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Gefangen

Für mein Dafürhalten ist die Straße zwischen Cannes und Frejus eine der schönsten Strecken der Welt. Diese nun mit dem Cabrio fahren zu können, ist das i‐Tüpfelchen auf dem Glück, hier in der Ecke zu sein. Mal wieder, muss ich korrekterweise sagen, dazu aber später mehr.

Nochmal was zu Taxis

Kurz hatte ich in »Begrüßung« schon dargelegt, dass das Verhältnis zwischen der hiesigen Zeitung und den hiesigen Taxifahrern nicht das beste ist. Mein französischer Kollege dürfte den Weg vom Flughafen zur Firma laufen. Die Erklärung der Taxifahrer war gewesen, dass das eine zu kurze Strecke wäre. Drei Kilometer immerhin, das würde ich sehr ungern bei Temperaturen um die 25 Grad mit Gepäck in hügliger Gegend gehen wollen. Ich meinte nur, dass das in Deutschland nicht so ohne Weiteres möglich wäre, denn es gibt ja eine Beförderungspflicht. Ja, meinte der französische Kollege, die gäbe es hierzulande auch. Aber das heißt ja nicht, dass man sich daran hielte.

Es gab auch eine Erklärung für die exorbitanten Taxipreise: die Lizenzen für ein Taxigefährt erreichen schnell mal die Grenzen eines Einfamilienhauses. Das wäre das Doppelte von dem, was es in Paris kosten würde. Das will ja schon was heißen.
Gefangen

Der gestrige Tag war für sowohl für Susann anstrengend, die zehn Stunden mit dem Auto hierher unterwegs war, aber pünktlich zum Dinner eingetroffen war; wie auch für mich, der zeitweise »lost in translation« war: das was ich in der Schulung auf Englisch sagte, wurde ins Französische übersetzt – ich hatte das Gefühl, manchmal auch viel mehr, worauf sich leidenschaftliche Diskussionen anschlossen, bis irgendwann entweder plötzlich eine Frage kam oder überraschen nüchtern »ok« gesagt wurde. Man musste immer auf der Hut sein, ein Nachhängen der eigenen Gedanken empfahl sich nicht. In der Mittagspause kam mir der Übersetzer abhanden, und der nur französischsprachige Kollege des Kunden, der mitbekommen hatte, dass ich einige Brocken verstehe, fing an mir sehr wortreich und ausführlich sein System zu erklären: das Uralte, das Alte und das Neuere. Ich hatte zumindest eine Ahnung, worum es ging.

Gestern Morgen gab es noch eine Empfehlung für das beste Eis in Nizza – Fenocchio – und in der Tat wird man nicht nur von der schieren Auswahl erschlagen, auch die Qualität kann sich sehe und schmecken lassen. Wenn es etwas zu Mäckeln gibt, dann vielleicht, dass die Waffeln nicht ganz so knackig waren, wie man es erwarten dürfte.

Jetzt, wo ich mit einem leidlich gekühlten, mittelmäßigem Weißwein auf der Terrasse eines guten Zimmer sitze, das Meerblick haben soll, der aber durch das Immergrün der hiesigen Flora ein wenig verstellt ist, kann ich über die folgende Geschichte auch schon wieder lachen:

Susann weigerte sich, mich in der Firma abzuholen. Das Parkhaus war ihr nicht geheuer. Ich kenne die Masche, bei der sie auf »hilflose Frau« macht, komme dagegen nicht aber nicht an. Ich hatte es versucht! Also musste ich mit unserem Chauffeur, vermutlich die billige und zugleich noblere Variante eines Nizza‐Taxifahrers zurück zum Hotel fahren. Der Fahrer war für zwölf bestellt. Mein französischer Kollege hatte das Ende zwischendurch mal,erwähnt, ich auch – nur der Kunde wollte es nicht so wahrhaben. Als ich zwanzig vor zwölf Uhr sagte, nun würde es knapp werden, war oder tat er überrascht. Aber mein Spielraum war gering, denn der Fahrer wartete.

