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P.D. James – »Tod an heiliger Stätte«

Jaja, P.D. James, kann ich nur sagen. Es war, glaube ich, die Allererste von denen, von denen behauptet wird, dass sie eine Königin des Krimis wäre (Nun hat man manchmal den Verdacht, dass der Adel einer jeden zufällt, die in England Krimis schreibt oder England als Ermittlungsort ihrer Helden wählt, so dass der Titel etwas verwaschen wirkt und keinesfalls als Kaufkriterium gelten sollte.), von der ich etwas lesen durfte. In den meisten ihrer Romane gab es einen Held: Adam Dalgliesh, ein Held mit einem Familiennamen, der einem beim ersten Lesen schon so ein paar Probleme bereiten kann, einem aber allerspästens Probleme macht, wenn man den Namen flott mit der Tastatur »weghauen« soll. Mittlerweile ist auch eher in die Jahr gekommen, ermittelt aber mit seinem Team fleißig weiter.

Wer diesen Roman als ersten von dieser Autorin liest, wird sich vielleicht wundern, dass der Polizist schon in zartem Kindesalter Gedichte geschrieben haben soll und P.D. James, die übrigens mit ihrem Jahrgang 1920 auch nicht mehr zu den Jüngsten zählt, das für besonders erwähnenswert hält, was aber nicht ist: der gute Dalgliesh (ich habe ihn mittlerweile in die Zwischenablage genommen) ist bekannt für seine Poesie und hat sich nicht nur durch seine Ermittlungen einen Namen gemacht, sondern auch durch seine veröffentlichten Gedichtbände. In der Presse gibt das immer was her: der dichtende Mörderjäger.

Aber, wie gesagt, das wird in diesem Buch gar nicht weiter hochgeschauckelt und ist nur eine Randbemerkung für Diejenigen, die noch nicht zum Liebhaberkreis gehören.

St. Anselm ist an sich ein kleines, abgelegenes Priesterseminar an der britischen Nordseeküste. Es gibt wenig Aufregendes, selten besuchen Fremde diesen Ort.

So wird am Anfang von einem herausragenden, wenn auch negativen Ereignis berichtet, bei dem am Strand in der Nähe des Priesterseminars ein Schüler gefunden wird, der offenbar Selbstmord begangen hat. Dieser Theorie mag man im Priesterseminar nicht ganz folgen, weil es ganz und gar nicht auf der christlichen Linie ist, sich umzubringen, zumal auch niemandem bekannt war, dass der Tote irgendwelche Probleme gehabt hatte. Er war nicht wirklich beliebt gewesen, aber das ist kein Grund für ein freiwilliges Lebensende. Ronald, so hieß der Verstorbene, sollte zumindest keine materiellen Probleme haben, denn dafür bürgte sein Vater, der der bekannte Unternehmer Sir Alfred Treeves war. Der mochte auch nicht glauben, dass sein Sohn sich umgebracht hatte, aber auch nicht der Linie folgen, dass sein Sohn einen derart merkwürdigen Unfall erlitten hätte. Er ging von Mord auch.

Treeves hatte einigen Einfluss, wenn man das einmal zurückhaltend formulieren darf, und den nutzte er. So durfte Dalgliesh sich um diesen Fall kümmern, wenn auch offiziell erst einmal inoffiziell, denn eigentlich hatte Scotland Yard im Priester‐Seminar nichts zu suchen. Zuständigkeitsbereichsprobleme. Aber die Polizei vor Ort war nicht ganz undankbar, schließlich war es ein heikler Fall; die Priester waren nicht undankbar, Dalgliesh war für sie kein Unbekannter, zumindest Vater Martin nicht und Scotland Yard war auch nicht unzufrieden… So gesehen war eigentlich alles wunderbar, wenn man davon absah, dass es für Dalgliesh gar nicht wunderbar werden sollte.

Denn er erfuhr vor Ort, dass die Frau, die den Priester am Strand gefunden hatte und mit eben diesem Ronald einigermaßen vertraut war (oder vielmehr er mit ihr), ein paar Tage zuvor verstorben war. Eines natürlichen Todes wurde angenommen, denn die ältere Frau hatte es mit dem Herz. Aber Dalgliesh nimmt es, wie man es halt nimmt: ein bedauerlicher Zufall.

Er trifft, und das wundert ihn, auf eine gespannte Atmosphäre in dem Priester‐Seminar. Ein Vertreter der Kirche ist anwesend und dem geht es nur um eines: dieses elitäre und abgelegene Seminar zu schließen. Er hatte gewisse Urteile über diesen Ort und war ziemlich verbissen. Über diesen Besuch war niemand dankbar, aber auch dieser Vertreter der Administration der Kirche war nicht ganz glücklich, nein, man könnte sagen, sehr erbost: traf er doch den Polizisten wieder, der ihm vor vielen Jahren beim Tod seiner Frau sehr zusetzte. Und das an einem solchen Ort!

Und wenn man davon ausgegangen war, dass es bis dato keinen Mord gegeben hatte, so sorgte diese Mischung in der Schule dafür, dass Dalgliesh nicht nur offiziell inoffiziell zu tun bekam, sondern höchst offiziell einen oder mehrere Mörder suchen durfte.

2004-01-01T09:00:00+00:001. Januar 2004|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für P.D. James – »Tod an heiliger Stätte«