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Wie im Zoo: The National

Weshalb geht man eigentlich in ein Konzert? Um Musik zu hören, möchte man sagen. Ein Großteil, und das ist mir schon in den letzten beiden Jahren häufiger sauer aufgestoßen, kommt, um die Künstler zu fotografieren. Die, erfreulicherweise, neue Kameratechnologie macht es möglich. Mir geht es aber ungeheuer auf den Senkel, wenn um einen herum als erstes die Kameras gezückt werden und fünfundvierzig Minuten lang die Künstler in allen möglichen Posen ablichtet werden, und man darauf achten muss, dass man niemandem die Aufnahme kaputt macht, geschweige denn den Fotoapparat, weil man sich mal ein wenig bewegt. Man kommt sich vor wie im Zoo, nur das keine Tiere sondern Künstler wie wild abgeknipst werden. Was ist denn das für ein Vergnügen? Bei »The National« gestern abend war es nicht viel anders…

Bevor wir losfuhren hatte ich mich noch kundig gemacht, ob das Konzert wirklich statt findet. Von einer Absage war nichts zu lesen, statt dessen fand sich die Information, dass »Buke and Gass« als Einheizer auftreten würden. Kurz gegoogelt und ich fand die MySpace‐Seite von den beiden Künstlern und hörte mal kurz rein (http://bukeandgass.com/). Mist, dachte ich mir, das ist ja schon mal für Susann. Wenn ich mir schon denke, dass die Musik anstrengend sein könnte, dann ist es für meine Liebste überhaupt nichts. Aber etwas auf MySpace zu hören und etwas live zu erleben ist mal was ganz anderes: Live rockten die beiden Herrschaften, und die außergewöhnliche Mischung aus E‐Gittare, Akustik‐Gitarre und einer glockenhellen Stimme passte zusammen und ließ die Leute zuhören, was man auch nicht bei dem Supporter erleben darf. (Die PetShopBoys haben beispielsweise ein ausgesprochen unglückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Vorbands bewiesen, zumindest bei den Konzerten, die wir in Deutschland besucht haben. Tori Amos – bzw. das Management dieser – hatte nie einen Flop vorzuweisen.)

Gegen zehn Uhr ging es dann los und auch hier war ich schwer interessiert, wie es denn meine Liebste aufnehmen würde. Ich hatte sie eingeladen, ein probates Mittel wenn man sich nicht sicher ist, ob ihr die Musik auch gefallen würde. Der kluge Mann baut vor und eine Entschuldigung wie: »Nun ja, immerhin hast Du dafür kein Geld rauschmeißen müssen.« ist immer noch besser, als ein gutes Konzert nicht gesehen zu haben. Susanns Verhältnis zu Rock ist wohl im normalen Leben ein eher gleichgültiges, für mich gehört er zum täglich gehörten. Der erste Song war gleich einer der für mich besten der Band, allerdings war der Sound noch relativ mies und anhand der Gesten, der Bandmitglieder konnte man sehen, dass es noch Fein‐Abstimmung gab. Im weiteren Verlauf durfte man sich dann nicht mehr darüber beklagen.

»The National« gaben an diesem Samstag ihr erstes Konzert in Deutschland, Deutsche mussten sich die Band vorher im europäischen Ausland anschauen, beispielsweise in Dänemark, wo sie schon in der Vergangenheit spielten. Das Publikum war sehr international. Ich habe Holländer als solche erkennen können, wie auch Briten und Polen. Ich bin mir nicht sicher, wie bekannt die Band hierzulande ist, aber zu den ganz Kleinen gehört sie ganz gewiss nicht mehr. Das letzte Album hat schon sehr gute Kritiken bekommen und über das in dieser Woche erscheinende Album hat man in der Presse auch nur gutes gelesen. Also warten wir das mal ab – wir haben gestern ein Teil der Songs schon mal gehört und ich bin auch voller Vorfreude auf das Album. Denn auf den Alben geht die Stimme des Sängers Matt Berninger nicht so unter, wie sie das im Konzert manchmal tat. Da übernahmen dann die Gitarren die Macht und verwiesen den Sänger in seine Schranken. Die Musiker auf der Bühne waren recht agil, was Wechsel der Instrumente anging und der Sänger, so toll die Stimme ist, hinterließ den Eindruck, als ob er im Wege wäre. Das lag auch an den Bewegungen, die verdammt an Joe Cocker erinnerten, auch wenn die Stimmen sich überhaupt nicht ähnelten.

Nach etwas über 90 Minuten ging das Konzert zu Ende und Berninger verabschiedete sich, in dem er den Inhalt seines Getränke‐Bechers in Richtung Publikum entleerte. Ich ging ja noch in Deckung, hatte aber nicht damit gerechnet, dass es ein wenig brauchte, bis so Flüssigkeit auch wieder herunterkommt. Als ich aufschaute, um abzuchecken, ob das Ungemach vorbei war, bekam ich eine volle Ladung ab. Kurz davor ging ich ja noch von Wasser ab, aber jetzt weiß ich: Berninger hat ein Faible für Champagner. Ich will man nicht hoffe, dass er mich mit billigem Sekt bespritzt hat!

Schauen wir mal, wie das nächste Konzert am Freitag wird…

2010-05-09T19:58:43+00:009. Mai 2010|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Wie im Zoo: The National