Terra Gallus https://www.terra-gallus.de Eine ganz eigene Welt Sat, 10 Nov 2018 16:02:23 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.1.1 Ein guter Abschluss https://www.terra-gallus.de/2018/10/ein-guter-abschluss/ Wed, 17 Oct 2018 14:52:24 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8545 Mittlerweile wissen wir, wie wir die Piste zu der Lodge zu nehmen haben: Konsequentes ignorieren der Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h. Fährt man die Strecke mit 57 km/h, so wird man nicht nur weniger durchgerüttelt, man hat auch eine Menge Spaß dabei und es verkürzt die Fahrzeit erheblich. Folgt man dabei einem anderen Fahrzeug, hat man allerdings das Gefühl, man fährt durch einen kleinen Sandsturm. 

So schön die Lodge auch ist, der entscheidende Nachteil ist, dass sie für das geplante und vorgeschlagene Programm falsch liegt. Als Attraktion wird die Panorama-Route genannt, es ist allerdings ziemlich ungünstig, dass man für die Anfahrt zur ersten Attraktion schon über eine Stunde braucht. Ist man kurz vor Graskop und fährt wieder zurück, so benötigt man fast zwei Stunden. Da geht doch eine Menge Zeit nur für die An- und Abfahrt drauf. Will man die Panorama-Route abfahren, wäre es auf jeden Fall sinnvoll, eine Unterkunft in oder in der Nähe von Graskop zu haben. Es ist nicht so, dass es da nichts gäbe.

Vielleicht ist es dann auch möglich, die Panorama-Route an einem Tag abzufahren. Ich hege daran aber erhebliche Zweifel. Es liegt allerdings auch daran, dass wir die Punkte nicht in der typischen Reisebus-Manier anfahren, bei der man irgendwo anlandet, zwanzig Minuten Zeit für Fotos hat und dann geht es weiter.

Eine Gruppe von Deutschen trafen wir an einem Aussichtspunkt mit dem Namen Loewfeld an, unweit der »Three Rondawels«. Von hat man Teile der Aussicht von letzteren aus einem andere Blickwinkel und bekommt noch ein paar andere, sehr tiefe Ausblicke. Unten verläuft ein Fluss und eine der Damen meinte, man könne da runterfahren und vielleicht wäre dort ein Wasserfall. Ich will mich nichts als Wasserfall-Experten darstellen, aber meiner Erfahrung nach muss ich selten nach unten fahren, wo ein Flusslauf ruhig verläuft, um einen Wasserfall zu sehen. Da sieht man einen lauschigen Gebirgsfluss, der vermutlich woanders schon mal heruntergefallen ist – aber nicht viel mehr. Ich fragte deshalb:
»Was für ein Wasserfall?«
»Hier soll es Wasserfälle geben«, bekam ich als Antwort. Oha, eine gut vorbereitete Reisegruppe.
»Ja«, meinte ich und zeigte in die passende Richtung, »wenn man in die Richtung fährt, bekommt man Wasserfälle zu sehen. Drei Stück.«
Sie schauten mich an und dann meinte eine der Dame zum Rest der Gruppe:
»Dann will er uns die Wasserfälle wohl nicht zeigen.«
Wobei »er« wohl der Guide war. Die Herrschaften bedankten sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Wasserfälle zu sehen bekommen haben, ist nicht sehr hoch, denn wir trafen sie nicht erneut – und wir machten die Wasserfall-Tour.

Kraxelt man noch ein wenig an den Attraktionen herum – ich komme kurz auf die Zeit-Komponente zurück – dann vergeht auch bei einem »simplen« Wasserfall wie dem Lisbon Fall schon mal eine Stunde, bevor man weiterkommt. Dafür hat man aber eine Menge schöner Fotos in der Tasche und fühlt sich glücklich. Apropos »glücklich«. Da stand ich vor dem Berlin Fall, der in meinen Augen der weniger spektakuläre Wasserfall ist, und genoss den Ausblick. Greta stand neben mir und fragte:

»Bist Du jetzt glücklich?«

In der Nähe von Wasserfällen muss ich da nicht lang überlegen, die Antwort war recht leicht:
»Ja, bin ich. Aber ich bin schon die ganze Zeit glücklich.«
Ihr Papa kam hinzu und fragte:
»Greta, und bist Du glücklich?«
Kurzes überlegen von Seiten Greta:

»Jaaaaaa.«
Wasserfälle machen halt einfach glücklich, Südafrika-Urlaube sowieso.

Nachdem Lisbon Fall waren war es schon ein Uhr und wir fuhren nach Graskop hinein, um dort eine kleine Kleinigkeit zum Mittag zu nehmen. Wir fielen in ein Pancake-Restaurant ein, welches sich nicht nur als das Original-Pancake-Restaurant bezeichnete (weil es daneben noch eines gab), sondern welches auch die »echte« Schwarzwälder-Kirsch-Torte anbot. Natürlich auch als Original. Da bekanntermaßen die Schwarzwälder-Kirsch-Torte in Südafrika erfunden wurde, bevor sie von den Deutschen geklaut wurde. In dem Restaurant waren wir umzingelt von Deutschen, aber das war man an den Attraktionen auch – das kam also nicht ganz überraschend. Die Pancakes und Wrapes waren sehr schmackhaft und ausreichend als kleines Mittagessen. Das Sandwich von Lenhard sah ein wenig lütt aus.

Es gab noch eine Schnickschnack-Attacke auf die Souvenir-Läden, bei denen die Damen die gewünschte Beute machten. Dann versorgten wir uns noch mit ein wenig Geld, denn wir haben noch den Flughafen-Transfer mit Henry zu bezahlen (auch wenn die beste Ehefrau der Welt sich in erster Linie Gedanken um das Trinkgeld für Henry machte, kamen wir zu dem Schluss, dass er sich weniger über den Bonus freuen würde sondern vielmehr über die reguläre Bezahlung).

Nächstes Zeil war die God’s-Window-Schleife der Panorama-Route. Wir hielten zuerst am Pinnacle. Ich habe keine Erinnerung, dass wir das letzte Mal auch gehalten haben. Es handelt sich dabei um einen Fels, der etwas einsam herumsteht und man fragt sich, wie das gekommen ist. Die Kinder fragten sich das nicht, sondern die fragten sich, ob man den mit Steinen so weit werfen könnte, dass man diesen Fels trifft. Immerhin gab es darauf eine Antwort: Bei ausreichenden Versuchen und den entsprechenden Fähigkeiten ist es durchaus machbar. Sollte es Grüppchen gegeben haben, die dort unten um den Fels herumgewandert sind, so dürften die deutlich weniger Freude gehabt haben.

Beim Herumwandern an der Aussichtsplattform hörte ich ein Geräusch, dass mir wohlvertraut ist und welches – ich erwähnte es oben schon – Glücksgefühle auslöst. Es konnte nur ein Wasserfall sein. Er war nur von der Seite zu sehen und mehr schlecht als recht. Ich wanderte in die Richtung. Aus der Ferne sah der Zufluss wie eine bessere Pfütze aus. Schilder sprachen die Empfehlung aus, sich dem Abgrund nicht zu nähern. Hier konnte man jedoch, weiter um die Schlucht herumwandern und hatte dann von der anderen Seite einen schönen Blick sowohl auf den Wasserfall – der beim Fallen eine sehr gute Figur machte – wie auch auf den Pinnacle.

In der Schleife muss man nicht allzu weit fahren, um die nächste Attraktion zu erleben. In der Mitte liegt God’s Window. Es geht nur ein paar Schritte hoch und schon hat man aus einer kleinen Schlucht heraus den Blick in auf den Regenwald und dann in die Ferne. Als ich davon das erste Mal hörte, hatte ich mir etwas anderes darunter vorgestellt und war enttäuscht, als ich es sah. Diesmal war ich gewappnet und konnte mich daran erfreuen, das Wetter spielte diesmal allerdings auch nur bedingt mit – es war recht diesig.

