Ende April war die Entscheidung für Vietnam schon gefallen. Die Frage war nur, wie stellen wir das an. Nachdem wir recht gute Erfahrungen mit Agenturen vor Ort in Südafrika gemacht hatten, war eine Überlegung, eine Agentur vor Ort zu beauftragen. Im Hinterkopf hatten wir dabei auch, dass eine solche Tour vielleicht ein wenig landesspezifischer wäre.

Also haben wir im Internet ein wenig geforscht und sind dann bei Vietnam Travel gelandet, einer Agentur, die in Hanoi beheimatet ist. Auf der Webseite wurden diverse Touren angeboten, und die, mit der man Vietnam »entdecken« sollte, die hörte sich schon recht vielversprechend an.

Ich »klickte« uns das Programm auf der Seite zusammen und sendete das Formular. Am nächsten Morgen war schon eine Antwort da und wir wurden genauer nach unseren Vorstellungen befragt. So richtig was an Vorstellungen hatten wir ja, so dass ich das beantworten konnte. In der Antwort stand, dass wir drei Senioren in der Gruppe hätten und das Programm dementsprechend moderat sein sollte; das Nesthäkchen hatte sich gewünscht, dass ein paar Tage Erholung mittendrin wären, so um Weihnachten rum und aus den Erfahrungen, die ich in den USA gemacht hatte, hatte ich gelernt, dass es gut ist, wenn eine Reisebegleitung vielleicht deutsch sprechen würde.

Abgeschickt und neugierig auf die Antwort gewartet: Es kam ein komplettes Programm zurück. 18 Tage komplett durchgeplant. Ein paar Tage Erholung waren mit dabei, deutschsprachige Reiseführer können organisiert werden und es wäre eine private Tour, der wir sechs angehören würden.

Das hörte sich doch mal gut an. Wir ließen das mal sacken und erkundigten uns noch, wie es denn mit der Bezahlung aussehen würde. Auch hier kam die Antwort postwendend: Es wäre eine Anzahlung von 20 Prozent notwendig und der Rest wäre bei Ankunft in Vietnam fällig. Bezahlung über Kreditkarte oder PayPal.

»Soll ich buchen?« fragte ich dann irgendwann mal in Richtung Potsdam. »Na klar, mach nur.« Nesthäkchen war auch einverstanden – nun fehlte nur noch Frau Schwiegermama, die zwar wusste, dass wir über Weihnachten wegfahren, aber nicht wohin. Sie hatte zwar gesagt: »Asien muss nicht sein.« und gleichzeitig das etwas widersprüchliche Signal: »Schön wird es da auch sein.« gesendet, dass es nun aber tatsächlich in diese Richtung gehen würde, das war ihr bis zum Sonnabend völlig unbekannt. Sie brannte darauf, es zu erfahren. Und während Susann in der Sonne saß und über Frisuren plauderte, den Einwurf ihrer Mutter »Ich bin ja so gespannt, wo es hingeht.« komplett überging, wurde Frau Schwiegermama immer ungeduldiger.

Da kann man nun wirklich sagen, was man will, aber in Hinsicht auf den Aspekt »Andere auf die Folter spannen« hatte Susann in den letzten Jahren wirklich dazugelernt.

»Wo geht es denn jetzt hin«, kam es dann irgendwann. »Oliver hat da was vorbereitet«, meinte die beste norddeutsche Tochter aller Zeiten irgendwann. Ich hatte den englischsprachige Reisevorschlag ausgedruckt und meinte trocken: »Tja, wir fahren nach Vietnam.«

»Vietnam.« Das Gesicht der Schwiegermama war ein großes »Hmmm….« bevor dieser Gesichtsausdruck der Freude wich. »Schön.«

»Soll ich Dir über die geplante Reise erzählen.« So saßen wir den Nachmittag da und ich übersetzte und erzählte über den Reiseplan. Die aufkommenden Fragen mussten wir nachschlagen, da wir ja auch keine Vietnam‐Experten sind. Zum Beispiel was es zum Frühstück so gibt (traditionell klebrigen Reis und/oder Suppe), dass man mit Stäbchen isst, dass es so um die 30° Celsius hat, man sich gegen Malaria schützen muss und und und.

»Wie fliegt man denn dahin?« – eine schwierige Frage. Man kann über Moskau fliegen, dass hatte ich schon gesehen. Eine Reihe von Flügen führt auch über China. Als wir das erste Mal geschaut hatten, gab es auch Flüge über Dubai, aber die fand ich recht teuer. Der Tenor war aber gewesen, dass man 1000 Euro ausgeben müsse. Gerade an diesem Wochenende, als wir schauten, war es dann soweit. Die Flüge kosteten ein wenig mehr als 1000 Euro mit Emirates.

Fein, dachten wir uns, das wäre doch was. Dann kam Frau Schwiegermama und meinte: »Dann könnte man sich doch auch Dubai anschauen?« »Während der Zwischenlandung geht das kaum, da muss man schon länger bleiben.« »Ja, warum nicht?« Ja, warum eigentlich nicht?

In Potsdam stieß der Vorschlag auf breite Zustimmung so wurde ausgemacht, dass man zwei Tage in Dubai bleiben würde. Das ist, ich gebe es zu, ein wenig schön gerechnet. Denn am Freitag kommen wir um 0:45 Uhr in Dubai an. Das ist spät und man wird nicht lang im Hotel schlafen können. Aber dann hätte man den Freitag zur Hälfte und den Sonnabend zur Gänze, um ein wenig Stadt und Umgebung zu beschauen. Mit wenigen Blicken war klar, dass man an Langeweile dort nicht sterben wird.

Da Flugpreise einer gewissen Variabilität unterworfen sind, dachten wir uns: Buchen wir mal sofort. Der Urlaub ist genehmigt, alle haben zugestimmt. Ich nahm meine Kreditkarte und musste schmerzlich erfahren, dass das Limit nicht ausreicht um sechs Flüge zu bezahlen. Die Erfahrung machte Susann dann mit zwei Kreditkarten, so dass wir das Unterfangen erst einmal abrechen mussten. Allerdings hatten wir ja eine Quasi‐Buchung und die Hotline von Emirates war sehr, sehr hilfreich und kompetent, geduldig mit unseren Kreditkarten und unseren Wünschen. Es blieb dann nur der klassische konventionelle Weg: Wir überweisen das Geld auf das Konto.

Nun haben wir die Flüge und es galt nur noch die Sonderwünsche einzutüten. Denn wir brauchten noch eine Übernachtung mehr und einen Flug von Hanoi nach Ho‐Chi‐Minh‐Stadt, um wieder an den Rückflug zu kommen.

Die Mail an die vietnamesische Reiseagentur war heute morgen schon beantwortet und nun wird auch dies gebucht. Das Schöne ist: Eigentlich hat der Urlaub schon begonnen. Obwohl es noch sechs Monate mehr als sechs Monate bis zum Start sind.