Gestern in den frühen Abendstunden wurde begonnen zu packen. Großartige Entscheidungen waren nicht zu fällen: Es sollte das mitkommen, was man mitgebracht hat. Vielmehr hatten wir hier nicht gekauft, von einigen Kleinigkeiten abgesehen. Zur Disposition standen nur die Apfelchips, die wir mitgebracht hatten, und die nun den ganzen Weg durch Südafrika mit uns gemacht hatten, in einen eigenartig zerbröselten Zustand verfallen waren und nicht mehr appetitanregend waren. Ein ähnliches Schicksal teilten die Chips, die wir an unterschiedlichen Stationen unterwegs erworben, aber nicht vertilgt hatten. Sie blieben zurück.

Zurück bleiben auch eine Reihe von Schuppen, die sich so langsam aus der Gesichtspartie des Herrn Papa und mir lösen und Susann ein befriedigendes »Siehste!« entlocken, mehr Kommentar bedarf es offenbar nicht. Aber wir haben festgestellt, dass man nicht alles mitbringen muss und Südafrika ein derart zivilisiertes Land ist, dass es sogar Sonnencreme zu kaufen gibt.

Beim Packen und Kontrollieren fiel auf, dass der Rückgabe-Termin für unseren Wagen auf 9:00 Uhr festgelegt war und eine Verlängerung mit einer Tagesrate entlohnt werden müsste, die etwa 100 Euro betragen hätte – etwas viel. So nahmen wir unsere Räder in die Hand und fuhren nach dem Abendessen (ein indischer Imbiss um die Ecke, der so lecker wie uns fremd war, da das Essen ganz anders dargereicht wurde als bei den Indern in Deutschland) zum Flughafen.

Eine kleine Sorge war gewesen, dass man sich darüber Mokieren könnte, dass ein Steinchen gegen unsere Windschutzscheibe gesprungen ist und einen klitzekleinen Schaden hinterlassen hat. Ob wir zufrieden gewesen wäre, fragte uns der Mitarbeiter, und wir sagten, ja, es wäre alles sehr gut gewesen, wir müssten aber leider einen kleinen Schaden melden. Ja, wo denn, fragte er interessierte und ich zeigte ihm den kleinen Schaden an der Windschutzscheibe. Darauf hin lachte er: »Ist das alles?«, was wir bestätigten und er lachte, holte einen Kollegen, und sie lachten gemeinsam.

Zurück vom Flughafen fuhren wir mit einem Taxi und wir konnten uns das erste Mal während der Zeit ersthaft Sorgen um unsere Sicherheit machen. Der Fahrer fuhr wie ein Henker und bis dato hatten wir uns immer über die Fähnchen-Winker an den Baustellen lustig gemacht – das nach dieser Fahrt vorbei, als wir einen dieser Winker im letzten Moment von unserem Taxi wegspringen sahen und für ihn froh waren, dass er es überlebt hatte. Kurz darauf zog der Fahrer rüber auf die reguläre Spur, da sah ich uns schon hollywoodreif über eine Rampe in Richtung nirgendwo fliegen und war mir sicher, aus diesem Wagen nicht so unbeschadet wie dazumal Bruce Willis auszusteigen.

Wir legten unsere Hände später nochmals in fremde Hände, aber die Strecke unterschied sich ein wenig von der vorherigen, dass die gleiche Fahrweise anderer Fahrer nicht in solche prekären Situationen endete.

Gestartet waren wir am Morgen, um den Tafelberg zu erobern. Ich schaute morgens schon aus dem Fenster und konnte nur sagen: »Windig. Das ist aber windig.« Mir schwante schon, dass dieser Versuch so enden könnte, wie die vorherigen – mit einer Enttäuschung und so fuhren wir in die Straße in Richtung Cable Way hinein und sahen auch schon die Info: »Closed«. Unser Fahrer brachte uns nach ganz oben und dort holte er uns die Bestätigung, dass es ganz, ganz schlecht aussehen würde. Wir blieben erst einmal dort, weil wir geplant hatten, von dort aus in die Stadtrundfahrt mit der roten Linie einzusteigen. Später gesellte sich ein Angestellter der Seilbahn zu uns und gab uns noch einmal persönlich einen Statusbericht. Für diesen Tag, meinte er, würde man schwarz sehen, und auch für den folgenden – wie lange wir denn noch bleiben würden? Na ja, eigentlich haben wir nur heute, war unsere Antwort. Mitfühlend bot er uns an, wir könnten uns die Kabine ja mal ansehen, mit der man nach oben fahren würde, wenn es nicht so windig wäre. Das war ein nettes Angebot, aber spendete uns nur wenig Trost. Um es abzukürzen: Es gibt kein Happy-End, auch der zweite Versuch endete vor dem Schild »Closed«.

So fuhren wir die übliche Tour ab, mit den Höhepunkten, die Touristen zu sehen bekamen. Spazierten ein wenig durch die Innenstadt und erfreuten uns an den bunten Häusern in Boo-Kamp. Hinter dem alten Town House von Kapstadt entdeckten wir ein lauschiges Plätzchen, an dem es Kaffee und leckere kleine Speisen gab. Wirklich empfehlenswert, auch wenn uns die Besitzerin (wir hielten sie zumindest für eine) ein wenig schrullig auf uns wirkte, was sich insbesondere dadurch ausdruckte, dass sie noch sprach, als sie sich von dem Tisch abwendete und im weggehen weiterredete – was man immer sehr gut verstand. Davon aber auf keinen Fall abschrecken lassen, wenn man unterwegs in der Stadt ist.

Abends waren wir mit den Ulmern auf einen Abschiedsdrink im Cubana in der Stadtmitte, resümierten über diesen Urlaub und machten uns gegenseitig Mut für die Zeit bis zum nächsten Urlaub.

Nun sitzen wir auf dem Flughafen in Kapstadt und warten auf den Aufruf des Fluges.