An dem Haltepunkt wird neben »The God’s Window« auch »The Rain Forrest« angeboten. Die Treppen dort hoch sahen nicht sehr attraktiv aus, was keine qualitative Wertung darstellen soll, sondern mich störte ein wenig die Quantität und mein mangelndes Wissen darüber, was mich denn oben erwartet. Nachdem aber alle dort hochmarschiert waren und ich das Gottesfenster aus allen Blickwinkel betrachtet hatte, machte ich mich auch an den Aufmarsch. Die Treppen war noch das kleinere Problem und man hat von der »Zwischenetage« schon einen schönen Ausblick. Dann gab es noch einen langen, stetigen Anstieg und um es richtig spannend zu machen, hatten die Gestalter des Pfades darauf verzichtet, mit Entfernungsangaben zu arbeiten.

Eine solche bekam ich von Greta, die schon auf dem Rückweg war und mir sagte, dass es noch fünfhundert Meter wären und entschwand. Fünfhundert Meter können, wenn sie immer weiter nach oben gehen, ziemlich lang sein. Einen kurzen Moment erwog ich, das ungewisse Experiment abzubrechen. Aber was soll’s, am letzten Urlaubstag einer Herzattacke zu erliegen, nachdem man durch Gottes Fenster geschaut hat, wäre wohl auch nicht der schlechteste Tod.

Ich kann mit Freude berichten, dass ich mich diesem Zustand nicht weiter näherte. Das lag vor allem daran, dass der Anstieg stoppte und über einen hübschen Regenwald-Pfad führte. Zum anderen waren die von Greta angegebenen fünfhundert Meter nicht zutreffend. Der Ausblick war in der Tat atemberaubend und die kleinen Strapazen hatten sich gelohnt.

Auf dem Abstieg hatte ich ein kleines Palaver mit vier Schwarzen, die mich gefragt hatten, ob sich die »Übung« meiner Meinung nach gelohnt hätte. Ich antwortete ihnen, dass das durchaus der Fall gewesen wäre, ich dafür aber nicht vorbereitet gewesen wäre. Sie lachten, meinten es würde ihnen ähnlich gehen und wir fingen an, uns unsere Beschwerden aufzuzählen. War wirklich sehr lustig.

Die letzte Attraktion war dann »Wonderview«. Ich will nichts sagen, aber es war schon ein wenig frustrierend, dass man dort die nahezu gleiche Aussicht bekam wie bei der »Rain Forrest«, nur dass man dort mit dem Auto hinfahren konnte und dann ein paar Schritte nach unten ging. Die beste Ehefrau der Welt, die sich der Regenwald-Ansicht von oben verweigert hatte, kam hier also in den Genuss der Aussicht ohne große Mühen – Hauptgewinn!

Danach ging es auf den Heimweg, wir fuhren die Route ein weiteres Mal ab.

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Sprünge https://www.terra-gallus.de/2018/10/spruenge/ Tue, 16 Oct 2018 05:42:37 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8539 Das Erstaunliche an den Safari-Fahrzeugen, mit denen wir die letzten Tage über Stock und Stein geholpert sind, war eigentlich, dass sie so verdammt gut gepolstert sind. Ging es rasant über einen Huckel konnte man schon mal hochgeschleudert werden, aber man landete wieder ganz bequem auf seinen Sitz. Die Strecken, die da gefahren werden, haben es wirklich in sich und dass die Guides hier in ihrer Ausbildung das »Fahren« lernen, erscheint bei den Wegen auch ganz logisch. In der normalen Fahrschule bekommt man das nicht mit auf den Weg.

Während die Ranger in den staatlichen Nationalparks sich strikt an die Wege halten, die vorgegeben sind, auch wenn sie mehr Wege befahren dürfen als der gewöhnliche Fahrer, sieht das in den Private Game Reserves ganz anders aus. Es gibt mehr Wege durch den Busch und wenn unbedingt ein Tier beguckt werden soll, dann fährt man auch abseits der Wege – was richtiges Können sowohl des Guides wie auch des Trackers erfordert. Die Truppe hatte sich noch mit zwei Ferngläsern versorgt, um Tiere besser sehen zu können. Während das im Krüger sehr hilfreich war, war es im Timbavati nicht notwendig: Die Ranger fuhren uns immer direkt an die Tiere. Manchmal hätte man nur den Arm ausstrecken müssen, um eine Giraffe, einen Elefanten oder ein Nashorn streicheln zu können. Dass das keine gute Idee ist, wird einem aber schon an Tag 1 der Tour beigebracht und kommt gleich nach der Lektion, dass man nicht aus dem Auto aussteigen soll. Die Tiere bekommen diese Lektion übrigens nicht beigebracht und so musste sich Daniel, der Tracker, vorn auf seinem Sitz gegen neugieriges Ertasten von Seiten der Elefanten schon mal ein wenig wehren.

Der Umgang mit der Umgebung ist trotzdem sehr respektvoll gewesen: Wurde mit einem Wagen in den Busch gefahren, so wurde recht genau darauf geachtet, dass man zurück auf dem gleichen Pfad fuhr. Wenn ich von einer Fahreigenschaft unserer Führerin sehr beeindruckt war, dann von der, wie akkurat sie rückwärts fahren konnte – und, mit welcher rasanten Geschwindigkeit. Das ist jetzt kein »Oh, für eine Frau«-Ding, wäre unser Guide ein Mann gewesen, so hätte ich dies auch erwähnt. Wahrscheinlich ist das rasante Rückwärtsfahren auch Teil der Guide-Offroad-Prüfung. Als wir Sonntag, vorgestern, von unserer Safari zurückkamen – gut abgefüllt mit diversen Getränken unseres Zwischenstopps – hielt unser Wagen unmittelbar vor dem Camp. Der Grund war eine Ameisenstraße über den Weg. Was genau dort gerade passiert, war nicht auszumachen: Vielleicht waren sie gerade auf einem Kriegspfad, vielleicht war auch nur etwas abzutransportieren – auf jeden Fall, wollte unsere Führerin nicht über die Ameisen fahren: Bad Karma! Greta hatte aber ein ganz dringendes Bedürfnis und in der Situation war ihr das Karma der Führerin egal. Aber statt einfach über die Ameisen zu fahren, fuhren wir ein Stück zurück und suchten einen anderen Weg zum Camp. Das war in dem Fall nicht so schwer, aber ich fand es mehr als bemerkenswert. Gestern morgen trafen wir auf einen Elefanten, der auf der Straße im Stehen schlief. Sie fuhr nicht näher an ihn heran oder um ihn herum, damit würde sie ihn wecken (und eventuell verärgern).

Während es Sonntag-Morgen während der Safari auch mal geregnet und gedonnert hatte, wogegen wir uns mit gestellten Ponchos wappneten. So ein wenig Regen hält uns doch nicht von einer Safari ab. Morgens gab es zwischendurch ein paar heiße Getränke und ein wenig Gebäck, abends wurden die härteren Getränke rausgeholt und dazu gab es getrocknetes Obst und Fleisch. Einen Gin Tonic im Busch zu trinken, während die Sonne untergeht – das hat wirklich was.

Die Guides nehmen den Krams in einer Kiste mit, die hintern auf eine Ablage des Range Rover gestellt wird. Es gibt keine weitere Befestigung. Wir fragten unsere Führerin, ob ihr die Kiste schon mal verloren gegangen ist und sie verneinte, das würde ganz gut halten. Da sie die Frage auch interessierte, fragte sie wiederum Daniel, den Tracker, und er meinte: »Einmal, einmal in zwanzig Jahren.« Das stelle ich mir ganz lustig vor, wenn man der Stelle ankommt, wo man den Sun Downer einnehmen möchte und dann feststellt: »Uups, die Kiste ist weg!«

Auf unserer letzte Safari, die wir gestern Morgen hatten, lernten wir keine neuen Tiere kennen. Wir trafen nur auf alte Bekannte, von denen wir uns nun zu verabschieden hatten. Wie auch von dem Luxus, dem persönlichen Butler, das Rundum-Sorglos-Paket, das wir dort hatten. Man mag es erst einmal nicht glauben, aber wir sind recht verwöhnt aus dem Wildnis wiedergekommen.

