Das Pensionärsdasein könnte so ruhig sein. Aber wie jeder Ex‐Polizist in L.A. hatte sich Harry Bosch nach seiner Pensionierung einen Schein als Privatdetektiv besorgt. Er sagte, es wäre nur prophylaktisch, da es jeder macht. Aber damit log er sich selbst etwas in die Tasche. Vielmehr war es so, dass er das Ermittlerdasein nicht einfach so sein lassen konnte. Und ein Indiz dafür war, dass er sich ein Auto gekauft hatte, welches zwei Kriterien standhalten musste: Ordentlich was unter der Haube und unauffällig in L.A. – so wurde es ein Mercedes‐Geländewagen. Harry Bosch war begeistert, auch wenn er sich noch nicht daran gewöhnt hatte, dass er sich im Gegensatz zu seinem früheren Dienstwagen um das Tanken selbst zu kümmern hatte.

Wie vermutlich jeder Polizist hatte er sich ein paar Akten mitgenommen. Fälle, die nicht gelöst werden konnten, da sie zu verworren waren oder einfach die Zeit fehlte. Angella Benton wurde im Eingang des Hauses ermordet, in dem sie wohnte. Sie war die Assistentin eines sehr erfolgreichen Produzenten. Sie zu ermorden war ein Risiko, denn in dem Haus wohnten mehrere Parteien. Jederzeit konnte jemand kommen oder gehen. Aber der Mörder hatte Glück gehabt, die Leiche wurde erst eine Stunde später gefunden. Einer der Zuständigen war Harry Bosch. Es sah nach einem Sexualverbrechen aus, aber bald kommen den Ermittlern Zweifel, ob man nicht versuchte, sie auf eine falsche Spur zu locken.

Kurz darauf war Harry Bosch am Arbeitsplatz der jungen Frau, dem Filmset. Man hatte sich gerade vorgenommen, eine Szene zu drehen, in der die Hauptdarstellerin in zwei Millionen Dollar baden sollte. Der Regisseur hatte darauf bestanden, dass es echtes Geld sein musste. Die Produzenten hatten, da sie ihren Kreativen zufriedenstellen wollten, zugestimmt. Das Geld war versichert und der Geldtransport kam. Womit sicher keiner gerechnet hatte: Just in dem Moment begann ein Überfall, in dessen Folge der Fahrer des Geldtransportes schwer verletzt wurde und ein anderer leicht verletzt wurde. Vermutlich kam auch einer der Mörder ums Leben, denn Bosch hatte sich nach dem Beginn des Schusswechsels eingemischt und einen von den Räubern angeschossen. Die Spur von den Scheinen verlor sich rasch.

Kurze Zeit später wurde der Fall Bosch und seinen Kollegen entzogen. Die beiden neuen Ermittler – Dorsey und Cross – ermittelten sowohl im Mordfall Benton wie auch im Fall des Millionenraubs. Sie galten als junge, aufsteigende Kräfte, die allerdings von einer Portion Pech verfolgt worden. Als sie beim Mittag saßen, betrat ein Mann die Bar, in der sie ihre Pause machten, und feuerte auf die beiden Polizisten und den Barkeeper. Letzterer kam wie Dorsey ums Leben, Cross überlebte schwer verletzt und war an einen Rollstuhl gefesselt.

Der Mann im Rollstuhl war es, der die erneuten Ermittlungen von Bosch vier Jahre später wieder in Gange brachte. Seine Frau hatte bei Bosch angerufen, und gebeten, dass Bosch mal bei ihrem Mann vorbeischaute. Was Bosch sah, gefiel ihm überhaupt nicht. Cross war, wie eigentlich nicht anders zu erwarten, sehr deprimiert. Er folgte, dass ihm Bosch Alkohol einflösste und wollte im Gegenzug mit der einen und anderen Information über den Fall herausrücken, an den er sich wieder zu erinnern konnte. Bruchstückhaft wohl, aber er konnte sich erinnern.

Bosch hatte kaum angefangen zu ermitteln, da bekam er schon Besuch von seiner alten Partnerin: Kiz Rider war aufgestiegen. Sie machte ihm unmissverständlich klar, dass er als Pensionär mit diesem Fall nichts zu tun hatte und gefälligst seine Finger davon lassen solle. Eine Nachricht, die Bosch nicht glücklich macht. Er hat, wie es sich für einen guten Privatdetektiv gehört, seinen eigenen Kopf und denkt nicht daran, einfach die Finger von etwas zu lassen, nur weil man ihn dazu aufforderte. Auf die Frage, wer ihn denn ruhig stellen wollte, möchte im Kiz Rider nicht antworten. So bleiben seine Zusagen schwammig. Beide trennen sich im Streit.

Die Gegenseite wurde sehr ungnädig als sie sah, dass sich der ehemalige Detective nicht an die Direktiven von oben halten wollte. Bald war Bosch es, der in das Visier von Ermittlungsbehörden geriet. Er fühlt sich beschattet und wartet auf den großen Gegenschlag der Unbekannten.

Polizeiarbeit ist Politik, und das sagt Michael Connelly in diesem Buch. Wenn irgendjemand in der politischen Führung der Meinung ist, dass die Schwerpunkte zu verlagern sind, dann wird das nach unten durchgereicht und das gemeine Fußvolk kann sehen, wie es damit zurande kommt. Ein Großteil dieses Romans spielt in der Zeit unmittelbar nach dem 11. September und Connelly lässt seinen Bosch mit dem Problem kämpfen, dass es nicht mehr um den Einzelnen geht, sondern nur noch um die Nation. Kümmert man sich um den einzelnen Toten oder Lebenden, dann wird das oft für unwichtig erklärt, da die nationale Sicherheit vorgeschoben wird. Ich glaube, in einem der Star Trek‐Filme wurde das auch sehr gut thematisiert. Spock war immer der Meinung, dass nur das Ganze zählt und ihm wird in einer netten Geschichte klar gemacht, dass es auch immer um das Individium gehen sollte. Und als Leser denkt man sich, recht so, Mr Bosch, machen sie weiter. Der Einzelne, das könnte »ich« sein, und »ich« bin wichtig.

Es gibt keinen gemächlichen Anfang in diesem Buch, es geht gleich zur Sache. Zum Ende hin wird es unerträglich spannend. Wie so manchen Connelly habe ich auch diesen an einem Bahnhof erstanden: Ich habe mir gewünscht, die Bahnfahrt würde noch ein, zwei Stunden weitergehen, damit ich zu Ende lesen kann. War leider nicht so, so dass ich mit dem Gedanken an den Fortgang der Geschichte einschlafen musste und irgendwie unbefriedigt war. Es ist schön, dass es solche Bücher gibt.