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F. Scott Fitzgerald – »Die Liebe des letzten Tycoon«

Er schaute kurz bei den Rückprojektionen vorbei, Szenen, die mit einer raffinierten Technik vor einem zuvor gefilmten Hintergrund gedreht wurden.

Sie erinnert sich? In den 40er und 50er Jahren fuhren die Herrschaften Auto und unterhielten sich angeregt. Meist fuhr er, und er widmete sich ausgiebig seiner Partnerin und diskutierte mit ihr gewichtige Themen. Gedanken darüber, dass er, um geradeaus zu fahren, besser geradeaus schauen sollte, schienen keine Rolle zu spielen. Der Mann war einfach höflich.

Die Szene findet sich in einem Buch, dass ich zur Zeit lese, und welches mich in ihren Bann gezogen hat. Ich habe von F. Scott Fitzgerald »Der große Gatsby« gelesen, vor Jahren schon. Ein nettes Buch, dessen Schluss-Zitat mich immer noch beeindruckt. Ich will es nicht verschweigen:

So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu.

Aber dieses Buch ist anders. Es fängt ein wenig mysteriös an und man hat das Gefühl in eine Jung-Mädchen-Geschichte zu geraten. Eine Liebesgeschichte scheint sich anzubahnen. Aber schon nach wenigen Seiten wird klar, dass die junge Frau nur die Erzählerin ist und diese erzählt nicht ihre eigene Geschichte, sondern die eines Geschäftspartner ihres Vaters. Sie kennt den Mann, der Stahr heißt, recht gut, aber nicht so gut, wie es insgeheim möchte. Bis zur Hälfte des Buches, das ist mein aktueller Lesestand, ist viel von dem Filmgeschäft der zwanziger, dreißiger Jahre die Rede. Schnell wird klar, dass es die Beschreibung einer alten Zeit ist. Das Eingangszitat hat es schon deutlich gemacht. Stahr ist Künstler und Geschäftsmann zugleich. Er hat die Finanzen im Blick und blickt auf die Filme als Zuschauer. Gnadenlos trifft er Entscheidungen, wobei er in der Ausführung Taktgefühl nicht missen lässt. Es wird beispielsweise geschildert, wie Stahr einem Regisseur klar macht, dass er den Film nicht weiterdrehen wird. Während er mit dem Regisseur vom Set wegfährt, hat der durch eine andere Tür hineingekommene neue Regisseur schon mit der Arbeit bekommen.

Aber auch Stahr hat eine dunkle Ecke in seiner Seele. Ein paar Jahre zuvor hatte er seine Frau verloren. Als es auf dem Studio-Gelände zu einer Überschwemmung kommt, sieht Stahr mit an, wie zwei Frauen aus den Fluten gerettet werden. Schön für die Frauen, mag man sich denken. Eine der Frauen, die auf dem Studiogelände nichts verloren hatten, sieht seiner verstorbenen Frau sehr ähnlich. Ohne mit ihr gesprochen zu haben, verliebt er sich in sie, kommt aber nicht dazu, mit ihr zu sprechen. In den nächsten Tagen, während des Geschäftsbetriebes, lässt er der Frau nachspüren.

Der Roman ist laut Buchrücken nur ein Fragment, das Fitzgerald nicht zu Ende gebracht hatte. Eine schöne, angenehme Überraschung.

Vom Diogenes-Verlag gibt es übrigens eine kleine, interessante Broschüre zum dem Schriftsteller. Sollte über den örtlichen Buchhändler zu bekommen sein. Nur zu, es lohnt sich!

2006-05-11T22:04:00+00:00 11. Mai 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für F. Scott Fitzgerald – »Die Liebe des letzten Tycoon«