Unser nächster Stopp lag dann nicht so weit entfernt von dem Game Reserve, wir waren knapp anderthalb Stunden unterwegs – das aber nur, weil man halt sehr langsam in dem Game Reserve fahren darf. Kurz hinter Hoedspruit (also etwa 18 Kilometer) kam die Abbiegung zur Blyde River Wilderness Lodge. Von der Straße weg sind es noch einmal sieben Kilometer. Für die benötigt man sowohl am Tag wie auch in der Nacht etwa 20 Minuten. Die Straße ist entzückend, man wird noch einmal richtig durchgerüttelt. Man fährt dann in ein Private Reserve, welches mit harmlosen Tieren bestückt ist, und kommt dann zur Loge, die – wie der Name es schon verspricht – am Blyde River liegt. Das ist eine grüne Oase und auch die Räume sind schön eingerichtet. Irgendwas gibt es immer, was stört. Das Bett ist ein französisches Doppelbett: Da ich ein Wühler bin, gibt es nachts immer Territorialgefechte mit der besten Ehefrau der Welt, zumal man sich noch um die knappe Decke zu balgen hat. Erschwerend kam hinzu, dass über dem Bett ein Moskito-Netz breitgemacht worden ist, was den Handlungs- und Wühlspielraum weiter einschränkt und welches sich auch nicht beiseite nehmen ließ, da die Ehefrau entschieden der Meinung war, dass es einen guten Grund haben würde, wenn das Netz über dem Bett hängt. Ich hätte gesagt: »Pure Romantik«, aber meine Meinung zählte nicht. Um es besser zu sagen. Links gab es die Balgerei mit der Ehefrau, rechts verfing ich mich im Netz.

Wir waren selten entschlusslahm, als wir gestern hier ankamen. Die Lodge ist unsere »Basis« für die Panorama Route. Diese ist aber vierzig Kilometer weg. Viele andere Sachen kann man hier aber nicht machen. Nachdem wir diverse Hippos gesehen hatten, wollten wir nicht zu Jessica, dem zahmen Hippo. In ein anderes Reserve, um noch mal Safari zu machen, wollen wir auch nicht – die letzten Tage waren nur Safari gewesen. So machten wir uns dann doch auf den Weg, um die ersten Punkte der Panorama-Route »abzuarbeiten«.

Ich könnte schwören, dass vor neun Jahren – als wir das erste Mal dort waren – noch kein Trubel dort herrschte. Auch habe ich so überhaupt gar keine Erinnerung daran, dass wir Eintritt hätten bezahlen müssen. Es sind jetzt keine Unsumme, die man an Eintritt bezahlt. Bei den Three Rondawels waren es 25 Rand, bei den Bourkes Luck Potholes waren es 55 Rand – dafür dass man sich bei jeder der Attraktionen mindest 45 bis 60 Minuten aufhält, ist das wirklich in Ordnung.

Bei den Potholes lagen Glück und Unglück recht nah beieinander. Wir waren da kurz vor fünf Uhr nachmittags angekommen und es war einfach schön, diese Formation und seine Wasserfälle wieder zusehen. (Vermutlich war es auch so, dass es schön war, sie erstmals zu sehen.) Die Junioren-Mannschaft hüpfte auf den Steinen über die kleinen Fälle hinweg und suchte sich seinen Weg. Die alten Kerle musste hinterher. Da waren schon einige Sprünge zu absolvieren und das Risiko, sich dabei richtig zu blamieren, war wirklich nicht gering. Aber es machte irgendwie Spaß und vor allem, ab einem bestimmten Punkt gab es kein zurück mehr. Also ging es nur noch hinterher. Es blieb allerdings Greta vorbehalten, nicht nur sehr aussagekräftige Fotos davon zu machen, wie unelegant ich mich in diesem Terrain bewege, sondern selber auch ein Vollbad zu nehmen. Bei einem Sprung rutschte sie ab und landete voll im Wasser. Es war kein Drama, kleine Dellen gab es jedoch. Der Kommentar ihres Bruders Henrik dazu, nachdem wir das Video im Nachgang dazu betrachteten: »Dabei ist vorher doch ein Typ zu sehen, der das mehrmals ganz elegant macht.« Ist nur noch die Frage, wie man das Material DSGVO-konform Social Media-gerecht aufbereiten kann…

Das zweite Glück, außer dem Anschauen an sich, war: Um fünf Uhr waren alle Leute weg und nur noch wir waren da. Ich weiß nicht, wie oft man als Tourist diese Formation ohne Menschen zu sehen bekommt.

Nachdem wir Greta medizinisch versorgt hatten, ging es wieder zurück in Richtung Hoedspruit, wo wir ein kleines Mahl im Hate & Creek einnahmen. Dreimal Nudeln, viermal Filet: Ich kann nur für meines Filet sprechen – das African Fillet kam mit einer Schokoladen-Chili-Sauce daher. Das Chili hatte keine dominierenden Einfluss, kam sehr milde daher – eine der besten Speisen, die ich während der ganzen Zeit hatte. Dazu hatte ich, um mich von den anderen Filet-Essern abzusondern, auch noch Kartoffelbrei geordert – der im zweiten Anlauf auch kam – und wenn es ein Gedicht von Kartoffelbrei gibt, so kann man ihn in diesem Restaurant finden.

Nach unserer abenteuerlichen Rückkehr in der Wilderness Lodge, checkten wir noch kurz bei Emirates ein und vielen dann erschöpft ins Bett.

Die Worte des Herren aus St. Lucia, der meinte: »In Afrika macht man Safari. Erholen kann man sich später auf Arbeit.« sind gar nicht soweit hergeholt. Einerseits tut es ein wenig weh, dass die Abfahrt so unmittelbar bevorsteht und wir uns jetzt schon Gedanken, um das Zurückkommen machen müssen: Wie lang fahren wir nach Johannesburg? Welche Zeit geben wir Henry, dass er uns zum Flughafen fährt? Hat das mit dem Einchecken geklappt? Statt noch ein wenig Zeit zu haben und im Land herumzudüsen. Schließlich muss ich erst Montag wieder arbeiten. Andererseits bin ich auch ganz froh, dass wir noch drei ganze Tage haben, bevor wir wieder in den Alltagstrott zurückmüssen.

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Drei Tage https://www.terra-gallus.de/2018/10/drei-tage/ Sun, 14 Oct 2018 12:26:33 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8536 Der sichtbare Unterschied zwischen Südafrika und Swasiland ist, dass in letzterem weniger Müll rumliegt. Für einen Mitteleuropäer ist es recht irritierend, dass der Müll entweder auf irgendwelchen wilden Mülldeponien gelagert wird, was aber schon der bessere Fall ist, denn in vielen Fällen hat man den Eindruck, dass der Müll nur vor der Hütte abgeladen wird – und damit hat es sich. In Swasiland sahen wir nur eine Stelle, wo man ein wenig die Stirn gerunzelt hat. Gegen Südafrika wirkt es wie geleckt.

Beim Wasserfall hatten wir ein Pärchen aus dem Raum Goslar getroffen, welches mit seinem eigenen Auto unterwegs war. Sie hatten uns erzählt, dass sie das Auto verschifft hätten und nun durch das Land reisen würden. Die Betonung lag auf dem Wort reisen, sie wären keine Touristen. Prinzipiell kann man schon einen Unterschied zwischen Touristen und Reisenden machen, ob es in ihrem Fall passt, kann ich nicht sagen. Sie begegneten uns auf der Strecke von Swasiland zum Krüger Nationalpark, dann in unserem ersten Camp und in unserem zweiten Camp. Es scheint, sie wären mit der gleichen Geschwindigkeit unterwegs wie wir – nur ist ihr Aufenthalt ein wenig länger. Das adelt uns vielleicht auch zu Reisenden oder sie sind auch nur normale Touristen.

Bei der Durchfahrt durch Swasiland bedauerten wir einmal mehr, dass wir nicht genügend Zeit hatten. Leider hatten wir nicht die Zeit, uns wirklich mit dem Land zu beschäftigen. Wir konnten also weder die Show im Cultural Village besuchen, die uns Welcome so ans Herz gelegt hatte, sondern konnten wir Seitenstraßen beachten. Insofern sind unsere Eindrücke von dem Land nur sehr touristische.

Die Fahrt zum Krüger führte uns über Piggs Peak. Die Straße war landschaftlich sehr schön. Ich hätte gern häufiger angehalten, aber das anschauen von Landschaft wurde nicht von jedem goutiert, zum anderen gab es sehr schöne Aussichtspunkte, nur konnte man nicht halten. Da könnte der König, der demnächst einen runden Geburtstag feiert, wie wir diversen Werbeplakaten entnehmen konnten, nochmal ein wenig nachhelfen. Ich verspreche also hoch und heilige, dass wir das nächste mal uns ein wenig mehr Zeit für Swasiland nehmen werden und auch schauen werden, ob unsere Mautgebühr von diesem Mal gut angelegt worden ist.

