»Dieses Buch ist ein wucherndes Gebilde: in seiner Fehlerhaftigkeit überraschend bildungsfern, in seiner Dickleibigkeit fast adipös, dabei allerdings so fortpflanzungsfreudig, dass der Argumentationskeim eines Kurzreferats zu einem Riesenwälzer angewachsen ist. Nimmt man noch die Perspektive des Erzählers hinzu, die es an Verengung mit dem Augenschlitz einer Burka lässig aufnehmen kann, gleicht Thilo Sarrazins Buch eigentlich exakt seinem Feindbild: ein übergewichtiger, fertiler Religionsfanatiker.« Andreas Bernard über Sarrazins Buch
Der 30. August 1990 war ein August. Ein völlig unspektakulärer Tag, wenn man ihn weltgeschichtlich betrachtet, abgesehen davon das sich an diesem Tag die autonome Republik Tatarstan zu einer souveränen Republik erklärte, aber wer hat schon von dieser Republik gehört? An diesem Tag stieg ich in den Zug und fuhr mit meiner Mutter nach Kiel. Meine Mutter, um sich das mal so anzuschauen. Ich, um zu bleiben.

Das Häuschen ist da! Erst hieß es, es würde Freitag kommen. Das hätte uns nicht großartig tangiert, da wir unterwegs sind, aber nun kam es heute. Da hat sich so einiges geändert.

In Heide ist nicht viel los. Das kann man wohl so sagen. Respektlos könnte man auch behaupten, das man in der Stadt nicht tot überm Zaun hängen möchte. Geschweige denn halbtot. Manchmal gibt es aber Sachen, die einen aufgucken lassen. Zum Beispiel gestern, als ich in Heide einfuhr, stand eine Tankstellen-Mitarbeiterin an der Straße und starrte ganz gebannt in Richtung Innenstadt. Vor den Augen: ein Feldstecher. Ich musste schon dreihundert Meter weiter fahren, bevor mir aufging, was sie mit dem Feldstecher machte: Sie beobachtet wohl den Wettbewerb. Wenn sie das nicht tat, wüsste ich nicht, was es sonst Interessantes dort geben könnte - aber sie hätte zumindest eine gute Begründung.
Heute morgen stand der Herr von SWN vor der Tür und informierte die beste Frau der Welt darüber, wie es denn mit dem Häuschen weitergeht. Ich hatte gestern schon eine Mail an SWN geschrieben, was denn mit unserem Vertrag wäre. Heute nachmittag rief Susann an und meinte, es gäbe kein Wasser mehr.
Ich träumte die Woche, mein Wecker würde in einer virtuellen Maschine laufen, und deshalb müsste ich ihn nicht ernst nehmen. Habe ich dann auch nicht. Das könnte jetzt ein Zeichen von zuviel an Computern sein oder auch ein Signal bescheidenen Anarchismus.
Manchmal lernt man Schnösel kennen, da bleibt einem die Spucke weg. Nun, ich kannte die Person - wie ich sie mal nennen will - schon und hatte keine gute Meinung von ihr. Die Person war Chef, wofür man, wie wir alle wissen, keine moralische Qualifikationen benötigt. Es hilft, ist aber nicht zwingend notwendig.
Vorgestern stand ein Reh in unserem Garten, machte einen Mordslärm und verschwand. Krach machte es noch eine ganze Weile, es war eine Mischung aus Brummen und Brüllen aber nicht wirklich beeindruckend. Immerhin konnte es meinen Einflussbereich lebend verlassen, was bei meiner Vorliebe für Rotkohl und Wild nicht ganz so selbstverständlich ist wie es klingt. Meine heutige Begegnung mit einem Reh war weniger erfreulich.
Manchmal hat es etwas Gutes, wenn man viel unterwegs ist. Letzte Woche konnte Susann mal einen kleinen Abstecher zu einem der besagten Glasfaser-Häuschen machen und ihre Lauscherchen aufsperren, um zu hören, was denn aus den Häuschen an Geräuschen dringt, wenn es draußen sehr warm ist und die Häuschen mit einem Schallschutz versehen sind. Das Resultat: nix.
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