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Boris Akunin – »Der Tod des Archilles«

Das Buch hat drei Teile und diese unterscheiden sich wirklich erstaunlich gravierend. Im ersten Teil folgen wir der Geschichte von Erat Fandorin, der nach langer Zeit aus Japan zurückgekehrt ist, in einer Serifen‐Schrift (das sind die Schriften, die an ihren Enden Schnörkelchen haben). Im zweiten Teil wird die Perspektive gewechselt und wir haben es mit einer serifenlosen Schrift zu tun. Ein wirklicher Bruch. Aber nicht nur das ist erstaunlich an diesem Buch.

Ich lese wieder mal reichlich wirr, sprich, nicht der Reihenfolge nach. In den Büchern wird Bezug auf bestimmte Fälle genommen, die schon gelaufen sind. Aber nicht so, dass es wirklich die Geschichte stören würde. Solange als Unterzeile eines Buches »Fandorin ermittelt« auftaucht, kann man gewiss sein, dass der Held überlebt. Schließlich gibt es unzählige Bücher von Boris Akunin, die ich noch nicht gelesen habe, und in denen Fandroin der Held überhaupt ist. Ähnelt ein wenig den Dick‐Francis‐Romanen, die auch alle aus der Ich‐Perspektive geschrieben wurde – was ein Überleben sehr, sehr wahrscheinlich macht. Dass dies der Spannung keinen Abbruch tut, ist für mich immer ein Wunder. (Hätte ich nicht soviel Lesestoff, ich tät mal wieder einen Dick‐Francis‐Roman herausholen.)

Fandorin kam in Moskau an und ließ sich in ein gutes Hotel bringen. Er wurde von seinem treuen japanischen Diener begleitet, der dem Weibsvolk sehr zugetan war. Problem in Russland war, dass er kein Wort russisch sprach. Sein Herr machte sich Sorgen, dass ihm das Moskauer Klima nicht behagen könnte – er sollte sich täuschen. Die erste Überraschung ereilte den Ermittler im Vorraum des Hotels. Ein alter Bekannter stürzte an ihm vorbei, ohne ihn und seine Begrüßung zu beachten.

Er sollte den Mann bald wiedersehen. Fandorin war beim Großfürsten angestellt und wurde dort in trauter Runde vorgestellt. Der Geheimdienstmann mochte ihn nicht, der Polizeipräsident schien ihn ins Herz geschlossen zu haben. Beim Großfürsten konnte man sich nicht so sicher sein. Gukmassow, der Mann aus dem Hotel, stieß kurze Zeit später zu der Runde, aber nur um den Tod General Sobolews zu melden. Gukmassow, die Ordononz, entschuldigte sich bei Fandorin, dass er ihn früher nicht ausreichend beachten zu haben, aber er wäre zu dem Zeitpunkt etwas im Stress gewesen.

Sobolew, dass muss man wissen, ist ein ganz großer Held in Russland. Unzählige Schlachten hatte er erfolgreich geschlagen, er war charmant und darüberhinaus war er auch ein guter Bekannter von Fandorin. Das Volk liebte Sobolew. Der Großfürst setzt alle Hebel in Gang, um den Tod des Generals nicht zu einer Staatskrise werden zu lassen. Ohne zu merken, dass er schon inmitten einer solchen war. Fandorin betraut er mit den Ermittlungen zu dem Tod des Generals.

Der Arzt, der den General obduzierte, war der Meinung, dass es sich um einen natürlichen Tod handeln würde. Merkwürdig, war doch der General nicht in dem Stuhl gestorben, von dem seine Ordonanz behauptet, ihn tot aufgefunden zu haben. Es ging nicht mit rechten Dingen zu, da war ein Mord auch nicht auszuschließen. Dass er so falsch nicht lag, zeigte sich Fandorin auch daran, dass er kurze Zeit später im Mittelpunkt eines Massenduells stand.

Zusammendgefasst: Ein reizender Roman, der einem Einblick in die damaligen Gegebenheiten gibt, obwohl er selbst völlig fantastisch ist. Mir fiel beim lesen ein, dass ich schon mal einen Roman aus der damaligen Zeit gelesen hatte. Das Buch gehörte meiner Schwester und war von Jules Verne. Es war nicht so besonders umfangreich. Ich hoffe, dass es mir demnächst mal in die Hände fällt. Auch in diesem Buch hatte man es mit einer Art russischer Superheld zu tun. Fandorin kann alles, gewinnt immer und ist natürlich ein Blitzdenker. Noch ist er mir nicht über. Das liegt auch an der eingangs erwähnten Konstruktion des Buches, die mich sehr überrascht hat und mir wie ein Buch wie im Buch vorkam.

2006-11-02T09:00:01+00:002. November 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Boris Akunin – »Der Tod des Archilles«