Eigentlich wähnten wir uns noch auf einem guten Weg durch Swasiland, da war es plötzlich zu Ende. Es kam ein Zaun und das war es. Die Ausreise verlief wie am Schnürchen, so wie man uns hatte hereingelassen, so ließ man uns auch wieder heraus. Die Mitarbeiter der Passkontrolle waren mit einigem Enthusiasmus bei der Arbeit, man hörte sogar jemanden singen. Das hat man auch nicht oft. Auf südafrikanischer Seite ging es auch zügig voran, die finale Kontrolle ersparte sich der Mitarbeiter aber und stand nicht einmal auf, sondern winkte uns von seinem Plastikstuhl aus zu und rief etwas wie »Abgefertig!«. So kann man es natürlich auch machen.

Hinter der Grenze ging es recht geschäftig los, recht viele Geschäfte, viele Menschen, viele Kühe. Die Straße war gut ausgebaut, mit ein paar lästigen Bumps, bevor wir in Richtung unseres Gates abbogen. Kurz vor dem Abbieger sahen wir, dass in unserer Richtung ein richtiges Feuer gemacht wurde, tief schwarz. Da wir gebrannte Kinder sind, war eine Befürchtung, dass mal wieder ein Auto in Brand geraten war und uns nun den Weg blockieren würde. Aber dem war nicht so, es gab eine Überraschung anderer Art erwartete uns: Eine der schlechtesten asphaltierten Straßen Südafrikas, die wir erlebt hatten. Es war teilweise bequemer neben der Straße zu fahren, als auf der Straße. Wenn es die eigene Seite nicht hergab, konnte man die andere Spur verwenden oder den Seitenstreifen der anderen Spur. Die Löcher waren wirklich fies, das selbst hartgesottene Südafrikaner auf der Straße Slalom fuhren. Von weitem sah alles gut aus, aber kurz bevor man sie durchfahren wollte, stellte sich heraus, dass sie wirklich tief und breit waren. Andere Sachen teuflisch aus der Ferne aus, waren aber absolut harmlos. Wie immer durfte auch hier der Autofahrer erst einmal seine Erfahrungen machen, bevor ein Straßenschild ihm die gemachten Erfahrungen bestätigte. Die Straße ist nicht weiter benamt, vielleicht ist sie nur versehentlich gebaut worden und wurde danach vergessen. Das wäre eine Erklärung für ihren erbärmlichen Zustand.

Unsere Einfahrt in den Krüger erfolgte über das Crocodile Bridge Gate. Zur Begrüßung stand ein Elefant bereit, was ich ganz angemessen fand. Zumal ich auf dieser Reise noch keinen gesehen hatte. Unser erstes Ziel war die Lower Sabie Lodge. Dort sollten wir eine der Nächte zubringen. Wir machten uns schnurstracks auf den Weg dahin, aber schon bald standen wir vor der Entscheidung, ob wir die schnelle Route nehmen, die uns die Asphaltstraße mit maximal 50 km/h entlangführen sollte, oder lieber die langsamere Route, bei der wir nur 40 km/h fahren können. Natürlich nimmt man die Route, die langsamer zu befahren ist, weil man der Meinung ist, dann würden sich da mehr Tiere aufhalten. Das ist ein Schluss, der nicht unbedingt stimmt – aber wir waren unseres Tiersuch-Glücks eigener Schmied. Schon bald sahen wir die ersten Zebras, Gretas Lieblingstiere – wer Pferde mag, mag auch Zebras; schließlich handelt es sich bei den Zebras nur um Pferde mit Streifen. Ständig zu sehen bekam man die Impalas und Gnus. Giraffen sahen wir nach meiner Erinnerung auch ein paar.

Dann bekam ich fast einen Herzstillstand und das kam so: Henrik saß neben mir und meinte irgendwann: »Hier quietscht doch was! Was ist das?« Ich lauschte und in dem Augenblick waren nur ein paar Grillen zu hören. »Nein, das muss was anderes sein.« Es folgte der obligatorische Blick nach hinten und Henrik meinte:
»Rüdiger kniet vor dem Auto.«
»Rüdiger tut was?«
Ich bin kein großer Fan davon, wenn man Satzzeichen mehrmals unmittelbar hintereinander verwendet. Das ist mir ein großer Graus, aber die exakte Intonation wäre hier wohl gewesen:
»Rüdiger tut was?!?!?!?!?!«
Der Rückspiegel offenbarte, dass Rüdiger vor dem Auto kniete und Sohn Lennard daneben stand und ihn in seinen suizidalen Absichten unterstützte. Schließlich gibt es zwei Regeln, die für solche Nationalparks gelten. Regel Nummer 1: Steige niemals aus dem Auto aus, außer Du findest Dich auf sicherem Gelände. Regel Nummer 2: Interpretieren Regel Nummer 1 nicht um, wie es Dir gerade passt.

Vor gerade zwei Monaten war davon zu lesen, dass Ranger die Überreste von vermutlich drei Männern gefunden hatten, die bewaffnet und zu Fuß im Krüger unterwegs gewesen waren, und die vermutlich von Löwen getötet und aufgefressen wurden (hoffnungsvollerweise in dieser Reihenfolge). Es ist also gefährlich, sich außerhalb der Wagen aufzuhalten und Freund Rüdiger kniet vor seinem Auto und schert sich im geringsten darum, was in der Umgebung sein könnte, weil das Auto quietscht.

Gut, wir hätten, wenn es weiter gequietscht hätte, keine Tiere mehr an diesem Nachmittag gesehen, aber wie sich herausstellte, reichte es ein wenig mit den Gängen herumzuspielen. Dann ging es normal weiter.

Im Camp bekamen wir recht hübsch gelegene Häuschen. Wir hatten Blick auf den Lower Sabie und konnten die Flusspferde bei ihrem Treiben beobachten. Pünktlich um 18:30 Uhr wurden sie sehr rege und fingen an, miteinander zu spielen und an Land zu gehen. Ein paar Minuten später war es dann dunkel und wir konnten zum Essen gehen.

Das Essen in den staatlichen Camps hatte ich nicht in so guter Erinnerung. Ich fand vor etwa zehn Jahren weder die Qualität sehr berauschend noch fand ich das Personal besonders freundlich. Für Lower Sabie konnte man das nun nicht mehr sagen. Das Essen war sehr schmackhaft, das Personal sehr freundlich und alles ging flott von statten. Wir hatten uns im Shop noch mit zwei Falschen Wein bewaffnet, die unser Kellner für uns in den Kühlschrank tat, während wir aßen, und konnten nach dem Abendessen noch am Fluss dem Grunzen der Flusspferde zuhören. Zwischen uns und den Flusspferden war ein Elektrozaun, so hätte da die Beste aller Ehefrauen nicht so entspannt verweilt, sondern hätte er ein hektisches Verhalten wie ein Impala an den Tag gelegt.

Ein wenig enttäuschend war, dass wir keine Game Drives mehr buchen konnten. Da ist es ein Wettbewerbsnachteil, wenn man mit einer Gruppe von sieben Leuten unterwegs ist und es ist wohl empfehlenswert, solche Aktivitäten vorher fest reservieren. Wieder etwas dazugelernt. Wir hatten immerhin für den Folgeabend noch einen Night Drive buchen können, der vom nächsten Camp aus starten würde.

So fuhren wir am nächsten Morgen um halb sechs Uhr wieder los. Erst einmal sahen wir lange Zeit nichts, dann eine ganze Reihe von Zebras und sogar ein Nashorn, das sich aber von uns wegbewegte. Wir kamen schon zufrieden ins Camp zurück, frühstückten, duschten und machten uns dann auf den Weg zum nächsten Camp – Skukuza. Wir hatten auf der Karte uns die Aktivitäten angeschaut und die meisten Löwen- und Leopard-Bewegungen waren haargenau auf unserer Strecke zu verzeichnen gewesen.