Um fünf nach zwölf verließ ich den Raum, drei Minuten später, hatte ich mich von den Kollegen verabschiedet und dann traf ich eine fatale Fehlentscheidung. Der Fahrstuhl war weg und ich erblickte ein Treppenhaus, zwei Stockwerke herabzusteigen ist ja nun keine große Sache, aber ich kam an einer Stelle im Haus heraus, die ich niemals zuvor gesehen hatte. Das war noch nicht das Problem, denn sowohl zu meiner Rechten wie zu meiner Linken entdeckte ich Ausgänge.

Das Problem war, dass dies automatische Drehtüren waren. Die sind normalerweise so gestrickt, dass sie Jemanden rauslasen, aber nur mit Karten oder Schlüsseln hereinlassen. Normalerweise stellt man sich rein und sie gehen an. Das passierte nicht. Gut, dachte ich mir, dann halt nicht. Du bist hier reingekommen, dann nimmst diesen Weg halt wieder raus. Braucht halt ein wenig länger. In den Augenwinkeln sah ich beim Wegeilen aber einen Knopf und der schien gedrückt gewollt zu werden. Kommando zurück! Wieder zur Drehtür, Knopf drücken, reinstellen. Es passierte nichts.

Nun machte ich den Kardinalfehler, in der Annahme, dass die Türe vielleicht keine automatische war. Ich warf das, was mir an kinetischer Energie zur Verfügung stand und was die gebotene Eile verlangte, in die Waagschale, und gab der Türe ordentlich Druck. Das war etwas beschwerlich, funktionierte auch ganz gut, bis ich ein Klacken hörte. Dann ging ein Alarm an und die Türe ließ sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Entzückend! Ein Grund mag auch gewesen sein, dass ich in die falsche Richtung drückte. Wobei »falsch« falsch in Frankreich heißt, in Deutschland wäre es die richtige Richtung gewesen.

Dass dies ein wichtiger Ein‐ und Ausgang war merkte ich unmittelbar, denn diverse Leute versuchten nun die Drehtür zur Aufgabe zu zwingen. Aber sie war von bester Qualität und ließ sich weder durch manuelle Kraft noch durch das Ziehen irgendwelcher Karten durch ein Lesegerät wirklich beeindrucken. Ich versuchte meinem Kollegen per Telefon von meiner misslichen Lage zu informieren, allein es war mir nicht möglich zu erklären, dass ich in einer Drehtür feststeckte. Das gab mein Vokabular nicht her. Die, die außerhalb der Drehtüre waren nahmen aber dankenswerter Weise Regen Anteil an meinem Schicksal und suchten nach Hilfe. Nach zehn Minuten kam eine Dame mit einem Schlüssel und konnte sowohl den Alarm abschalten, wie auch die Drehtür entfesseln. Es brauchte aber noch eine Minute, ehe die Tür wieder eine Drehtür war, die mich wirklich herausließ – aber dann war ich frei. Im Urlaub und der Fahrer war auch noch da.

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Weiter geht’s

Auf der Fahrt in unser erstes Quartier kamen wir durch Cannes. Ich habe die Ecke wiedererkannt, wo wir immer lang marschierten, wenn wir zu unserem Honney Moon‐Quartier wollten. Das immerhin auch schon elf Jahre her. *seufz*

Nun sind wir im Hotel »Le Patio« – das Zimmer ist nicht riesig, aber das Bett scheint bequem zu sein, das Bad frisch renoviert und man hat genügend Platz. Der Fernseher ist riesig und die Terrasse an so einem lauschigen Abend ein traumhafter Platz vor allem ist es der ideale Ausgangspunkt für eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Ich komme kaum fünfhundert Meter weit, dann muss ich wieder anhalten und kann mich gar nicht satt sehen, an der Kombination aus dem hellblauen Meer und den rötlichen Felsen.

2014-10-02T22:40:48+00:002. Oktober 2014|Categories: Frankreich 2014|Tags: , , , , |1 Comment