Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Kinky Friedman – »Tanz auf dem Regenbogen«

Kinky kann einem wirlich leid tun. Da wohnt er an Seit an Seit mit schönen Frauen zusammen, unter anderem der betörenden Stephanie DuPont und was für einen übler Streich wird ihm vom Leben gepielt? Die eine Nachbarin ist militante Lesbe und Stephanie ist zu schön, zu gerissen und zu klug, um sich mit einem Mann wie Kinky Friedman einzulassen. Ein guter Grund mit der Welt im Unreinen zu sein.

Förderlich ist da sicher nicht, dass er von der Anzubetenden ständig mit »Arschgesicht«. Da gibt es noch nicht einmal Trost von Freunden, die um die Welt verstreut sind, um mehr oder weniger obskuren Tätigkeiten nachzugehen. Kinky selbst ist noch nicht einmal in der Lage, Trost zu spenden, den Stephanie DuPont bitter nötig hätte, wo gerade einer von ihren drei kleinen Hundelieblingen gestorben ist. Aber bald sollte Kinky, der die meiste Zeit mit wohligem Nichtstun beschäftigt war, von ganz anderen Problemen geplagt werden, gegen die sich die Probleme seiner Freunde wie auch die Trauer von Stephanie wie Nichts anfühlen sollten.

Denn es gab einen typischen M‐I‐T‐Ruf, diesmal von dem unverwüstlichen McGovern. Der war eigentlich auf Hawaii damit beschäftigt, für sein Buch zu recherchieren. In dem sollte es um Essen und Trinken gehen und McGovern plante, ob als verkaufsfördernde Maßnahme gedacht oder auch nicht, auch den Namen »Kinky« mit im Namen unterzubringen. Er bat alle Freunde und Bekannte darum, ihn mit Rezepten zu versorgen. Als die ersten Anrufe bei Kinky ankamen, wo denn Freund McGovern wäre, man hätte gerade das Rezept mit einer leckeren Whisky‐Dressing fertig, ist der schon mitten in der Begutachtung des Falles. Schließlich hatte der Gastgeber McGoverns auf Hawaii, Hoover, schon die Abwesenheit des Mannes gemeldet. Als der Ruf von McGovern eintraf, war McGovern schon drei Tage verschwunden, und es beruhigte Kinky nur mäßig, dass man seinen Freund drei Tage nach seinem Verschwinden noch lebte.

Einem »Man in trouble«-Alarmruf hatte man Folge zu leisten. So reist Kinky, im Schlepptau von McCall und im Schlepptau Stephanie und ihre Hundebrut Richtung Süden. McCall, ein alter Freund von McGovern und Multimillionär, stellte das Flugzeug und wollte aktiv an den Ermittlungen teilnehmen. Kinky hatte sich mit den Jahren, aus was für Gründen auch immer, den Ruf erarbeitet, er wäre ein Privatdetektiv. Seinen Fällen ist das nicht zwingend anzumerken. Die meiste Zeit saß er vor einem Glas Wisky und rauchte Zigarren. Dass die Geschichten mit Detektiv‐Arbeit zu tun haben, merkt man nur daran, dass er die Leute mit Watson anredete und sich darüber Gedanken machte, warum er sich keine Gedanken machte und einfach nicht weiterkam.

In diesem Hawaii‐Fall, in dem der Übervater der Hawaii‐Detektive – Jack Lord – Obacht über die Ermittlungen hielt, war an ein Weiterkommen überhaupt gar nicht zu denken. Diesmal war es jedoch nicht der Wisky sondern die Pina Colada, die in dem Hotel so wunderbar gemacht wurde. Ansonsten stand Kinky, wenn er nicht gerade irgendwo herumstand, zwischen den Fronten. Denn Hoover, der verhinderte Gastgeber McGoverns und Stephanie konnten sich überhaupt nicht riechen. Das mochte auch daran liegen, dass die Limmericks von Hoovers Gnaden überhaupt nicht mit dem Geschmack Stephanies kompatibel waren. Statt sich aber an Hoover abzureagieren, musste Kinky Stephanies Zorn ausbaden.

Auf Anraten gestandener Detektive machen sich die Drei dran das Standard‐Repertoire abzuarbeiten: Krankenhäuser, Leichenhalle, Irrenhäuser. McCall, im Hintergrund damit beschäfitgt CIA, FBI, DEA – sprich alles was mit Großbuchstaben arbeitet – zu koordinieren und mit Geld auf Trab zu bringen, sowie Vermisstenplakate drucken zu lassen und unter die Leute zu bringen, sorgt für den ersten Kontakt: Es gibt eine Lösegeldfordernung. Damit kam die erste Spur in diesem Fall zu den Ermittlern.

So haben wir es auch diesmal mit einem typischen Kinky‐Friedman‐Krimi zu tun. Es gibt verhältnismäßig wenig Verbrechen, viel Trinkerei, derbe Sprüche, Anekdoten aus vergangener Zeit und viele Träumereien. Als Europäer muss man sich mit den Namen, die einfach so die Straßen Kinky Friedmans bevölkern, merken und ich habe den Verdacht, dass so mancher Gag einfach so an mir vorbeispaziert, da ich die Leute gar nicht kenne und die Anspielung nicht verstehe. Natürlich waren die letzten Romane nicht schlecht und ich freue mich immer wieder von Kinky zu lesen, aber dieser hat mir besonders gut gefallen. Vielleicht läuft Kinky Friedman in fremder Umgebung (wir waren ja auch schon mal in Texas mit Kinky…) immer zu Hochform auf.

Es mag aber auch daran liegen, dass ich gern dem vergeblichen Liebesmühen Kinkys um Stephanie folge, die ihm in dem ganzen Buch nur einmal ein klitzekleines Zwinkern schenkt und nun gespannt warte, was da kommt. Unglaublich komisch ist natürlich auch das Anti‐Paar Hoover und Stephanie.

Andererseits: War es nicht so, dass Kinky Friedman im Angesicht seines Gouverneurswahlkampfes mit dem Schreiben von Kinky‐Romanen aufgehört hat? Er würde ein unkonventioneller Gouverneur in Texas sein und Texas hätte jemanden wie ihn, zumindest was man seiner Schreibe nach und was man aus seinem Leben so hört, auf jeden Fall verdient haben. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich auf seine Bücher verzichten möchte.

2006-11-04T09:00:00+00:004. November 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Kinky Friedman – »Tanz auf dem Regenbogen«