Kaum waren wir aus Lower Sabie heraus, hielten wir an einem Wasserloch. Da gab es nicht so viel zu sehen. Interessanter war schon, dass ein Fahrer neben uns hielt und mitteilte, dass nur wenig weiter erst ein Leopard und dann Löwen zu sehen wären. Fuß auf Gas und nichts wie hin, war die Devise. Vor dem Leopard hatte sich schon eine kleine Schlange gebildet. Ein wenig schwierig war es vor allem deshalb, weil zwar alle Leute in eine Richtung schauten, fotografierten und filmten, das aber immer noch kein Garant dafür war, dass man den Leopard entdeckte. Der lag nämlich friedlich unter einem Busch und machte keine Anstalten, sich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Warum sollte er auch, wenn es draußen 33° Celsius sind.

Der Trubel um den Leoparden war aber gar nichts. Der nächste Stopp waren die Löwen. Hier hatte sich ein regelrechter Verkehrsstau gebildet. In zwei Reihen standen die Wagen, hintereinander, durcheinander und die, die einmal vorne standen, hatten es schwer, wieder wegzukommen, weil da die Nachrücker aus beiden Richtungen waren. Aber die Löwen hatten sich schön in der Nähe der Straße platziert und wollten auch gar nicht weg. Sie hatten es schattig und ließen sich entspannt von hunderten von Leuten fotografieren.

Der Vormittag war sehr erfolgreich. An einem Rastplatz konnten wir einer Frau stolz berichten, dass wir die Big Five schon gesehen hätten:
»Wirklich?«
»Ja.«
»Das ist ja schön? An wie vielen Tagen?«
»Heute Vormittag«‹
»Wirklich?«

Wir waren waren schon Glückspilze, diesen Glück hat sicher nicht jeder. Die Frau hatte zum Beispiel kein Glück gehabt. Sie wollte mit ihrem Mann ein Picknick machen und in einem unaufmerksamen Augenblick, eilte ein Affe herbei, griff sich die Packung mit dem Brot und verschwand. Die Affen rannten damit nicht weit, sondern packten es aus und kauten der Frau und uns was vor. Unzufrieden wirkten sie dabei nicht.

Recht entspannt und sehr glücklich kamen indes wir in Skukuza an. Die Besatzung aus Wagen 2 wollte eine Pause einlegen, die unverdrossene Besetzung von Nummer 1 machte sich gleich wieder auf den Weg. Es gab Elefanten-Kontakt, wir sahen einen Nyala und machten die Bekanntschaft mit einem störrischen Kap-Büffel. Der stand auf einer schmalen Brücke vor einem Auto und wollte nicht Platz machen. So ging es weder vorwärts noch zurück. Eine Frau wagte es sich dann, mit ihrem Kleinwagen dem Büffel ein wenig Feuer unter dem Hintern zu machen, in dem sie auf ihn zuhielt. Ich glaube, dass der Büffel an dem Tag gut gelaunt war, denn nach ein wenig überlegen, entschied er sich, den Weg freizumachen.

Pünktlich zum Abendbrot waren wir im Camp. Die Mehrheit des Trupps zeigte seine Vorliebe für Steaks, nur Iris nahm sich der Nudeln an und Greta hatte ein halbes Kilo Spareribs geordert. Dann holten wir unser warmes Zeug, denn wir nahmen zurecht an, dass wir das beim Night Drive benötigten würden. Um acht Uhr saßen wir in den Safari-Wagen und machten es uns bequem. Es war keine gute Idee, sich nach ganz hinten zu setzen. Wer da saß, wurde dazu verdonnert, zwei Stunden lang Spots zu halten und von hinten die Seiten auszuleuchten. Das man dafür im Jahre 2018 noch keine andere Lösung gefunden hat, die zumindest ein wenig komfortabler ist, dafür habe ich kein Verständnis. Eine simple Halterung würde schon genügen, aus der man den Spot herausnehmen kann, wenn er denn benötigt wird. Meine Begeisterung hält sich also sehr in Grenzen und wurde nur durch gemildert, dass wir auf der Straße auf drei Löwen trafen, die dort schliefen. Von »gefunden« kann man im Zweifelsfall noch sprechen, von »aufgespürt« kann allerdings nicht die Rede sein. Die Drei brauchten wahrscheinlich ihre Ruhe, aber wir hielten sie vom Schlafen ab. Ihren Unmut und Unwillen äußerten sie nicht, in dem sie laut protestierten. Vielleicht haben sie ja schon die Erfahrung gemacht, dass uns das noch mehr »anmacht« und üben sich nun nur noch im stillen Protest und zivilen Ungehorsam, in dem sie die Straße etwas hinuntergingen. Nicht, dass ihnen das geholfen hätte – wir folgten ihnen. Es waren unsere Löwen!

Um zehn Uhr waren wir zurück im Camp und fielen sogleich in unsere Betten. Wir sollten am nächsten Tag den Krüger wieder verlassen, waren aber ein wenig uneins über die zu wählende Route: Ich hatte irgendwann mal eine Route durch den Krüger Nationalpark ausgekundschaftet, die uns über das Orpen Gate geführt hätte. Der Vorteil wäre die Besichtigung vieler Tiere gewesen, der entscheidende Nachteil jedoch, dass wir keine Frühstücksgelegenheit hatten. Die Restcamps auf dem Weg waren spärlich gesät. Es wurde ein späteres Aufstehen und gemütliches Frühstück vorgezogen. Da gab es noch ein wenig Diskussion, ob man nun eine längere Strecke durch den Park fährt oder eine kürzere. Die Mehrheit entschied für die kürzere, um bequem im nächsten Camp ankommen zu können. Henrik war ein wenig unglücklich mit dieser Entscheidung, und versprach uns, dies auf jeden Fall vorzuhalten, wenn wir zu früh im nächsten Camp ankommen würden. Damit konnten wir erst einmal leben, zumal sich Henrichs Unmut spätestens am nächsten Morgen gelegt haben dürfte, nachdem wir das Wetter sahen: bedeckt und später regnerisch. Safari und Regen macht auch nicht so viel Spaß.

Von der Fahrt zu unserem nächsten Camp welches im Timbavati Game Reserve lag gibt es dreierlei Interessantes zu berichten: Die Bonbons, die wir für Notfälle mitgenommen haben, bei denen uns Kinder um Süßigkeiten anbetteln, haben wir bald alle selbst aufgelutscht. Wir sind auf eine neue interessante Variante von Bumps gestoßen, die offenbar von Einwohnern selbst gebaut worden sind (immer diese Bürgerinitiativen!), die es nichtsdestotrotz aber in sich hatten. Letztlich standen wir an der Tankstelle nach Diesel an, wobei uns eine Wartezeit von fünf Minuten versprochen wurde, es sich aber herausstellte, dass sich das nicht an der offiziellen Zeitrechnung orientierte, sondern die afrikanische Variante war. In der Zeit fand ich dann heraus, dass die Tankwart-Frau sich sehr über ihren Job freute, nachdem sie viele Jahre zuvor arbeitslos war, mit ihren Eltern, ihrer Schwester und ihrem Kind in einem Haus zusammenwohnte, kein Afrikaans sprach (was in der Kommunikation mit mir ihr nicht zum Nachteil gereichte) und sie Süßigkeiten mochte, wovon wir ja noch reichlich hatten und gleich mal abgeben konnten.

Unsere Lodge – die Simbavati River Lodge – erlegt uns einen strengen Zeitplan auf. Wir kamen um kurz vor halb drei Uhr dort an und das hieß, wir wurden zum Lunch gebeten. Es war nicht viel, aber alles sehr, sehr schmackhaft. Auch die Spinat-Quiche soll sehr lecker gewesen sein und nachdem Greta und ich die Ananas aus dem Nachtisch herausgeholt hatten, hatten wir auch Spaß an der. Es war ein wenig stressig, denn um halb vier Uhr sollte es schon High tea geben. Dieser zeichnete sich dadurch aus, dass es Kaffee und Tee gab. Zusätzlich wurde Kuchen gereicht. Da wir gerade vom Lunch aufgestanden waren, war es mir unmöglich, auch nur ein Stück von dem so verführerisch aussehenden Schokoladenkuchen zu nehmen. Es war wirklich ein Elend! Aber während der anschließenden Safari sollte es noch einen kleinen Snack geben, auf dass wir auf keinen Fall verhungern.

