Das hatten wir uns verdient: Ausschlafen! Mit einem späten Frühstück stärkten wir uns für den Tag. Eine konkrete Planung ab es nicht, aber es wurde ein sehr schöner Tag. Angefangen mit dem Wetter: Sonnenschein pur und nicht zu warm.

Zuerst wollten wir mal eine Fahrkarte kaufen. Diese Transaktion zog sich, denn in dem Geschäft verkaufte man auch Lotto‐Scheine, was wesentlich lukrativer war, als hin zu gehen und Fahrkarten zu verkaufen. Was sich für uns aber gelohnt hat, war die Anschaffung der Dauerkarte. Die rentiert sich schon nach wenigen Fahrten und man muss nur für einige Aktionen extra bezahlen, beispielsweise, wenn man über den Dampfer über den Fluss zur Christus‐Statue fährt. Aber diese Ausgabe war dann verhältnismäßig überschaubar.

Unser erster Anlaufpunkt an diesem Tage war der Elevador de Santa Justa, ein Technikdenkmal, welches uns von der Unter‐ in die Oberstadt befördern sollte. Am Fahrstuhl stellten wir fest, dass wir mit unserem Fahrschein den Fahrstuhl benutzen konnten, dass es aber zusätzliches Geld kosten würde, wenn man die Plattform betreten wollten. Das sparten wir uns, da wir schon von der Fahrstuhl‐Ankunfts‐Ebene einen schönen Blick über die Stadt hatten. Es ging an einer verfallenen Kathedrale vorbei zu einem schattigen Plätzchen, an dem wir überlegten, was wir nach dem Höhepunkt des Tages denn tun könnten. Hier stellten wir nebenbei fest, dass man nicht zur Hauseingängen zu nummerieren pflegt, sondern die verschiedenen Fensterfronten. Der Nutzen erschloss sich uns nicht, aber es natürlich klar, dass Fensterln in Lissabon wesentlich leichter zu bewerkstelligen ist als in Bayern.

Von der Oberstadt ging es durch diverse Gässchen wieder zurück zum Rossio, auf dem ein Plastikgebilde stand, welches wir zu erobern gedachten. Zu viert stürmten wir die Attraktion, die umsonst zu besichtigen war. (Zwei blieben draußen und beachten die Plastikfestung.) Innen war es gar nicht so war, wie man dachte. Es war nicht beleuchtet und die Effekte, die man sah, kamen durch die transparentes Plastik. Der Traum für das Duale System war ein riesiger Plastik‐Ballon, der aufgeblasen wurde. (Wir kamen später am Abend noch einmal vorbei, und da lag es wie eine zusammengefallene Luftmatratze dort – ein trauriger Anblick.)

Wie angesprochen war die Eis‐Situation in Lissabon traurig. Deshalb gab es nur ein Eis von McDonalds, bevor wir zur Straßenbahn marschierten, um eine Rundfahrt mit der vielgepriesenen 28 zu machen. Ein kurzer Stopp an einer Kathedrale, in der sich ein Prominenter aufhalten sollte, den ich aber nicht kannte. (Was nun aber überhaupt nichts zu sagen hat. Am Flughafen stand neulich Pilawa vor mir (direkt, näher ginge wirklich nicht, es sei denn ich hätte eine Affäre mit ihm) und ich hätte ihn im Leben nicht erkannt, wenn sich nicht zwei Leute im Anschluss ausgiebig darüber unterhalten hätten. Beeindruckend waren die »Schätze«, die ausgestellt wurden, und die Tatsache, dass wir einen schönen kühlen Ort gefunden hatten. Anschließend quetschten wir uns in eine Straßenbahn und fuhren zur Anlegestelle für den Dampfer.

Wir kauften uns fix die besagten Dampfer‐Fahrscheine und Susanne war die Glückliche, die die Niete erwischt hatte. Sie kam nicht rein. So mussten wir zurück und sie wurde von zwei Sicherheitsleuten in den Warteraum zur Fähre begleitet – was für ein Abenteuer. Was für ein Wunder, dass auch das so problemlos funktionierte, denn schließlich konnten die beiden Wachleute nur leidlich Englisch und unser Portugiesisch war auch noch nicht besser geworden. Diese Fahrkartengeschichte war aber noch nichts gegen den Riesenfahrschein, den wir im Anschluss im Bus bekamen. Dieser war für uns sechs Leute mindestens einen Meter lang.

Schnurstracks gingen wir auf die Christus‐Statue, schließlich wurde uns versprochen, dass wir von dort oben einen Super‐Blick haben würden. Das ist nicht gelogen, was gelogen ist, dass wir auf die Christus‐Statue gegangen wären. Wir nahmen den Fahrstuhl und düsten hoch. Wenn ein »Muss« für Lissabon zu definieren gibt, dann gehört dieser Aussichtspunkte auf alle Fälle dazu. Erstaunlich auch, was für ein Krach, von der darunterlegenden Brücke Ponte 25 de Abril nach oben tönte. Dagegen ist Flughafen‐Lärm wohl ein Witz.

Zurück ging es wieder mit dem Dampfer und da machten sich schon die ersten Ermüdungserscheinungen breit. Aber wir hatten uns ein nettes Restaurant zum Essen ausgesucht. Es lag in der Nähe vom Bahnhof Oriente, der bei Tag schon eine Wucht ist, aber in der Nacht noch viel erstaunlicher aussieht. Wir kamen an und hatten geplant, das Restaurant mit dem Taxi zu erobern. Der Taxifahrer sträubte sich, und meinte, es wäre gleich um die Ecke, erklärte uns sogar den Weg. Wir marschierten los. Irgendwann merkte ich, dass wir die Richtung nicht die sein sollte, die wir einschlagen hätten sollen. Keine Frage, dass eine solche Nachricht in einer hungrigen Meute für Unruhe sorgt, insbesondere dann, wenn man im Restaurant schon eine halbe Stunde überfällig ist. Hektisch wurden alle Hilfsmittel konsultiert, die wir so hatten – sprich Reiseführer und iPhones – und dann eine andere Richtung eingeschlagen. In dem Restaurant, welches Speisen mit betörender Wirkung anbot, gab es nur eine portugiesische Speisekarte. Das Resultat war, dass ich als Vorspeise Austern bestellte, was mir ja nie im Leben eingefallen wäre, hätte ich die Karte verstanden. Die Austern nahm sich dann Susann. Aber der Rest des Essen war oberlecker, wobei der Nachtisch eine besondere Erwähnung verdient und in bester Stimmung spazierten wir später zurück.