Die – vermeintlich – frühesten Erinnerungen, die ich an Polen haben, sind wohl mit den riesigen Lutschern verbunden, die es in Polen gab und die zu verschleckern hatten, wenn wir auf Usedom Urlaub machten. Vermeintlich schreibe ich deshalb, weil ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich meine Erinnerungen sind, oder ob es Erinnerungen sind, die ich glaube zu haben, weil ich Bilder davon gesehen habe. Allerdings sind mir die Riesen‐Lutscher schon in guter Erinnerung, weil sie so künstlich bunt gewesen sind.

Dann war ich wohl 1983 oder 1984 in Polen gewesen. Anlass war ein Schüleraustausch und vielleicht war das erste große Gewinn in meinem Leben, denn die Teilnahme an der Reise wurde ausgelost. Ich durfte mich drei Wochen in Starachowize (in der Nähe von Kielce) aufhalten. Wir wohnten in einer Schule und es war ein herrlicher Aufenthalt. Ich mochte es, durch die Gegend kutschiert zu werden und interessierte mich merkwürdigerweise auch für die prachtvoll renovierten Kloster und Kirchen. Und die Mädels. Das Essen indes war schrecklich. Nicht das, was wir auf Wanderungen an Blaubeeren sammelten, aber gefühlt gab es zum Mittag immer dieses Krautgulasch, mit wenig Fleisch und viel Kraut. Mal geht das, aber immer. Da ich damals doch eher dürr gewesen bin (jaja, der Osten!), war meine Mäkeligkeit doch recht lästig. Polen fand ich trotzdem schön und an den Erinnerungen hänge ich auch noch heute.

Seit ich mit meiner besseren Hälfte zusammen bin, sagte ich immer wieder, dass ich da mal wieder hin will. Nein, das muss nicht sein, wurde mir gesagt. Sie sind jetzt in der EU, meinte ich irgendwann. Das macht nichts, das muss nicht sein.

Nun lernt man im Laufe einer Beziehung ja dazu. Nach Südafrika wollte ich auch immer. Unter großem Protest wurde ich gelassen. Dann wollte ich mit der besseren Hälfte dorthin. Unter großen Protesten wurde irgendwann eingewilligt. Und was war: Die bessere Hälfte fand es traumhaft und Susann will da auch wieder mal hin. Geht doch, mag man da denken.

Wir waren schon zweimal zusammen in Polen, aber das war natürlich jeweils ein Witz: Auf Usedom seiend, hatten wir es »gewagt« nach Swinemünde zu fahren. Lutscher haben wir gekauft. Aber jeweils ein oder zwei Stunden in einem grenznahen Ort ist natürlich kein Kennenlernen des Landes.

Dann bestimmten wir im letzten Jahr Warschau als diesjähriges Ziel für den Tripp mit der Eisbande. Aus Warschau wurde dann aus praktischen Erwägungen Krakau. Aber Polen – für fünf Tage.

Es kam einer kleinen Palastrevolution gleich, als ich meinte, dass man im kleinen Juli‐Urlaub ja noch nach Polen fahren könnte. So als Option. Nein, das müsse nicht sein, kam es postwendend zurück. Holland wäre schön, Frankreich auch – aber Polen und nun ein Originalzitat: »Das muss nicht sein. Das interessiert mich nicht so.«

Ich stellte mich noch auf den Standpunkt, wir fahren dahin, wo schönes Wetter ist. Aber zum Einen lockte Polen schon gehörig und eine solche Strategie ist gerade im Juli ein wenig gefährlich – kommt man am Abend irgendwo an, sind die Hotelpreise in der Regel ungünstiger als bei vorheriger Buchung.

Dann meinte Susann eines Abends, sie würde dahin mitfahren, wo ich hinfahre. Fein, dann wäre das halt Polen. Das mit der Gewissheit, dass die bessere Hälfte manchmal zu seinem Glück gezwungen werden muss. Mir kam in dieser kritischen Situation Steffen Möller mit seinem neuen Polen‐Buch zur Hilfe. Das hatte ich Susann gekauft und hatte sich darüber köstlich amüsiert. So dass vor zwei Tagen folgender Satz aus ihrem Munde zu hören war: »Ich freue mich schon auf Polen.«

So kann es gehen. Vor zwei Tagen habe ich die Hotels gebucht. Die Route: Danzig -> Elblag -> Mrongovia -> Gizycko. Letzteres Städtchen ist laut Reiseführer nicht besonders hübsch, eignet sich aber sehr gut für die Ausflüge in die malerische Landschaft drumherum. Schon bei der Planung ist mir aufgegangen: Eine Woche ist viel zu kurz.