Unser Trupp hat seinen eigenen Safari-Wagen mit einer Führerin, deren Namen ich leider gerade vergessen habe und einen Tracker, dessen Namen ich auch vergessen habe. Zum besseren Verständnis des Dilemmas: Es gibt auch noch eine Gäste-Chefin, deren Namen ich hätte mir merken müssen und uns stellte sich ein Mann vor, der sich als unser Butler bezeichnete. Da auch dieser einen Namen jenseits von »John« und »James« hat, passe ich bei dieser Gelegenheit und benenne sie einfach nach ihren Tätigkeiten. Vorneweg aber eines: Ein jeder ist fantastisch und wir sind absolut begeistert von jedem hier, den wir in dieser Lodge kennengelernt haben. Das gilt eigentlich für alle, die sich während dieser Reise um uns gekümmert haben, aber hier wurde noch mal eine Schippe draufgelegt.

Der Game Drive begann und wir waren noch keine zehn Minuten unterwegs, da ging es über Funk los. Man hätte Wildhunde entdeckt. Es war wie eine Jagd. Schließlich erspähten wir die Hunde, die gerade ihre Fitness-Stunde absolvierten. Das heißt, sie waren einfach nur unterwegs und nicht dabei, etwas aktiv zu jagen. Eine zeitlang folgten wir ihnen noch, dann verloren wir unserer Interesse an ihnen. Unsere Führerin war absolut begeistert von ihnen und erzählte uns auch, dass die Wildhunde manchmal für Wochen nicht zu sehen sind. Sie haben ein riesiges Aktionsgebiet und würden nur hin und wieder mal im Reserve vorbeischauen. Sehr viele gibt es von den Tieren nicht mehr. Sie sprach von 600 Exemplaren weltweit. Ich hoffe mal, dass die Zahlen in der Wikipedia ein wenig mehr recht haben, danach wären es über 3000 Exemplare.

Faszinierende Exemplare, die wir heute auf der Morgen-Safari nochmals beobachten durften. Da waren sie erst im Exkursionsmodus und streunten durch die Gegend. Die jungen Hunde spielten miteinander und auch die älteren Exemplare waren mit Freizeit-Aktivitäten beschäftigt, zum Beispiel an Zweigen herumkauen. Wie aus dem Nichts fingen sie aber an loszupesen und jagden ein Impala. Wie es für das Impala ausgegangen ist, weiß ich nicht. Die Chancen standen aber nicht sehr gut, denn ich las, das neun von zehn Jagden erfolgreich ausgehen würden.

Das ist eine Quote, von der Löwen wohl nur träumen können. Auf diese trafen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Neun Exemplare lagen in der Savanne und ließen es sich gut gehen. Zur allgemeinen Freude zeigten sie auch ein wenig Bewegung, auch wenn sie nur von einem Platz zum anderen gingen. Ansonsten gab es auf den beiden Safaris den »üblichen« Safari-Krams zu sehen: Elefanten und Giraffen, Krokodile und Flusspferde. Wir sind also durchaus ein einem glücksseligen Zustand.

Eine Beobachtung am Rande: Jedes Mal, wenn wir hier einen großen Vogel betrachten, kommen Hyänen vorbei. Sie haben aber entweder etwas dringendes vor und waren auf der Flucht vor Wildhunden, haben wir keine Aufnahmen, die sie in einem ruhenden Zustand zeigen.

Schon am Nachmittag hatten wir gesehen, dass abends gegrillt werden sollte und das war es gab, half uns auch darüber hinweg, zu vergessen, dass wir soweit von zu Hause entfernt sind. Die südafrikanische Vorliebe für Spinat bleibt mir zwar ein Rätsel, aber es gab jede andere Speisen, auf die ich ausweichen konnte.

Nun ist unsere Pause schon wieder vorbei und ich muss mich auf den Weg machen, um die Reisegefährten beim Lunch zu treffen. Mal schauen was es gibt: Wir haben uns der Natur hier angepasst, in der es hauptsächlich um essen und schlafen geht. Naja, und um Safaris.

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Leere Parolen https://www.terra-gallus.de/2018/10/leere-parolen/ Wed, 10 Oct 2018 20:28:52 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8526 Vorgestern Abend nach dem Essen ging es in Richtung Zelte. Aus einer Laune heraus meinte ich, dass Simon der Nachtwächter, den es wirklich gibt, die Leute, denen er nachts begegnet, eine Parole abverlangen würde. Inspiriert war ich in dem Augenblick den Klinger aus M*A*S*H. Die Parole würde für die Nacht »Basement« lauten. Während die Beste aller Ehefrauen das als Quatsch bezeichnete, schien ein Teil der Gruppe dies jedoch zu glauben.

Gestern hingen wir nach einem leckeren Dinner, um es nicht überragend und würdig für unser Bergfest zu nennen, noch an der Bar herum und unterhielten uns über dieses und jenes. Um neun Uhr zog es uns in Richtung Zelt. Ich ging noch kurz nach hinten, zu unserem Barkeeper/Aufpasser und verabschiedete mich von ihm. Auf den Weg zu den Zelten fragte Greta:

»Wie lautet die Parole?«
Da mir nichts besseres einfiel antwortete ich:
»Bekanntschaft?«
»Auf Deutsch?“
»Ja.«
»Ist ja cool.«

Ich will nichts sagen, aber im Zelt angekommen, mussten wir erst einmal eine Runde lachen. Wie heißt es in solchen Fällen treffend: »Bazinga!«

Die gleiche Frau, die uns morgens das Frühstück brachte, brachte uns auch das Essen zum Lunch und abends das Dinner. Damit war sie mindestens dreizehn Stunden im Camp, was ich schon recht beachtlich finde. Hoffentlich hat sie nicht so einen langen Weg nach Hause, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie sich nachdem die Küche gemacht ist, ins Auto setzt und mal kurz nach Hause fährt. Oder so zwischendurch. Wir hatten sie heute morgen aber gefragt, wie ihre Arbeitszeiten wären und sie sagte, jeden Tag in der Woche, so wie wir es gesehen hätten, mit Ausnahme von Ferien.

Vermutlich geht es an Tagen, an denen keine Gäste im Camp sind, auch mal früher nach Hause. Das wäre dann zum Beispiel heute gewesen, da wir abreisten und die neuen Gäste in der Lodge erst morgen eintreffen.

Der Barkeeper ist auch so eine Type. Mal steht er an der Bar und serviert uns die Drinks, mal serviert er Essen und wahrscheinlich hat er hundert andere Aufgaben noch oben drauf. Erwiesenermaßen gehört das Füttern der Katzen des Besitzers, die seit gestern durch das Camp streuen, mit zu seinem Aufgabenbereich. Er sprach mit einer von ihnen und sie folgten ihm wie ein Hund. Das Geheimnis war Katzenfutter, wie bei jeder gesunden Katze das gehorsamssteigernde Mittel Futter ist. Danach waren wieder alle Luft für sie, sie lag auf der Bar und leckte mit einigem Genuss ihre Geschlechtsteile.

Der Barkeeper fing gestern Abend an zu erzählen, wie das so ist mit den Tonga (den Menschen, die hier am Meer leben), den Zulu und den Leuten aus Swasiland. Eigentlich will sein Volk nur seine Ruhe haben, in Frieden Leben und Fisch fangen. Die Zulus, die zahlenmäßig auch viel mehr sind, und die Swazi-People wären Unruhegeister, seien auf Kampf und Krieg aus. Ich hatte mal gefragt, wie viele seinem Volk angehören, das konnte er uns nicht sagen. Aber es wären nicht so viele.

Da es mich so beeindruckte, hatte ich über die bananenstücktransportierenden Ameisen berichtet. Als Iris und Rüdiger vorgestern zurück in ihrem Zelt waren, trafen sie Eindringlinge an, die sie als Schaben identifizierten, und mit denen sie nicht zusammen nächtigen wollten. Ihre Lösung war rabiat und final für die Schaben. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurden zwei der Gesellen entsorgt, eine dritte wurde aber später von Iris in Großwildjäger-Manier erlegt und aufgrund der fortgeschrittenen Stunde an Ort und Stelle belassen. Nach dem Aufstehen am nächsten Morgen stellten die Beiden fest, dass die Schabe verschwunden war. Einfach weg. Beim Verlassen des Zeltes jedoch, eine geraume Zeit später, sahen sie einen Trupp von Ameisen, der den Kadaver aus ihrem Zelt über die Terrasse hinweg transportierte. Wenn das mal kein Service ist.

