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P.D. James – »Wo Licht und Schatten ist«

Kann mal jemand den Dichtern der deutschen Titel von englischen Übersetzungen was auf die Finger geben? Man kann es ja nicht mehr hören. Warum kann ein Krimi nicht einfach »Der Leuchtturm« heißen. Dann hat man einen Hinweis darauf, dass es sich um einen Leuchtturm handelt. Natürlich, bei einem Leuchtturm gibt es auch Licht und Schatten. Aber fangen wir mit dem Rätseln jetzt schon beim Titel an? Hört auf!

Zu meinem ältesten Lese‐Repertoire was Krimis angeht, gehört P.D. James. Kein Buch, das nicht durch meine Finger gegangen ist. Selbst der eine Roman, der nicht mit dem dichtenden und unausschreiblichen Namen Adam Dalgliesh (liegt bei mir immer in der Zwischenablage), habe ich verschlungen. Nun wird Dalgliesh auf eine Insel gerufen, zusammen mit seinem Team. Eine Insel, deren Namen hier nicht erwähnt muss, denn sie existiert nur in der Fantasie von P.D. James, wie sie selbst unumwunden zugibt. Diese Insel ist nur für einen exklusiven Kreis offen und dient der Regierung dazu, VIPs die Möglichkeit zu geben, sich abseits der Öffentlichkeit auszuspannen. Die einzige Ausnahme besteht für Leute, die auf der Insel geboren wurden. Da die Insel recht klein ist, ist der Kreis sehr überschaubar. Trotzdem wird einer der Geweihten tot aufgefunden.

Für einen Krimi‐Schriftsteller hat sich P.D. James den scheinbar einfachsten Fall, die günstigste Konstellation herausgegriffen. Nathan Oliver ist Schriftsteller, erfolgreich und ein Ekel. Eine Gelegenheit, jemanden in die Pfanne zu hauen, hat er noch nie ungenutzt gelassen. Seine Scheu, andere Menschen auszunutzen, war recht gering. So wurde er von einem Assistenten betreut, den er mit einem Mindestlohn abfertigte (auf den er aber angewiesen war – Kritikern war aufgefallen, dass das letzte Buch deutlich schlechter war. Kein Wunder, Dennis Tremlett, so hieß der Assistent, war krank und konnte nicht helfen.). Seine Tochter Miranda ist ihm so dankbar, dass sie für ihn da sein darf, ihn hegen und pflegen darf. Andere Leute sind leider nicht so entgegenkommend: Die alte Zicke, die der Nachkommenschaft der Besitzer dieser Insel entstammte, aber nicht auf der Insel geboren war, war nicht bereit ihr Cottage aufzugeben. Wo es doch das Schönste war und dieses ganz gewiss ihm gebührte. Auch der Service ließ sehr zu wünschen übrig: Beispielsweise hatte einer der Dienstleute absichtlich seine Blutprobe ins Wasser fallen lassen. Nathan Oliver hatte trotz der Rundumbetreuung seiner Liebsten viel Grund, sich zu beschweren.

Nicht zu vergessen, dass sich Oliver keine Blöße gab und sich mit einem Mediziner anlegte, der der Meinung war, er hätte ihn in seinem letzten Buch unverfremdet dargestellt und dafür auch noch in einem miserablen Licht dargestellt. Die Frage ist gar nicht, ob Nathan Oliver umgebracht wird, sondern nur von wann.

Nicht zu vergessen, von wem: Aber dafür ist Adam Dalgliesh da, der mit zwei Assistent auf die Insel kommt und ermittelt, wer es denn gewesen sein könnte.

Da hatte ich anfangs geschrieben, dass es scheinbar der einfachste Weg ist, eine kleine Gruppe zu nehmen, einen abgesperrten Raum. Aber gleichzeitig ist es natürlich auch ein ziemlich komplizierter Fall für den Schriftsteller, denn alles muss plausibel sein. Man kann keine Kaninchen aus dem Hut zaubern. P.D. James arbeitet in der Hinsicht sehr akurat. Die einzelnen Charaktere werden sauber eingeführt, eine zusätzliche – sehr modern wirkende – Plage wurde von ihr ebenfalls eingebaut, so dass ein Buch herauskam, dass man einfach so wegliest.

Das war schon mal anders: Der vorletzte Roman und vor allem, der Roman davor, waren wirklich keine Höhepunkte. Ist es recht, wenn man sagt, dass P.D. James sich wieder gefangen hat? Schließlich ist die Dame hochbetagt und man kann nur hoffen, dass man bald wieder etwas von ihr liest.

2006-05-26T18:25:00+00:0026. Mai 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für P.D. James – »Wo Licht und Schatten ist«