In drei Tagen geht es schon los und merkwürdigerweise bin ich einerseits vorbereitet, andererseits aber noch gar nicht so richtig in Stimmung. Ja, es ist halt kein Urlaub, und ich bin gerade erst zurückgekommen von einer Reise und so ganz aufregend scheint Irland nun ja auch wieder nicht zu sein. Schön, gewiss, aber aufregend?
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Gerade noch mit den Eltern telefoniert und da kam die beiläufige Frage auf, wo ich denn untergebracht bin. Gastfamilie. Ja, toll, meinte mein Vater, da lernst Du ja was. Es folgte ein wenig Rumgequatsche und wie aus dem nichts fiel mir dann ein, dass man, wenn man irgendwo hinfährt, ja in der Regel ein Gastgeschenk mitbringt. Tolle Wurst! Habe ich natürlich überhaupt gar nicht dran gedacht, während sowohl meine Eltern wie auch meine göttliche Frau mich bestätigten und meinten: »Gastgeschenke sind üblich und notwendig und es ist unhöflich, wenn man keines hat.« Da werden wir morgen vormittag wohl noch einmal losdüsen und Lübecker Marzipan besorgen und einen Bildband »Der schönste Landstrich der Welt: Schleswig-Holstein« möglichst mit englischen Untertiteln. Was für ein Glück, das mir das noch so zeitig eingefallen ist.
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Abgesehen davon, dass ich jetzt meine Unterlagen mal durchgeschaut und Google Maps bemüht habe, und dabei die Adresse, die als die der Gastfamilie angegeben wurde, überhaupt nicht gefunden wurde, macht mir ein anderer Aspekt ebenfalls Sorgen. Mein neuer Reiseführer, den ich im Gegensatz zu dem Dreck-Papier von Marco Polo (sorry, für die drastischen Worte), erzählte mir heute, dass Essen gehen in Irland ein recht teurer Spaß wäre.
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Letzte Woche in Rom hatten wir die ältere Bedienung aus Monaco, die es gar nicht kümmerte, ob wir nun italienisch konnten oder nicht. Nicht nur ich fand das bemerkenswert. Auf dem Flug von Hamburg nach Frankfurt hatte ich nun wieder zwei Italienerinnen neben mir sitzen und auch die kümmerte es überhaupt nicht, ob ich nun italienisch spreche oder nicht. Sie teilten mir einfach kurz und bündig auf italienisch ihr Befinden und ihre Probleme (vermute ich mal)mit, und ich hatte nur eine Antwort auf die Frage, ob sie denn auf einem Inlandsflug von Hamburg nach München italienische Zeitungen vorhalten würden (sehr unwahrscheinlich), aber da Kopfschütteln als Verneinung nicht ganz so unüblich ist, nehme ich mal an, dass sie die Antwort verstanden haben.
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Ich kann mich gar nicht mehr entsinnen, wann ich das letzte Mal Fischfilet gegessen habe. Dürfte über zwanzig Jahre her sein und, mit Verlaub, ich habe nichts vermisst, wenn man mal vom Gurkensalat absieht, aber den gab es dann gestern doch nicht. Es würde mich ziemlich überraschen, wenn ich heute nicht irgendetwas mit Kartoffelbrei bekommen würde. Irland und Kartoffeln - das passt wie die Faust aufs Auge.
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Nein, es gab kein Kartoffelbrei gestern. Den hatte ich dann erst heute wieder. Gestern gab es Lasagne. Mit Chips. Eine gewöhnungsbedürftige Kombination. Anfangs kam von meiner Gast-Mutter noch die Frage, ob ich meine Frau vermissen würde. Ich habe gesagt: Nein, eigentlich nicht jetzt, da es für mich wie eine Dienstreise wäre. Am Wochenende würde das sicher anders aussehen. Nun ja: Nach fünf Tagen irische Hausmanns-Kost könnte ich antworten: Ja, ich vermisse sie, weil es doch anders ist als eine Dienstreise und auch weil mir ihr Essen fehlt.
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Nein, der heutige Test war kein »magic moment«, ich hätte auf ihn verzichten können, wie beispielsweise mein brasilianischer Mitschüler, der eine etwas lässige Einstellung hat: »Ich bin ja noch sechs Monate hier, da werde ich schon Englisch lernen.« Gut, das ist nur überliefert, aber seine Reaktion, als er nach dem zweiten Frühstück in der Schule eintraf, untermauerte das ein wenig. Wie gesagt, mein Testergebnis war besser als ich es erwartet habe, aber miserabler als erhofft. Ich versuche dazu eine lässige Haltung zu gewinnen, nur es gelingt mir nicht.
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Die ganze Woche war Regen für das Wochenende angesagt worden - die Wetterkarten verkündeten es und die Leute ebenso. Es gab keinen Zweifel - Sonnabend würde es regnen. Die Iren waren sowieso schon irritiert, ob des schönen Wetters. Es schien fast so, als würden sie den Regen herbeisehnen, um ihr Gemüt wieder in Gleichgewicht bringen zu können. Was muss das für eine Enttäuschung am Sonnabend gewesen sein?
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