Apropos Service: Wir bekamen heute morgen noch ein Lunchpaket mit auf den Weg. Das fand ich eine nette Geste, denn zum normalen Umfang des Service gehörte das nicht. Zumindest hat das bisher keine Lodge gemacht. Also auch bei dieser Unterkunft können wir nur wieder Komplimente verteilen.

Wir starteten kurz vor neun Uhr von der Lodge in Richtung Swasiland. Unser Navi schlug uns durch die Bank der interessante Varianten am Anfang vor. Direkt hinter der Lodge sollten wir in Richtung Mosambique abbiegen. Wir probierten es nicht aus. Auf der Hauptstraße meinte es, wie sollen in 9,8 Kilometern abbiegen. Ich meinte zu Henrick, das wäre ja wieder in Richtung Kosi Bay Lodge und wir würden das Personal dort sicher sehr überraschen, wenn wir drei Tage hintereinander dort auftauchen würden. Die Freude wäre sicher groß und wir könnten sie auch noch verwirren, wenn wir fragen, ob es denn hier nach Swasiland ginge. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Abfahrt eine ganz andere war, die aber unserer Meinung kompletter Unsinn war und ins Nirgendwo führen würde.

In Manguzi versorgten wir uns mit dem obligatorischen Wasser. Das Personal war ein wenig gefordert, als wir Sonnencreme suchten. Häufig nachgefragt, wird es wohl nicht. Sie hatten es auch nicht da und fündig wurden wir erst in einem zweiten Supermarkt. In der Stadt, die an die 7.000 Einwohner hat, geht es sehr geschäftig zu. Zu den vielen Geschäften gesellen sich diverse Marktstände, an denen die verschiedensten Sachen verkauft werden. Beim Tanken ging es zu, wie zu der Zeit, als die Benzinpreise bei uns das erste Mal nach oben schnellten und die Leute da tankten, wo es zwei Cent günstiger war. Da meinte ich eine gute Schlange erwischt zu haben, da stellte sich heraus, dass nicht nur der Wagen betankt werden sollte, sondern auch noch fünf große Kanister. Die Operation wird immer vom Tankwart durchgeführt. Ich sprach ihn darauf an, dass es ja ordentlich voll wäre und er meinte, dass das den ganzen Tag so ginge. Manguzi hätte nur zwei Tankstellen und sie hätten viel Arbeit und er wäre abends immer müde.

Die Strecke zog sich. Abwechslung bot sich nur durch Varianten von Schlaglöchern, die aber eigentlich eher plötzlich und unverhofft auftauchten, durch Kühe an und auf der Straße und später durch Kinder.

Der Reihe nach: Wir fuhren einen großen Teil auf der Route 22. Die Straße war ziemlich in Ordnung und Schlaglöcher gab es eigentlich immer nur dann, wenn wir uns gegenseitig erzählten, wie gut die Straße sei. Wir nahmen das dann mit Bedauern zurück, danach war die Straße auch wieder bestens. Kühe waren ein ganz eigenes Thema: Sie grasen am Straßenrand und das meistens ohne jedwede Aufsicht. Ich weiß nicht, ob man einfach so eine Kuh mitnehmen kann. Vermutlich würde das doch Aufmerksamkeit erregen. Kühen sagt man einiges nach, Umsicht im Straßenverkehr gehört aber nicht zu ihren Kerntugenden. Deshalb steht sie manchmal ganz, machmal auch nur mit einem Teil ihres Körpers auf der Straße und ist einfach nur Kuh. Hin und wieder kommt es ihr in den Sinn, die Straßenseite zu wechseln. Als. Autofahrer sollte man den Straßenrand im Auge behalten und bei Kühen skeptisch sein, die mit erhobenen Kopf herum trotten. So lange sie den Kopf unten haben und mit Gras beschäftigt sind, ist ihr Gefahrenpotential gering.

Die Einfahrt nach Swasiland verlief ohne Probleme. Bei der Ausreise hatten wir eine kleine Reisegruppe vor uns, weshalb es eine wenig zäh verlief. Nach uns liefen aber zwei Busse ein, von daher können wir von Glück sprechen, dass wir die vorher überholt hatten. Noch zügiger ging es – ganz überraschenderweise – bei der Einreise. Da wurden wir gefragt, wo wir denn nächtigen würden – eine Frage, die die Mitglieder des Wagens 1 falsch beantworteten, da ich unserer ursprünglichen Swasiland-Lodge noch verhaftet war, aber eigentlich ist es wohl völlig egal. Geprüft wird es bei der Einreise nicht. Dann hat man noch eine Gebühr für die Straßennutzung zu bezahlen und da hoffen wir mal, dass sie unseren kleinen Obolus von 50 Rand gut anlegen.

Damit wären wir dann bei der dritten Abwechslung, den Kindern. Die waren zahlreich am Straßenrand vertreten. Während die Autos mit 100 km/h an ihnen vorbeirauschen, haben sie diszipliniert am Straßenrand zu gehen. Es mag noch andere Widrigkeiten in ihrem Leben geben, aber wenn sie an einer Straße zur Schule zu gehen haben, dürfte das die Gefahr Nummer 1 sein.

Schon die südafrikanischen Fahrer warten mit Qualitäten aus, die bei uns zu einem sofortigen Führerscheinentzug führen würden. Aber die Nachbarn aus Swasiland sind manchmal noch wenig schärfer unterwegs: An sogenannten Zebrastreifen wird nicht einmal gehalten, wenn ein Wagen auf der entgegengesetzten Richtung schon steht, um beispielsweise Kinder herüberzulassen. Vor Schulen, an denen es schon störende Huckel zur Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, wird noch überholt – natürlich mit einem Affenzahn. Ohne zu Blinken biegen Fahrer aus der entgegengesetzten Richtung vor einem schräg über die Straße ab.

Wie für Südafrika gilt auch für Swasiland: So ganz klar ist die Verkehrsbeschilderung nicht, gerade was Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht. Da wird ein »60«-Schild aufgestellt und nie aufgehoben. Irgendwann kommt dann ein »80«-Schild, was eigentlich die Einleitung des Herunterbremsens darstellen soll, gefolgt von einem »60«-Schild und man fragt sich, ab wann hätte man denn schneller fahren dürfen. Nicht, dass wir wirklich die ganze Zeit 60 km/h gefahren wären – da käme man ja nie an, aber es ist halt nicht ganz so klar beschildert oder geregelt, wie man es aus dem Heimatdorf kennt.

Um vier Uhr nachmittags waren wir in unserem Hotel in Swasiland. Der Rezeptionist in unserem Hotel heißt »Welcome«. Ich dachte erst, er macht Scherze, aber er heißt wohl wirklich so. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob die Eltern einen sehr merkwürdigen Humor haben oder ob es in Swasiland vielleicht möglich oder nötig ist, als Rezeptionist in einem Hotel, so etwas als Künstlernamen zu tragen. Hilfreich und nett war er in jedem Fall.

Die Zimmer und insbesondere die Bäder in dem Hotel sind sehr schön. Ich werde die Badewanne zwar auch dieses Mal nicht nutzen können, aber auch die Dusche macht einen großartigen Eindruck. Hinter dem Hotel befindet sich ein Garten, der wunderschön angelegt ist. Wenn man bereit ist ein wenig zu klettern, befindet man letztlich an einem kleinen Bach. Ein Brückchen führt über diesen und man kann dahinter wahrscheinlich auch weitergehen. Gerade als ich ihn überqueren wollte, zappelte es über mir im Baum und ich war abgelenkt. Affen waren unterwegs und ich war dann erst einmal mit diesen beschäftigt, vergaß den Bach und die Brücke ins Unbekannte.

Zwei Stunden sollten es noch bis zur Dämmerung sein. Mit großartigen Aktivitäten konnte man da nicht mehr aufwarten. Henrik schlug den Besuch einen hiesigen Wasserfalls vor. Welcome sagte uns, dass er ganz in der Nähe wäre und beschrieb uns den Weg. Das Personal ließ uns noch herein, war aber ein wenig verwirrt, um welche Zeit wir da noch hereinwollen. Den Mantenga-Wasserfall kann man aber gut mit dem Auto erreichen. Es gibt einen Parkplatz in der Nähe und von dort kommt man gut zu dem Platz, von dem man aus ihn sehen kann. Es wäre schön, wenn man noch näher herankommen könnte. Aber das war leider nicht möglich. War auch so schön – unser erster Wasserfall in diesem Urlaub.

