Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Esmahan Aykol – »Hotel Bosporus«

Kennen Sie das? Bücher bleiben eine halbe Ewigkeit liegen oder landen im falschen Stapel. Eines Tages räumt man um, sucht irgendwas anderes oder der Blick huscht rein zufällig über eine bestimmte Reihen des Bücherregals. Und da passiert es: Stirnrunzeln, Fragezeichen in den Augen (oder ebenfalls auf der Stirn) und plötzlich ein Geistesblitz. »Das Buch habe ich noch gar nicht gelesen.« So ging es mir mit »Hotel Bosporus«. Es war hinter meinen Maigrets verschwunden.

Nun ist das eine Ecke, wo ich häufiger zu finden bin. Also hatte das Buch eine gute Chance, wiedergefunden zu werden. Ein Blick auf die Rückseite. Aha, Deutsche trinken Bier und Türken essen Kebap. Diese Klischees werden einem um die Ohren geworfen, um im Anschluss relativiert zu werden. Denn das ist nicht die Meinung der Buchrückseiten‐Textschreiber bei Diogenes, sondern mit diesen Vorurteilen hat Kati Hirschel zu kämpfen. Diese betreibt in Istanbul einen Buchhandlung, der sich ausschließlich mit Krimiliteratur beschäftigt. Schon einmal sehr sympathisch.

Kati Hirschel bekam einen Anruf, in dem sich eine alte Freundin bei ihr meldete und mitteilte, dass sie in Istanbul sei. Bei Petra handelte es sich um eine uralte Freundin, aber für Kati war es nicht selbstverständlich, dass sich die Frau bei ihr meldete. Schließlich hatte es Petra zu einiger Bekanntheit gebracht: In Deutschland war sie eine bekannte Filmschauspielerin. Jetzt äußerte sie den Wunsch, sich mit Kati zu treffen.

Die Wiedersehensfreude war groß, auch wenn Petra ein wenig abwesend wirkte. Am nächsten Morgen ist die Welt noch zerwuselter, als sie es normalerweise war. Der Regisseur für den Film war ermordet worden und Petra wurde verdächtigt.

Kati ließ Buchladen Buchladen sein und berief sich auf ihren reichen Erfahrungsschatz. Gut, der war angelesen, aber wem hatte das schon mal geschadet? Sie übernahm die Ermittlungen in dem Mordfall. Ermittlungen, die neben denen der Polizei liefen. Dieser passte die Nebenbuhlerin nicht so recht in den Kram, und dies machte sie Kati Hirschel auch sehr deutlich. Zwischen dem zuständigen Kommissar und der Buchhändlerin bahnte sich jedoch alsbald etwas an. So tanzte Kati auf drei Hochzeiten: In ihrem Buchladen, in einem Mordfall und in einer Liebesbeziehung.

Ich will es in ein paar Worten zusammenfassen, die es sehr gut treffen: witzig, flott und charmant. Die drei Attribute hätte ich dem Roman, der für mich eine wahre Überraschung war, nie zugetraut. Ist es nicht schön, wenn man auch einmal mehr als positiv überrascht wird? Ein anderer Aspekt kommt übrigens noch hinzu. Das Buch macht ordentlich Laune, Istanbul zu besuchen. Eine Reiseziel mehr, das auf meinem Plan steht. Man sollte nicht davon ausgehen, dass überall in Istanbul so geschickte Ränke‐Schmiede unterwegs und dass sie einem Übles wollen.

2006-05-28T15:45:00+00:0028. Mai 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Esmahan Aykol – »Hotel Bosporus«