Da geht noch was, muss ich der liebe Gott gesagt haben, und meinte heute morgen schon zu mir: »Du meinst begriffen zu haben, wie es läuft. Ich werde Dir mal zeigen, wie viel Du verstanden hast!«, ließ mich aus dem Hotel heraustreten, eine Dame auf mich zustürzen, die vermutlich aus Vietnam gekommen war – zumindest wenn ich mich an die kräftigeren Leute erinnerte, auf die mich Joey hingewiesen hatte, und fragte, ob ich ein Taxi benötige. Ich meinte, das wäre so, und hatte kurze Zeit später ein Voucher über RM 150 in der Hand. Das war das Doppelte des Üblichen. Ich hätte durch die Mall zu dem anderen Hotel gehen können, da hätte ich ein anderes Taxi zu einem günstigeren Preis bekommen und das vermute ich nicht nur, das weiß ich.

Dafür fuhr mich der Fahrer aber auch in einer atemberaubenen Geschwindigkeit zum Flughafen auf Strecken, die ich noch nicht kannte, und hatte alle Maut‐Strecken mitgenommen, die es so gibt. Zusammgefasst kann ich sagen, er fuhr immer das Doppelte vom Erlaubten. Außer in Zwanziger‐Zonen, da fuhr er das Dreifache. Das Plus an Luxus, was sein Wagen bot, war damit auch schon vorüber.

Früher als gedacht war ich somit am Flughafen und konnte dort Notiz davon nehmen, dass mein Flug etwa fünfundvierzig Minuten später fliegen würde, als geplant. Dreiviertel Stunde, dachte ich mir so, schön das Du so früh hier bist. Und: In Dubai wird’s wohl dann ein wenig knapper werden. Ich notierte das auch mal bei Facebook, wenn man da schon sonst nichts schreibt, dann kann man ja das mal erwähnen. Aber während ich es noch notierte, kam schon die Nachricht, dass sich der Abflug um weitere Viertelstunden verzögern würde. So viele Viertelstunden, dass man sich in Dubai ordentlich Zeit lassen könne.

Eine Stunde später gaben sie dann Bescheid, dass man sich eine Voucher abholen könne und sich der Flug um mindestens drei Stunden verzögern würde. Übrigens wurde das nur über Flurfunk bekannt. Wirklich nett und nicht wirklich überzeugend. Alles stürzte sich auf den Voucher und nur auf Nachfrage wurde einem gesagt, dass er nur bei Burger King gültig wäre. Hah!, schnell die Toilette aufgesucht (vorher) und dann zum Klops‐Brater. Im Gegensatz zu McDonalds wird da ja alles frisch gemacht, weshalb es sich manchmal zieht. Und das tat es. Zwanzig Minuten, dann war ich dran. Das einzig gute Gefühl, war das der Bestätigung, als ich hinter mir entdeckte, dass die Schlange mit der Zeit auf das Vierfache angewachsen war, was der Bedienung ein Pfiff des Erstaunens entlockte. Die war auch sonst ganz pfiffig und rief, bevor sie die Bestellung ihrer Kunden in die Küche weiter kundtat immer: »Mögt Ihr mich?« Der Kerl tat das nicht, seine Queue war aber nicht kürzer oder länger.

Wir saßen ja schon im Boarding‐Raum, als uns die Nachricht mit der zweiten Verspätung ereilte. Der Flieger sollte um 10.10 Uhr losgehen und Emirate verkündet immer und überall, dass man fünfunddreißig Minuten früher da sein sollte. Ein Businessmensch kam um 10.15 Uhr herangeeilt und wollte den Flieger noch erreichen. Ich dachte mir schon, kannst schön in Ruhe machen, der Flieger hat nicht auf Dich gewartet. Er stürmte durch die zweite Sicherheitskontrolle ohne den Mantel auszuziehen. Er wurde noch einmal durchgeschickt. Man sah ihm förmlich an, dass er gleich explodieren würde. Aber was soll man gegen Leute mit Waffen machen? Genau, man fügt sich widerwillig. Er stürmte dann durch den Warteraum auf den Ausgang zu und stand vor der verschlossenen Tür. Nein, es geht nicht weiter. Das mochte er nicht glauben, er wäre jetzt hier und das Flugzeug noch da. Ja, aber das Flugzeug fliegt nicht. Das kann nicht sein. Man sah in wild gestikulieren und seine hinzugekommenen Kollegen hielten ihn nicht davon ab. Sie wollten ja auch wegfliegen. Schließlich kam er zurück und schaute sich nach jemanden um, der so aussah, als hätte er mehr Verantwortung. Der konnte ihm auch nur sagen, dass das Flugzeug nicht fliegen würde. So trabte er zurück…

Ich hatte zwischendurch ja mal eine Angestellte gefragt, wie das mit dem Weiterflug aussehen würde. Beim ersten Mal sagte mir, ich möge mir keine Sorgen machen, man würde mich direkt zum Flugsteig begleiten – das würde schon alles gut gehen. Nach fünf Stunden sieht das aber ein wenig anders aus und es war eigentlich nur die Frage, wie es weitergehen würde.

Übernachtung in Dubai, da kann man ja froh sein, nicht wahr – schließlich hätten sie auch auf die Idee kommen können, einen in den Nachtflieger nach Frankfurt zu stecken. Mein unglaubliches Pech ging mir auf: Warum hatte ich denn auf dem Hinflug den Flug in der Business Class gewonnen und nicht auf der Rückreise. Das wäre ja viel komfortabler!

