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David Peace – »1974«

Es lohnt sich wirklich einen näheren Blick auf das Cover des Buches zu werfen. Nicht auf den Satz von Ian Ranking, der verspricht, man habe es mit der Zukunft des Kriminalromans zu tun haben. Solche Sprüche finden sich auf jedem Buch, und manchmal hat man den Eindruck, der Zitierte ist besoffen gemacht worden, um etwas halbweg Charmantes von sich zu geben. Nein, das blau eingefärbte Schwarz‐Weiß‐Bild und die 1974 darauf, das hat schon irgendwas. Erst auf dem zweiten Blick erschließt sich, worum es geht.

Das kann man von dem Buch nicht sagen. Nein, das ist keine Kritik. Nur eine Feststellung. Schließlich ist das der Beginn einer Saga, wie der Buchrücken vorhersagt. Da kann das Ende schon mal unbefriedigend ausfallen, denn man wird wie in einer Serie vor der Werbepause zum Dranhalten animiert oder bei einem Film dazu ermuntert, auch in der nächsten Woche wieder einzuschalten.

Im Mittelpunkt dieses Buches steht Eddie Dunford. Er ist an einer ganz großen Story dran. Ständig wird er von der Angst geplagt, dass der große Mann der Redaktion, ihm die Story vor der Nase wegschnappen könnte oder ihm diese einfach entzieht. Schließlich hat der schon diverse Auszeichnungen und es ist auch im Interesse der Zeitung, sein Flagschiff zu demontieren. Den jungen Eddie interessiert das natürlich herzlich wenig. Er sieht einen monströsen Fall vor sich und viele kleine Aspekte, aus denen sich vielleicht eine große Story weben lässt. Klar, dass Eddie patzt.

Eddie Dunford ist wirklich keine Persönlichkeit, die man ins Herz schließt. Er geht rüde mit seinen Mitmenschen um, schaut in erster Linie auf seine eigene Person. Die Beerdigung seines Vaters bekommt er gerade so mit, nur um so schnell wie möglich zu verschwinden. Eine tiefere Verbindung oder Zeichen von Zuneigung sind nicht zu erkennen. Warum dann immer wieder betont wird, dass er auf die Uhr seines Vaters schaute, habe ich nicht recht verstanden. Vielleicht eine Erinnerung, eine Mahnung – aber an was?

Es verschwindet ein Kind und Eddie glaubt, eine Verbindung herstellen zu können. Er eckt bei der Geschichte aber schnell bei seinem Chefredakteur an und gerät auch mit dem Polizeichef aneinander. Keine guten Voraussetzungen, um eine ausbaufährige Story zu schaffen. Dafür soll er sich mit Schwänen beschäftigen, die verstümmelt wurden und Prominenten, die von einem Tag auf den anderen verschwinden. Was für ein Glück, in Anführungszeichen natürlich, dass die Kleine aufgefunden wird – tot und mit Schwanenflügeln verziert. Das gibt eine Story! Allerdings nicht für Eddie, sondern für seinen Meisterkollegen.

Eddie ist damit beschäftigt, sich Material eines anderen Mörders zu beschaffen, hat den Tod – vielleicht sogar einen Mord – einem Kollegen zu verkraften, wird Erbe dessen Informantennetzwerkes und gerät an ziemlich rabiate Polizisten.

Das Wort »rabiat« fasst am Besten zusammen, wie man dieses Buch auffassen kann. Eine rabiate, böse Welt, in der Eddie Dunford nicht zu den Guten gehört und mehr zu der Seite des Bösen tendiert. Der junge Mann, der irgendwann anfängt, um seinen Kopf zu kämpfen.

Wenn es der Beginn einer Saga ist, dann muss man wohl weiterlesen, um herauszubekommen, was sich hinter den ganzen Kulissen verbirgt, die in »1974« aufgebaut wurden. Gern wird mit anderen Büchern verglichen, gesagt, das hat man schon einmal bei ABC gelesen oder XYZ ist im Stil sehr ähnlich. Mir fallen keine Vergleiche ein. Wenn das mal nicht ein Kompliment ist.

2006-05-24T20:58:00+00:0024. Mai 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für David Peace – »1974«