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Magic moments

Nein, der heutige Test war kein »magic moment«, ich hätte auf ihn verzichten können, wie beispielsweise mein brasilianischer Mitschüler, der eine etwas lässige Einstellung hat: »Ich bin ja noch sechs Monate hier, da werde ich schon Englisch lernen.« Gut, das ist nur überliefert, aber seine Reaktion, als er nach dem zweiten Frühstück in der Schule eintraf, untermauerte das ein wenig. Wie gesagt, mein Testergebnis war besser als ich es erwartet habe, aber miserabler als erhofft. Ich versuche dazu eine lässige Haltung zu gewinnen, nur es gelingt mir nicht.

Da trifft es sich gut, dass ich das Wochenende unterwegs bin. Da kann man den Kopf mal ein wenig auslüften und sich mit anderen Sachen als Grammatik und Vokabeln beschäftigen, auch wenn die Hausaufgaben mal wieder beeindruckend sind. Wie auch immer: Ein anderer Vorteil des »mal‐weg‐seins« ist, dass ich ein Bett habe, in dem ich mich richtig ausstrecken kann. Das Hotel ist ganz nett und gar nicht fern vom Strand, auch wenn man nicht das Meeresrauschen hört sondern mehr eine Klimaanlage. Der Preis ist o.k., dafür dass man am Meer ist, vielleicht ja sogar sehr gut.

Einer meiner Mitschüler hatte heute seinen letzten Tag und meinte dazu nur: »Ich bin heilfroh, ich kann keine Kartoffeln mehr sehen.« Meine Schilderung der servierten Lasagne löste ungläubiges Kopfschütteln aus und ich glaube, den Mitschülern, die erst diese Woche angefangen haben, ein Schweizer mit weiteren vier Monaten und ein Koreaner mit weiteren sechs Monaten wurde einigermaßen schlecht. Kartoffel ist unter den Gaststudenten wirklich ein Reiz‐Thema.

Nun sollte man nicht glauben, dass man dem im Restaurant entgegen könnte. Ich hatte heute ein Mahl, was man einfach nur riesig nennen konnte. Man versucht es wohl mit den Amerikanern aufzunehmen und hat dabei gar keinen schlecht Stand. Ich orderte Curry Chicken. Das ist erst einmal unverdächtig, hört sich halt asiatisch an und scharf. Es war scharf, es war viel, es war lecker und es gab Pommes dazu. Letzteres irritierte dann doch und ich ließ es einfach mal stehen, aß das Brot nicht auf und würdigte das für mich als ordentliche Leistung, auf das mal morgen die Sonne scheinen wird (nein, wird nicht – es ist Regen für Irland angesagt, ausgerechnet an meinem ersten freien Tag), trotzdem kam die kritische Nachfrage, ob die Pommes nicht geschmeckt hätten. Doch, meinte ich, das hätten sie wahrscheinlich – es wäre nur zuviel gewesen. Ich bin der festen Überzeugung, mir wurde nicht geglaubt. Morgen gibt es hier unten Live‐Musik, da werde ich versuchen meinen guten Ruf durch Mitklatschen wieder herzustellen.

Es hat mich nach Lehinch verschlagen, offenbar einem Surferparadies. Ganz in der Nähe gibt es berühmte Felsen, da werde ich dann morgen mal schauen und fotografieren, was man so durch den Regen fotografieren kann. Heute gab es hier am Strand eine Kombination von Sonne und Wolken zu sehen, die ein magisches Lichtspiel (da haben wir unsere Überschrift!) hervorzauberten, das ich wirklich die Geduld aufbrachte und zwanzig Minuten am Strand sitzen blieb. Das war auch einer jungen Dame zu verdanken, die versuchte, einen Drachen zum Fliegen zu bewegen. Nachdem er mal sieben, acht Meter hoch war (das erste Mal, dass das klappte), dachte ich mir – wenn ich noch länger warte, dann macht die Küche zu. War aber trotzdem sehr schön und ich habe mich gefreut, mal wieder einen Drachen zu sehen.

Ich hatte ja schon den Verdacht, dass das enden könnte wie mit dem Bumerang, den Kollegen – fünfzehn Jahre ist es sicher schon her – auf einem abgemähten Feld in der Nähe von Kiel ausprobieren wollten. Der flog auch prächtig. Aber das angekündigte Zurückkommen, fand einfach nicht statt. Ich habe also nie gesehen, dass irgendwann ein Bumerang mal in echt zurückgekommen wäre. MIt Drachen ist es halt ein wenig ähnlich. Ich weiß nicht, ob ich das nur geträumt habe oder ob es Wirklichkeit war, wir sollten wohl mal einen Drachen für die Schule bauen, und unserer sah nicht nur blöde aus, da in unserer Familie keiner Zeichnen und Malen kann (mein Zeichenlehrer war zeitweise auch mein Werksunterricht‐Lehrer, und ich habe, glaube ich, gerade die Erklärung gefunden, warum ich eine Abneigung gegen handwerkliche Tätigkeit (nicht gegen Handwerker – das sei klargestellt) habe. Wenn ich meinen Zeichenlehrer mit Gefühlen verbinde, die mit »nicht mögen« grob untertrieben wären, wie sollte es dann mit der gleichen Person als Werksunterricht‐Lehrer sein? Manchmal wünsche ich mir, dass ich katholisch wäre und den Trost hätte, zu glauben, es gäbe eine Hölle. Ich bin vom Thema abgekommen…), nein – er flog auch nicht. Ich will aber nicht ausschließen, dass ich das nur mal geträumt habe und das dies nie passiert ist.

Ich für meinen Teil werde mich gleich strecken und das Bett in seiner Gänze genießen.

2010-09-03T21:29:27+00:003. September 2010|Categories: 2010, Unterwegs|Tags: |Kommentare deaktiviert für Magic moments