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So zerronnen, so gewonnen

Ein paar Worte übers Essen zu verlieren, kann nie schaden. Die große Überraschung war nicht gewesen, dass mein deutscher Kollege behauptete, dass die Kantine des Kunden Gold wert wäre und es absolut lecker sei. Zum Einen – das ist der pessimistische Teil meiner Aussage – unterscheiden sich meine Ansprüche gehörig von denen anderer Leute, denn ich bin viel mäklig; zum Anderen habe ich gute Kantinen durchaus zu Gesicht bekommen. Beispielsweise ist das Essen bei einem Kunden in Zürich sehr, sehr schmackhaft und wird auch noch wie in einem Restaurant dargereicht. Da wird mit Mini‐Servietten der Tellerrand gesäubert, falls bein Auffüllen gekleckert wurde.

In Nizza wurde nicht nur dargereicht, hier wurde kredenzt. Das Ambiente war nicht ganz angemessen, aber der Inhalt auf dem Teller ist das Wichtigste an der Angelegenheit und der wurde leer gefuttert. Der Teller am Abend wurde auch leer gefüttert – in erster Linie da nicht so viel drauf war. Aber es gab ja das schon erwähnte Eis hinterher, weshalb ich mich nicht beschweren werde.

Beim typisch französischem Frühstück – ein bisschen Baguette, ein kleines Croissant und dazu Kaffee bzw. Saft, planten wir den heutigen Tag. Kleine Prospekte, die im Hotel auslagen, gaben uns Anhaltspunkte, was man sich so anschauen könnte. Da wir Cannes schon kannten und in Grasse auch schon waren, fiel unsere Wahl auf einen Wasserfall und eine andere Attraktion, die irgendwie mit Parfum und anderen lokalen Produkten zu tun haben soll.

Wieder in Nizza

Da wir den Wasserfall im Navi nicht fanden oder genauer gesagt, die Straße sich nicht eingeben ließ, nahmen wir den nächstbesten Wasserfall. Der in der unmittelbaren Nähe von Nizza liegen sollte.

Hatte ich schon erwähnt, dass Wasserfälle das Größte überhaupt sind? Nein, dann gibt es hier und hier und hier Nachhilfe.

Wir fuhren also zurück dahin, wo wir schon vor zwei Tagen waren, und ich sah andere Ecken der Stadt. Der Wasserfall entpuppte sich als Attraktion, allerdings handelte es sich um einen künstlichen Wasserfall. Er liegt ziemlich hoch über der Stadt und wenn man daran vorbeifährt, denkt man erst einmal »Wow!«. Parken kann man ein paar Meter weiter neben einer Kirche und dann denkt man das Gleiche nochmal, denn man hat einen Panorama‐Blick über die Stadt. Dann ging es zurück zum Wasserfall, der sich über eine stattliche Länge zog und in ein Becker ergießt, in dem sich die Enten tummelten. Über dem Wasserfall steht ein Haus, aus dem der Wasserfall herauszukommen scheint. Erst dachte ich mir, dass das toll sein muss, dort zu wohnen. Aber vermutlich hat man von dort zwar den gleichen fantastischen Blick über die Stadt, vom Wasserfall aber nur den beachtlichen Lärm.

Es gibt in der Nähe zwar eine Bushaltestelle, aber wie gut diese Stelle von Nizza für Nicht‐Autotouristen erreichbar ist, vermag ich nicht zu sagen. Taxifahren ist sicher keine Option, für eine Fahrradtour müsste man gewappnet sein, gegen einen Berg anzuradeln.

Wenn wir diesen künstlichen Wasserfall schon gefunden haben, dann de anderen auf alle Fälle auch. So ging es in Richtung Gourdon. Hinter Nizza kommt man in ein schönes Tal und fährt immer am Loup, einem Fluss, entlang, den man von der Straße als Fahrer aber nicht zu Gesicht bekommt. Man schaut hin und wieder nach oben und sieht Örtchen, die sich an den Berg schmiegen und dann einen, der ganz oben zu sein scheint. Da muss man irgend wie hoch: das war Gourdon.

