Nein, es soll keine Empfehlung für die Handhabung der Arbeitszeit sein. Das könnte ins Auge gehen. Aber ich habe festgestellt, dass ich interessante musikalische Entdeckungen gemacht habe, wenn ich entweder ganz früh aufgestanden war und Radio vor den Morgenshows hörte, über die ich mich jetzt nicht weiter auslassen möchte; oder so spät nach Hause kam, dass die Formatradio-Macher schon nach Hause gegangen waren und Leute, die wirklich was von Musik verstanden und verstehen, das Mikro und den »Plattenteller« übernommen haben.
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Bestimmte Sachen sind einfach nicht für Kinder. Eltern denken da vielleicht in erster Linie an Messer, Gabel, Besteck, Pornos und Gewaltfilme. Mir ist das das erste Mal aufgefallen, als ich die Muppet-Show in den 90ern gesehen habe. Früher waren das nur Puppen, aber da: Hey, die Schauspieler waren ja nicht nur lästiges Beiwerk sondern richtige Stars und die Witze waren auch richtig gut. Fünfundzwanzig Jahre nach dem ersten Hören muss ich auch klaglos anerkennen, das einer der größten Alben aller Zeiten wohl Paul Simons »Graceland« ist. Ich habe als Kind und Jüngling (so einer war ich auch mal) weder die Muppet-Show noch »Graceland« richtig zu schätzen gewusst.
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Den Katzen ist Musik egal. Hin und wieder ist da mal ein interessanter Ton oder eine interessante Passage, die sie aufhören lässt und sie bemühen sich, die zu orten. Läuft ein Film kann das auch passieren. Aber normal ist es nicht.
Sicher ist aber, dass Luna (wahrscheinlich auch George hinter dem Sofa) hören aber sehr genau hin, wenn Mike Oldfields »Amarok« läuft. Die überraschend schrillen Gitarren, die urplötzlich auftauchen, sind ganz und gar nicht nach dem Geschmack der felinen Viecher. Die Missbilligung steht ihnen ins Gesicht geschrieben.
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Ein Zeichen zunehmenden Alters ist gewiss auch, dass ich mich nicht zu erinnern vermag, ob ich schon mal geschrieben habe, dass ich mir als Jugendlicher (so mit 13 und 14 Jahren) geschworen haben, was Musik angeht immer aktuell zu bleiben. Nicht so wie meine Eltern. Diesen Schwur musste ich schon mit 20 brechen, denn über die Musikszene brach Techno herein, eine mir völlig unerklärliche Sache, die ich nicht zwingend Musik nennen würde. So wie es meine Eltern auch täten.
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Ach ja: Im Hintergrund läuft »Karma Police« von Radiohead in einer Live-Aufnahme. Genial. Aber die Vorfreude hat damit überhaupt nichts zu tun. Freitag erscheint die neue CD von den Pet Shop Boys - »Yes«. Sollten sie wieder auf Tour gehen. Wir sind mit dabei. Ich habe sogar kurzzeitig überlegt, ob man nicht einen kleinen Ausflug nach London zum Konzert wagt.
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Ich habe bis 1997 in Kiel gelebt und bin vor zehn Jahren aufs Land gezogen. Der Zeitraum zwischen 1990 und 1997 kommt mir heute wie eine Ewigkeit vor, die letzten zehn Jahre dagegen sind gerannt wie nix. Sonntags bin ich oft in die Bambule um die Ecke gegangen. Heute, nicht mehr dort lebend, schaffe ich es nur noch ganz selten in die Bambule. Obwohl sie total urig war (und vermutlich auch noch ist). Was die Musik anging, war man allerdings dem Geschmack des Personals ausgesetzt. Da war ich manchmal glücklich, manchmal weniger. Das Essen war aber immer Klasse! Aber einmal war ich regelrecht entzückt. Ich musste unbedingt fragen, um was für eine Scheibe es sich handeln würde: »Bel Canto« lautete die Antwort. Klar, dass alsbald die Scheibe bei mir rauf und runter lief. Mein absoluter Favorit war die Vertonung eines Märchens in deutscher Sprache namens »Die Geschichte einer Mutter«. Damals dachte ich, so sollte auch deutschsprachige Musik sein. Meiner persönlichen Meinung nach hat sich da auch einiges zum Positiven getan.
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Ich habe mich an Delerium satt gesehen, auch wenn ich natürlich zum Gesagten nach wie vor stehe. Da ich einfach mal was schreiben wollte, habe ich die Hitmaschine in Gang gesetzt und mir gesagt, ich schreibe über den Interpreten, der als Erstes läuft. Nun, das war Charlotte Gainsbourg mit »Operation«, aber die hatte ich ja neulich erst erwähnt. Dann kommt Foreigner mit »I Want To Know What Love Is«, ein richtiger Schmachtfetzen, aber wirklich schööön. Rübergerettet aus den 80ern. Ach ja, die gute alte Zeit. Ich finde es gibt zwei Dinge an denen man merkt, wie die Zeit vergeht: Alte Freunde nach langer Zeit wiedersehen und Musik hören. Der Blick in den Spiegel hilft nicht. Da ist etwas grau dazugekommen. Die Haut ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Aber einen Song von Foreigner zu hören und zu denken »Ach Gott!«, das lässt einem die vergangenen Jahre spüren. »Hurra, wir leben noch« (Klaus Doldinger) ist übrigens der dritte Titel ist der automatischen Liste. Wie passsend!
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1987 war's, vielleicht ja auch 1988, so genau kann ich es gar nicht mehr sagen. In diesem Jahr kam bei uns »Platoon« in die Kinos. Ich hatte es noch nie so mit Kriegsfilmen und was Oliver Stone da zeigte, war nix für so ein nervliches Leichtgewicht wie mich, der gerade der Phase entwachsen war, wo man sich noch hinter dem Sessel der Eltern bei gruseligen Szenen versteckte. Aber eins nahm ich aus dem Film mit. Die Filmmusik. Einfach gigantisch! Die Melodie verfolgte mich lange. In den 90er hörte ich dann eine kurze Fassung, die auch auf einer Kassette landete. Es handelte sich um »Adagio for Strings, Op. 11« (Komponist gerade unbekannt), ein Stück von unendlicher Traurigkeit. Ich liebte es.
Jahre später verschlug es mich in einer unbekannten Stadt in einen Plattenladen. Wie der Laden aussah, das habe ich noch im Gedächtnis, aber wo es war, will mir beim besten Willen nicht einfallen. Es lief ein Lied, das mir gefiel. Der folgende Titel tat das auch. Also fragte ich, was dort gespielt wurde. »Delerium«, aha! Die Scheibe wurde mitgenommen. Eine der letzten Neuanschaffungen war »Chimera« von diesen und was soll ich sagen: Da gibt es doch tatsächlich ein Stück, welches mit dem Adagio verheiratet wurde. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das nicht eine Art Majestätsbeleidigung ist.
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