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Jenseits der Überholspur

Wenn es einen Tag gab, der so ganz neben der Spur lag, so war das der gestrige. Meine Wunschvorstellungen waren weit von meinen Erwartungen entfernt und diese wiederum ganz weit von der Realität. Wenn man einen Wohnmobil übernimmt, sollte man also nicht damit rechnen, diesen vormittags übernehmen zu können (meine Wunschvorstellung). Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass es realistisch ist, diesen zu der Zeit übernehmen zu können, die als Übergabezeit irgendwo auf einer Webseite angegeben wird. Man sollte vielmehr davon ausgehen, dass es eher zum Ende der angegebenen Zeit sich einpegeln wird. Hat man das so kalkuliert, kann man den Tag so planen, ihn stress‐ und ereignisfrei planen – und gut ist.

Zumindest, wenn man den Wagen bei CanaDream abholt. Vielleicht sind andere Anbieter besser organisiert. Wir wurden zu halb drei Uhr »geladen« und waren um fünf Uhr vom Hof. Da ich der Illusion bei der Planung nachhing, man würde den Wagen zeitig bekommen, schienen mir die 130 Kilometer nach Whistler auch nicht viel. Was ich nicht eingerechnet hatte: Eine frühabendliche Übernahme und den Berufsverkehr von Vancouver. Oder anders: Ich wollte eine frühe Übernahme, um den Berufsverkehr in Vancouver zu vermeiden.

Was haben wir kennengelernt? Den Berufsvekehr von Vancouver. Was ich dabei auch kennengelernt habe, war die tolle Funktion unseres neuen Navis, der mich alle fünf Minuten darüber informierte, dass er eine schnellere Route (fünf Minuten) gefunden hätte; was ich ignorierte, um dann kurz darauf mitgeteilt zu bekommen, dass ich mich auf der schnellsten Route ja schon befände. Was für ein Witzbold…

Noch einmal zurück zu CanaDream und der Wohnmobil‐Übernahme: Erst gibt es eine Vertragsunterzeichnung die mit Verkauf bzw. der Vermietung von diversen Utensilien (Toilettenpapier, Toilettenchemikalien, Camping‐Stühle) verbunden ist, dann bekommt man eine Einführung in das Wohnmobil, anschließend eine kleine Belehrung, dass das, was man gebucht hat, ja nicht zwingend mit dem zu tun hat, was man bekommt, und untersucht abschließend den Wagen auf Schäden. Sollten wir das noch mal machen, würde ich mir für den Tag der Übernahme nichts mehr vornehmen … aber das sind die Erfahrungen, die man als Anfänger halt sammeln muss.

Dann kann es losgehen: Bei uns war es so, dass wir so spät dran waren, dass wir die Shopping‐Tour für die Grundversorgung abgesagt haben. Wir fuhren durch Vancouver im Berufsverkehr und lernten dabei, dass man ein sehr unübersichtliches Auto fährt, welches viele Attribute verdient, aber Spritzigkeit auf jeden Fall nicht. Viel wichtiger noch: Die BC‐Kanadier sind recht freundliche Autofahrer und lassen einen gern rein, sobald man blinkt. (Die unfreundliche Interpretation könnte natürlich sein, dass niemand ein solches Geschoss mit seinem Kotflügel kontaktieren möchte.)

Wir fuhren den fantastischen Sea‐to‐Sky‐Highway. Aufgrund des etwas engen Zeitrahmens blieb leider keine Zeit, um irgendwo anzuhalten und Bilder zu machen; geschweige denn den Wasserfall zu besuchen. Mit 80 km/h ist man ganz gut unterwegs. Schneller will man eigentlich nicht, auch wenn man muss. An den Bergen quälte sich der Kleine schon gehörig.

Auf Street View hatte ich mir mal eine Strecke angeschaut und konnte beobachten, wie der Wagen eine ganze Weile hinter einem Lastwagen hinterherfuhr. »Überhol doch!« hatte ich mir beim Anschauen gedacht. Nun weiß ich, dass wir die nächsten Wochen jenseits der Überholspur operieren werden – ganz so, wie dieser Google‐Wagen damals.

Als wir in Whistler ankamen, war es schon dunkel. Ein Traum. Wir hatten unterwegs mal kurz angehalten, um das Tanken zu üben und uns mit Sandwiches zu versorgen. Das Einchecken war komplikationslos, das Finden unseres Platzes nicht. »Wie parkt man ein? Rückwärts?« hatte Susann noch gefragt, und darauf nur ein bestätigendes Jahr bekommen. Super, dachte ich mir, auch das noch.

Der Platz war so schön, wie man sich das im Dunkeln nur wünschen kann. Wir waren damit beschäftigt, unsere Sachen zu sortieren und waren dann auch schon bald in den Betten.

Irgendwann fiel mir ein, dass wir zwar die Wohnmobil‐Tür zugemacht haben, aber weder Fahrer‐ noch Beifahrer‐Türen.

Heute Nacht fing es an zu regnen. Die Geräusche auf dem Dach sind schon urig. Es erinnert einen wenig an die Gartenlaube früher oder an das Sitzen im Wintergarten, nur habe ich nie versucht, dabei zu Schlafen. Irgendwann fühlte ich, dass ich leicht bestäubt werde. Einordnen konnte ich das nicht. Bis ich mich dran erinnerte, dass vielleicht das Fenster oben auf. Was es auch war.

 

2013-08-28T05:30:55+00:0028. August 2013|Categories: Kanada 2013, Unterwegs|Tags: , |Kommentare deaktiviert für Jenseits der Überholspur