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Besser geht’s nicht

Draußen regnet es. Das ist schon die gute Nachricht. Die Nacht war einfach mal unter aller Sau, irgendwelche blöden Träume, die darin mündeten, keine Luft zu bekommen. Worauf hin ich aufwachte und mal ordentlich die Nase schnaubte, die war ein Hinderungsgrund. Wahrscheinlich habe ich schrecklich geschnarcht, aber mit so einer Erkältung hat man einen Grund, schnarchen zu dürfen. Aber aufzuwachen, und sich elend zu fühlen, war erst der Anfang.

Ich beschloss, dass der beste und erste Gang, der zum Arzt sein sollte. Da trete ich natürlich gern sauber und ordentlich auf. Also unter die Dusche. Ich wunderte mich schon, warum Susann den Duschhebel auf heiß gestellt hatte. Vorsichtshalber stellte ich ihn zurück. Ließ das Wasser eine angemessene, rein intuitiv ermittelte Zeit laufen, um dann unter die Dusche zu gehen, und einen Schreck zu bekommen. Das Wasser war nicht einmal annährend warm. Also auf heiß gestellt: gleiches Ergebnis. Mit der Erkenntnis, dass ich so nicht Duschen kann, bin ich aus der Duschwanne gestiegen, habe mich abgetrocknet und mit düsteren Vorahnungen zum Heizkessel begeben. Aha, die Heizung war aus! Sie ließ sich auch nicht mehr in Betrieb nehmen. Schon wieder! Das Thema hatten wir ja erst im Dezember.

So hatte ich gleich zwei Probleme am Hals, zu denen sich noch ein drittes gesellen sollte. 

Ich habe also meine Dienstreise verschoben, die Kollegen informiert. Das wenige, lauwarme Nass nutzte ich, um mich von den Seifenrest zu befreien und machte mich »reisefertig«. Ich zog meine Jacke an, als ich plötzlich das eine Ende vom Reisverschluss in der Hand hielt. Das war nun wirklich blöde! Die Jacke ist noch keine zwei Jahre alt und da versagt der Reisverschluss. Da war es, mein drittes Problem.

Die Frau des Vermieters bestellte den Heizungsmonteur, der gegen elf Uhr kommen sollte. Es war neun Uhr, als ich das Haus verlassen wollte, aber dem Vermieter begegnete, der mir gleich eröffnete, dass unser neuer Nachbar um einen Termin gebeten hat. An diesem Termin sollten wir doch bitte schön auch teilnehmen. Ah! Ich sehe schon die Sorgenfalten auf der Stirn meiner Frau.

Schnell nach Feld zu meiner Arztpraxis gefahren (ein Luxus, den ich mir erlaube, schließlich gibt es auch in Nortorf Ärzte, aber die in Felde kenne ich halt und fünfzehn Minuten Fahrt sind ja auch nicht soooo viel), wo ich auf einen vollen Parkplatz und natürlich einen vollen Warteraum stieß. Wie lange es denn dauern würde, fragte ich. Eine halbe Stunde. Fein, das hörte sich doch gut an und war die erste gute Nachricht an diesem Morgen. Ich war frohen Mutes, pünktlich um elf Uhr zurück zu sein, um den Heinzungsmonteur in Empfang zu nehmen.

Nach der halben Stunde, nachdem die erste halbe Stunde schon um war, wurde ich langsam unruhig. Zehn Minuten später hielt es mich nicht mehr. Ich fragte mal nach, wann ich denn dran wäre. Wenn der nächste Warteraum frei wird, hieß es. Das ist ein Hoffnungsschimmer, aber diese Warteraumoptimierung dient ja nur dazu, den Patienten das Gefühl zu geben, er wäre gleich dran. Ob das wirklich so ist, ist nicht vorhersehbar. Allzu oft verschwindet der Doktor in einem ganz anderen Raum, in dem auch noch eine Person wartet, sei es zu einer Sonographie, einem EKG oder zur Akupunktur. Ich saß also noch mal fünfzehn Minuten in diesem Wartezimmer und es war zwanzig Minuten vor elf. Kurz vorher hatte ein anderer Doktor reingeschaut, der wohl noch nicht Dienst hatte und darauf wartete, dass Warteraum-Wechsele-Dich-Spiel mitzumachen. Ich bin kurz raus und fragte ihn, ob er nicht ein klein wenig Zeit hätte, sich mit mir zu befassen, ich hätte einen dringenden Termin. Ganz nett meinte er, aber immer, kam mit rein, schaute sich meinen Hals an, hörte sich meine Beschwerden an, meinte, ich solle mich ins Bett legen und schrieb mich für drei Tage krank (eigentlich wollte er fünf, aber Donnerstag will und muss ich ja nach Mannheim).

Ich fuhr in sage und schreibe fünfzehn Minuten von Felde nach Borgdorf, eine stolze Leistung – und das, obwohl es regnete und ich die Tempo-30-Zonen peinlichst genau beachtete (war wohl pures Glück) und traf ein, bevor im Deutschlandfunk das Forum am Vormittag die Nachrichten ankündigte. Der Heizungsmonteur war schon da und er kannte die Gegebenheiten ganz gut, nur mich halt noch nicht. Aber wir kamen ganz gut miteinander aus. Er sagte, der Heizungsdruck ist o.k., wobei mir ein Stein vom Herzen fiel, weil dies das einzige Kriterium ist, was wir in der Hand haben. Ich ging kurz weg, da hörte ich, sie liefe wieder. Aha, was war’s denn. Wüsste er nicht, er hätte nur mal geruckelt. Hmm, ist das eine gute Nachricht? Nennt man das eine zuverlässige Heizung? Sei’s drum. Er hat noch ein paar Ventile ausgetauscht und mir zu verstehen gegeben, dass die Heizung zwar an sich nicht schlecht wäre, aber mit zehn Jahren aber auch schon in die Jahre käme. Ein zehn Jahre altes Auto würde man ja auch nicht mehr fahren wollen. Da hat er ein wahres Wort gesprochen. Die Heizung läuft wieder, mein Erkältungsbad heute nachmittag ist gesichert.

Eine neue Jacke, die ich spätestens Mittwoch brauche, habe ich über das Internet bestellt. In 24 Stunden sollte sie da sein, es ist das erste Mal, dass ich diesen Service nutze. Ich finde, er ist recht nützlich. Wenn auch recht teuer. Aber wenn man jackenlos vor einer Dienstreise dasteht und nicht in die Stadt fahren kann, um zu shoppen, muss man sich wohl so helfen.

Jetzt werde ich noch ein paar Schmerztabletten gegen die Halsschmerzen einwerfen und dann ein Gesundheitsnickerchen halten.

2007-01-08T14:22:00+00:00 8. Januar 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Besser geht’s nicht