerufen, wenn es denn der Meine wäre, dafür, dass ich am Vorabend gebadet hatte, womit mir eine ausführliche Waschung erspart blieb und allein Gesicht und Zähne eine Inspektion erfuhren, die notwendig war und im Schnellschritt war ich im Verlag. Ich muss allerdings vermerken, dass ich heute Morgen den Kater nicht gesehen habe, von dem ich sonst immer Notiz nahm – bedauerlicherweise auch am Abend nicht. (Ich gelobe Besserung und werde für meinen nächsten Besuch im August einen von Georges Leckerlis mitnehmen und mich entschuldigen); und ich will nicht unerwähnt lassen, dass ich am Vorabend eine Schlaftablette nahm, die ich aber nicht in Verdacht habe, da ich dies am Vorvorabend auch schon tat und dort nach einer gut durchschlafenen Nacht um sechs Uhr wach gewesen bin und dann auch nicht weiter geschlafen habe. So will ich es heute lassen und verlasse mich auf die therapeutische Kraft von Alkohol, dem ich zur Abwechslung mal zugesprochen habe.

Der Tag begann als einigermaßen hektisch, ich war aber nichtsdestotrotz um zehn vor halb zehn in der Firma. Normalerweise würde ich das als spät bezeichnen, im Kieler Büro bin ich oft so ab halb acht Uhr anzutreffen, spätestens um acht Uhr – allerdings habe ich dort auch keine so langen Tage wie hier. Mein Plan, heute noch ein wenig die Stadt zu besuchen – city center – wie es so schön heißt, zerschlugen sich um kurz nach fünf Uhr, als ich bei der Projektleiterin saß und eigentlich nur die Frage stellte, ob sie noch Fragen hätte. Ich verließ dann um sieben Uhr das Büro und das war ein wenig früher als die anderen Tagen, aber halt zu spät, um mit dem Bus in die Stadt zu fahren und zu gucken.

Ich mag nicht oft für Aufsehen gesorgt haben, aber mit der Frage, ob welchem Bus ich in die Stadt fahren könne, schon. Mir wurde erklärt, wo die Bushaltestelle wäre. Das wusste ich schon, da ging ich ja jeden Tag dran vorbei. Dann wurde mir erklärt, dass sie es nicht wüssten und stellten einige Vermutungen an. Das konnte ich verstehen, und sagte ihnen auch, das mir das in Kiel wahrscheinlich auch so gehen würde. Ich arbeite dort auch nur und meine Kenntnisse in Sachen Bus sind recht dürftig. Die Erklärung, dass Busse nur von »Foreigners« benutzt würden, ließ dann aber doch Fragezeichen vor meinen Augen erscheinen, denn ich war ja einer und damit prädistiniert für den Bus. Vermutlich meinten sie aber etwas Anderes.

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich erwähnte, dass wir am Jahresende nach Vietnam fahren würden. Die Reaktion war, ich sag mal so, ein wenig merkwürdig: »Vietnam. Warum?« Ich habe gehört, es wäre schön dort. »Ach so. Ja, ja schöner als Malaysia soll es sein.« Kurze Pause. »Du musst mal drauf achten. Da gibt es viele dicke Leute.« Ein interessanter Hinweis. Wenn man sich in Malaysia umschaut, oder sagen wir mal, um genauer zu sein, in K.L., so wird man schnell erstaunt sein, wie viele dicke Leute es gibt. Nun kann man als Auswärtiger das recht schnell abtun, dass dies ja die Hindus und die Chinesen wären, die recht dick wären, aber das stimmt nicht ganz. Es gibt auch viele Einheimische muslimischen Glaubens und da staunt man schon über die Willenskraft, die diese während des Ramadans aufbringen müssen. Schließlich ist nicht alles krankhaft.