Der zweite Wasserfall

Aber erst kamen die Cascades du Saut du Loup. Ich kann mich nicht an viele Wasserfälle erinnern, für die ich Eintritt bezahlen musste, wenn man Eintritte in Nationalparks außen vorlässt. Man steckt einen Euro pro Nase in einen Automaten und geht dann durch eine Drehtür – ich ließ Susann den Vortritt. Dann sieht man erst einmal nichts, zumindest nicht in dieser Jahreszeit. Im Frühjahr ist das Schauspiel wahrscheinlich interessant, wenn das Wasser auch von der Seite, aus dem Wald kommend, in den Loup fällt. Aber so war es »nur« eine Kaskade, eine kleine dazu. Da ich dieses Jahr noch nicht mit Wasserfällen verwöhnt worden bin, tat es auch das.

Nach zehn Minuten waren wir wieder weg, auch weil man nur von einer Brücke schauen konnte. Auf einer Straße auf der so gar nichts los war, kamen wir nach Gourdon. Vor dem Ort ist noch ein kleiner Platz, von dem man gut nach unten und in die Ferne schauen kann. Ohne Geländer, so ganz auf eigene Gefahr und man fällt, wie Susann es sagte, direkt ohne sich vorher noch was anderes zu brechen als das Genick.

Gourdon ist ein Ort, der einem außer einer Reihe von Geschäften mit lokalen Errungenschaften wie Seife, Parfum und Honig – alles irgendwie auf Lavendel basierend, einige schöne Ausblicke bis zum Meer liefert. Das sind fast zwanzig, dreißig Kilometer bis dorthin. Außerdem gab es dort einen Eisladen, der Sorten anbot, die ich sonst noch nirgendwo gesehen und geschmeckt habe. Beispielsweise »Violette« und irgendwas mit Rosen. Susann hatte Lavendel genommen und meinte, das wäre als wenn man an Seife lecken würde. Aber vermutlich ist das die Assoziation, die man mit dem Geruch in Verbindung bringt. Eines kann ich aber festhalten: die Aromen der Eiscreme beschäftigten meine Geschmacksknospen  noch eine Stunde später und das hatte ich noch nie gehabt.

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Weiter ging es durch das Hinterland mit schönen Ausblicken über Grasse nach Cannes. In Grasse haben sie ein sehr imposantes Gefängnis auf einen Berg gebaut. Die oberen Appartements gewähren Ausblicke zum Meer oder zu den Bergen. Ob dies für Langzeit‐Inhaftierte wirklich so erbaulich ist, kann ich nicht sagen…

Spielen und essen

Das  Pullman in Cannes hat ein Casino. Als alte Casino‐Besucher mussten wir da mal rein. Ich fand’s deshalb schon gut, weil man lange bei Laune gehalten wird. Wir haben nicht wirklich was gewonnen. Allerdings haben wir auch nicht groß was verloren. Zwanzig Euro für zweieinhalb Stunden Spielspaß gehen in Ordnung, das ist ein wenig wie Kino. Nur gibt es im Kino keine Gratis‐Getränke und auch keine Snacks.

Dann mussten wir noch Essen fassen: Wir waren spät dran und wollten nicht noch mal im Hotel‐Restaurant essen. Das war nicht so die Offenbarung gewesen. Ein paar hundert Meter weiter gab es ein nettes Restaurant mit dem Namen Jilali B, das nur den Schönheitsfehler aufwies, dass dort viele Deutsche zu finden waren (ein Manko, was mir in Vietnam nicht untergekommen war, in Kanada aber sehr wohl). Das Menü unserer Wahl gab es leider nicht mehr, so aßen wir a la carte. Irgendwas mit Lamm, das war uns schon klar, aber wir hatten einen Schmortopf vermutet. Irgendwann stand der Kellner mit einem riesigen Braten, einer Lammkeule, vor unserem Tisch und zeugte uns das, was zu erwarten war. Vom Nachbartisch aus wurde gefragt, ob das wirklich für zwei Personen wäre. Das fragten wir uns auch. Der Kellner verschwand mit dem Braten wieder und wir warteten fünf oder zehn Minuten, dann hätten wir das Fleisch zerlegt vor uns stehen. Ein wenig Gemüse um den Braten herum, wäre es der Traum eines jeden Fitness‐Trainers gewesen. Wäre da nicht der Nachtisch gewesen. Superzart war es gewesen, mit ein wenig Fett und knackiger Kruste. Nun aber genug!

Noch erwähnenswert: ich bin begeistert über die Klimaanlage im Hotel – die war sowas von leise, dass sie überhaupt nicht störte. Die Dusche ist auch noch mal ein Lob wert!

2014-10-04T09:18:17+00:004. Oktober 2014|Categories: Frankreich 2014|Tags: , , , , , |Kommentare deaktiviert für So zerronnen, so gewonnen