Abgesehen davon, das fiel mir dann aber in Dubai erst ein, hätte ich ja die schöne Toiletten‐Tasche vom Hinflug mit der Mini‐Zahnbürste und anderen Kosmetik‐Artikeln in Flughafen‐kompatibler Form gehabt, die ich auch so habe, aber halt nicht im Handgepäck. So durfte ich Trottel mir im Hotel in Dubai erst einmal eine Zahnbürste und ein Zahnpasta kaufen. Das Begriff »es kostet ein Vermögen« ist ja immer recht relativ. Aber in solchen Hotels, wie diesen, die von Fluggästen leben, die ihren Flug nicht bekommen haben, nehmen sie es von den Lebenden. Der Adapter, ich habe jetzt zwei, war ja noch recht günstig. Er ist nicht so komfortabel und kostete umgerechnet nur drei Euro (ähmm, das Schweizer Super‐Duper‐Teil, was ich mir in Hamburg gekauft habe, was wie ein Taschenmesser funktioniert, hat mal locker das Vierzehnfache gekostet – tut aber das gleiche. Gut, es gab auch eine Bedienungsanleitung. Dafür kann das Billigkeit zwei Geräte gleichzeitig versorgen. Da es keine Warnung in der Bedienungsanleitung gibt, kann ich nicht sagen, ob das beabsichtigt ist. Praktisch ist es schon.) Aber die beiden Kosmetik‐Artikel kosteten dafür fast zehn Euro – was dafür, dass ich die Zahnpasta morgen wahrscheinlich abgeben darf, schon ein wenig unverschämt ist. Vielleicht gelingt es mir morgen, mich darüber so sehr aufzuregen, dass ich noch mal eine Beschwerde‐EMail an Emirates schreibe, dass ich den Mangel um Fürsorglichkeit erbärmlich finde. Wäre zwar grob übertrieben, aber manchmal hilft es ja und ein weitere Flug ist mit denen ja schon gebucht. Da kann man mal wenig auf den Putz hauen.

Den Flughafen in Dubai – besser gesagt das Emirates‐Terminal – fand ich ja schon bei meinem ersten Flug recht schick. So richtig zum Tragen kommt es aber erst, wenn man sich aus dem Flughafen heraus bewegt. Noch nie hatte ich in einem Flughafen den Eindruck gehabt, in einem Palast zu sein, wie dort. Es kommt wahrscheinlich durch die unglaubliche Höhe des Raums und die vielen Säulen, die zu sehen sind, dass dieser Eindruck entsteht. Höhe selbst kann man auch in anderen Flughäfen finden, aber wenn ich mich recht erinnere eigentlich nur im Eingangsbereich und später bei den Gates. Nun soll man ja nie übertreiben, deshalb sei auch gesagt: Es gibt auch recht funktionale Bereiche und mit den Sitzmöglichkeiten ist es an manchen Ecken sehr sehr knapp und unbedingt toll ist es nicht, wenn Leute auf dem Fußboden sitzen oder schlafen müssen.

Das Hotel hat den charmanten Namen »Park Hotel«. Tja. Also wir wurden mit einem Shuttle‐Bus hierhergefahren. Ein Russe, der sich schon auf der Fahrt beschwerte, dass es nicht das Hotel werden würde, das auf dem Voucher notiert war und der Rest waren Chinesen, die gestrandet waren. Ich schaute aus dem Fenster und sah Rasen. Richtig schönen grünen Rasen. Naja, dachte ich mir, im Entertainment‐System im Flieger stand geschrieben, das Klima in Dubai sei subtropisch. Da ist vielleicht auch grüner Rasen drin. Kurze Zeit später bog er um die Ecke und ich sah, was ich eigentlich erwartet hatte: Wüste. Das Hotel liegt in einer solchen. Rundherum wird vermutlich demnächst heftig gebaut werden und auf dem Gelände haben sie ein paar Büsche gepflanzt. So würde ich als Mitteleuropäer sehen und nicht von einem Park sprechen. Als Wüstenbewohner spreche ich vielleicht von einer Oase.

Den Tag des internationalen Vouchers beschloss ich mit einem Dinner. Im Hotel gab es ein Buffet. Ich hatte Schlimmes befürchtet, denn eine solche Expedition hatte ich vor ein paar Jahren mal in Prag gehabt – das war wirklich fürchterlich gewesen. Das Essen bei diesem Buffet war wirklich gut. Leider war das Arabischste was zu haben war ein Gurkensalat mit Minzsoße und ein paar Datteln. Der Rest war doch recht international und tendierte in Richtung italienisch. Den Chinesen konnte es nicht recht gemacht werden – allerdings ist ein Teller mit Salat, Reis, Hühnchen, Brot, Steak und Tiramisu wirklich schwer zu verdauen.

Wenn man mal von den Zahnpasta‐Preisen absieht, kann man über das Hotel wirklich nicht meckern. Die Zimmer sind ausreichend groß, modern und sauber. Man könnte sogar Internet‐Anschluss haben. Aber nach malayischer Zeit ist es jetzt nach Mitternacht und ich bin seit achtzehn Stunden auf den Beinen, nach hieser Zeit ist es bald 21 Uhr und zu Hause ist es 19 Uhr – da renne ich nicht im Haus herum und versuche einen Internet‐Zugang zu bekommen.

Zeit für’s Bett. Morgen werde ich wohl schon ankommen.