Überhaupt Ramadan. Ich war heute Mittag mit dem Kernteam, wie es in anderen Verlagen heißt, essen. Üblicherweise bringt mir Joey, die Projektleiterin chinesischer Abstammung, ein wenig Obst mit. Bananen, Mangos, Melone – das reicht für’s Mittag, es gibt ja noch Anderes. Heute wurde ich gefragt, ob ich zum Lunch nicht mitkommen wolle. Das war ganz interessant, weil es in ein anderes Gebäude ging, dort in den ersten Stock über eine Treppe (hinauf wurde gelaufen, runter wurde gefahren – die Sache mit den Malaysia und den Fahrstühlen ist eine ganz eigene Geschichte) und plötzlich war man in einem Raum, und sah sich zwei Ständen gegenüber. Ich dachte mir noch: »Ahh, da gibt es also das Obst!« udn da gibt es was Warmes, wovon mein Kollege schon mal gesprochen hat. Die Kollegen zogen daran vorbei ums Eck und da gab es eine Kaskade von Ständen, an denen Essen angeboten wurde. Was ich denn Essen wolle, wurde ich gefragt. Hmm, machte wohl mein Gesicht. »Nudeln?« »Ja, Nudeln sind gut.« Mein Fitness‐Trainer wird anderer Ansicht sein, aber was soll man sagen, wenn einem Nudeln noch als das Bekannteste erscheinen. »Oder Reis?« »Nudeln sind schon o.k. Such mal was aus?« Da gehört, zumindest für meine Wenigkeit ein wenig dazu, einem fremden Projektleiter die Auswahl des Essens anzuvertrauen. Es kam etwas, und mir wurde gesagt, es würde Laksa heißen. Ich schaute es an und kann nicht behaupten, dass ich mich dafür entschieden habe. Es konterkarierte schon die Vorstellungen von Nudeln, die ich so hatte. Was will man machen? Man fängt an zu Essen und es stellte sich als scharfe Fischsuppe (ohh Gott, mögen manche aufstöhnen – ausgerechnet eine Fischsuppe!) heraus, die sogar sehr schmackhaft war. Der Teller, das will ich mit einigem Stolz berichten, habe ich zur Gänze aufgegessen. Ein Kollege, der mitgekommen war, obwohl er meinte, dass er gar nicht hungrig wäre, hatte einen Teller indischen Essens, der – gut, man kann es bei Suppe gegen Reis‐Teller schlecht vergleichen, aber trotzdem – doppelt so groß gewesen ist. Auf meine Frage hin, wie sich denn diese Portion mit seiner Aussage, er hätte keinen Appetit vertrage, lachte nicht nur er. Da wäre ja noch die Frage mit dem Ramadan. Nounni, ich hoffe, ich schreibe den Namen einigermaßen richtig, ansonsten ist das halt mein Name für sie und sie fühlt sich im Internet nicht preisgegeben, erzählte mir, im Nächsten Monat wäre Ramadan und da dürfe sie nichts essen. Das wäre mir bekannt, sagte ich ihr, aber sie hätte ja noch Glück, dass sie in Malaysia leben würde. Etwas verwundert war sie schon, aber ich sagte ihr, sie solle sich mal vorstellen, sie müsse in Norwegen leben, da wäre es während des Ramadan fast den ganzen Tag hell. Schwierig, nicht wahr? Ja, meinte sie, es wäre schon kompliziert im letzten Jahr in Deutschland gewesen – aber das Wetter, das nicht so heiß und trocken war, wäre ihr schon entgegengekommen. Andererseits ist der Ramadan auch manchmal im Winter und da hätten die norwegischen Muslime ja ziemliches Glück.

Abschließend gebe ich noch die peinliche Erkenntnis preis, dass die »Angestellte« von der ich gestern geschrieben habe, dass ich sie zwar grüße, aber zu der ich keine sonstigen Berührungspunkte gesehen habe, in meiner Schulung gesessen hat. Zwar nicht jeden Tag, aber die Hälfte hat sie doch mitgemacht. Manchmal ist das mit den Kopftüchern und dem Auseinanderhalten der Frauen aber auch wirklich schwierig…