Das Abendessen absolvierten wir dann in einem chinesischen Restaurant. Es war das erste Mal, dass ich in einem chinesischen Restaurant gegessen habe und keinen, aber überhaupt gar keinen Chinesen (oder Vietnamesen) im Personal entdecken konnte. Das Essen war gut und lecker, auch wenn einige Gerichte ziemlich lang brauchten und auch noch falsch geliefert wurden.

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Zum zweiten Mal verfehlt https://www.terra-gallus.de/2018/10/8522/ Tue, 09 Oct 2018 16:50:37 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8522 Es gibt ein paar Regeln in der Utshwayelo Lodge: Einige kann man ganz gut verstehen, wie zum Beispiel die, die auf das Sparen von Wasser und Strom abzielen; andere sind ein wenig mysteriös. So steht im Lodge-Leitfaden, dass es Wifi nur zwischen 17.00 und 18.00 Uhr an der Bar gäbe. Das Personal legt das ein wenig weiter aus und so hat man Internetzugang bis 22.00 Uhr. Wenn man denn Zugang zum Internet erlangt. Ganz einfach ist es nicht, da die Leitung recht dürftig ist. Letztlich kann man froh sein, dass man überhaupt Zugang zum weltweiten Netz hat.

Heute war ausschlafen angesagt. Wir standen also um halb sieben Uhr auf und bekamen um halb acht Uhr unser Frühstück in der Bar. Der eigentliche Weck-Prozess fand aber sehr viel früher statt. Erst meldeten sich die Hähne, die aber etwa vier Uhr aktiv waren. Danach produzierte sich ein Vogel mit einem solch enervierenden Geräusch, das sich später mal nachreichen werde, bei dem er recht leise beginnt und dann immer lauter wird, bevor er abrupt aufhört. Es ist ein Geräusch, kein Gesang, insofern ziemlich weit entfernt von »schön«. Ich überlege, ihn in Zukunft als Weck-Ton zu verwenden und später zu vermarkten.

Da wir zeitiger beim Frühstück waren, begnügten wir uns erst einmal mit Joghurt und Obst, später gab es dann die obligatorischen Eier und wer wollte natürlich auch Speck und Tomate, allerdings keine Würstchen. Die hatten wir gestern Abend zum Dinner gehabt, wo es Kartoffelbrei mit Gemüse, Lamm und Rindswurst gab. Klar, dass die Jungs nicht den Eindruck vermittelten, sie wären richtig satt. Aber nach heute Abend stehen wieder andere Zeiten an.

Enock, der Manager hier, erklärte uns den Weg zu unserem Weg. Dabei kam es zu einem folgenschweren Missverständnis: Er zeigte uns den Weg auf einer Karte und ich schaute auf die und meinte: »Kosi Bay Lodge? Da waren wir gestern ja schon gewesen.« Große Lacher. Hihi, haha! »Dann ist es ja ganz einfach, wenn ihr schon da gewesen seit.« Wir freuten uns, da es so kompliziert damit nicht werden würden. Fuhren dahin und die Beste aller Ehefrauen meinte auf dem Weg, wir müssten doch zum Camp. Camp oder Loge? Oder ist es das Gleiche. Schwierig zu beantworten, da vom Camp nirgendwo mehr die Rede war auf den Schildern. So kamen wir bei der Kosi Bay Lodge an, fuhren zu der Rezeption, begegneten den gleichen Gesichtern und erzeugten den gleichen verwirrten Gesichtsausdruck wie am Vortag, als wir behaupteten, die hätten eine Bootstour gebucht.

Hatten wir nicht und uns war schnell klar, dass es nicht an dem Management der Kosi Bay Lodge lag, dass das verschütt gegangen war, sondern an uns. Erneut hörten wir den Satz, dass wir uns wohl verfahren hätten.

Also wieder zurück und zwar vier Kilometer eine sehr, sehr zweifelhafte Piste. Da wussten wir noch nicht, dass die vier Kilometer, die war dann noch zu fahren hatten, einen noch zweifelhafteren Ruf haben würde. Von unterwegs rief die Beste aller Ehefrauen Ian, den Kapitän, an und teilte ihm mit, dass wir ein wenig verloren gegangen wären, nun aber auf dem Weg wären. Ob es nun der richtige ist, dass konnte sie nicht sagen, aber ihre Aussage hinsichtlich unserer wahrscheinlichen Ankunft war eine vertriebliche: Zehn Minuten. Nie im Leben, das wusste ich sofort, das war die Zeit, zu der wir es vielleicht bis zum Abzweiger schaffen würden. Wenn wir denn flott fahren würden. Was wir aber nicht konnten, da vor uns ein langsamer Vertriebsmitarbeiter unterwegs war, den wir in der Lodge schon gesehen hatte und der kein 4x4-Fahrzeug fuhr und insofern die Strecke mit Achtsamkeit absolvieren musste.

Mit etwa einer Stunde Verspätung kamen wir am Anleger an. Ian war uns schon entgegen gefahren, weil er große Zweifel hatte, ob wir es schaffen würden. Das war sehr nett, aber wenn wir erst einmal auf dem richtigen Weg sind, dann kommen wir auch an.

Nach einer kleinen Einführung die Kosi Bay-Region ging es auf das Boot und über die Seen. Das Wasser war kristallklar. Man konnte an einigen Stellen Fische bzw. Fisch-Schwärme sehen. Recht oft sahen wir die Fallen, die die Einheimischen den Fischen stellen. Die Technik ist schon seit Jahrhunderten die gleiche und wurde von den frühen portugiesischen Kolonialisten bezeugt. Die Einheimischen sagen, dass sie schon viel länger so Fische fangen würden.

Flamingos waren noch »angekündigt«, allerdings waren sie nicht anwesend. Kingfisher waren jedoch häufiger zu sehen. Obligatorisch sind Flusspferde. Von denen hatten wir diesmal drei oder vier. Eines war recht genervt von unserem Boot (das ist jetzt die negative Interpretation) oder hatte Lust mit uns zu spielen (das ist die positive Interpreation) und schwamm unserem Boot hinterher. Es hat schon etwas beunruhigendes, wenn ein schwarzer Fleck hinter einem hinterher schwimmt. Man kann seine genauen Absichten nicht ergründen. Aber Ian war gelassen, so blieben wir es auch. Irgendwann dreht er am, wir gingen ein wenig weiter weg an Land und genossen die Gegend.

Pünktlich waren wir zum Lunch hier. Es gab eine Art Lasagne, die wir in Nullkommanix verputzten.

Am Nachmittag war Schnorcheln angesagt. Enock fuhr uns mit dem Wagen an die Küste und dort waren wir allein. Wir hatten die Sachen zum Schnorcheln von der Lodge bekommen und die Jugend einschließlich Rüdigers stürzten sich in die Fluten. Der Spot war einmalig. Auf der einen Seite hatte man den Indischen Ozean, auf der anderen Seite hatte man einen Salzsee, in dem exotische Tiere zu erschnorcheln waren. Mein Ding ist das Schnorcheln nicht, ich habe mich lieber an den Wellen auf der anderen Seite erfreut. Aber auf die Aufnahmen einer »Fischwand«, wie von den Schnorchlern beschrieben, freue ich mich natürlich und hoffe, dass sie etwas geworden sind.

Am Strand waren wir fast allein. In der Ferne gab es zwei, drei Leute, die angelten oder irgendetwas suchten. Genau konnte ich das nicht sagen. Gut möglich auch, dass es Personal vom Nationalpark war. Es war einfach zu weit weg. Ansonsten waren nur wir dort.

Enock holte uns dann auch wieder ab und sind wir im Camp. Ich hoffe den Bericht noch ins Internet loszuwerden und dann geht es morgen früh in Richtung Swaziland, das ja nicht mehr so heißt…

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Ameisentransport https://www.terra-gallus.de/2018/10/ameisentransport/ Mon, 08 Oct 2018 18:47:47 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8520 Irgendwer musste genascht haben. Wir waren es nicht. Aber irgendwer hat genascht. Es gab einen Beweis. Eine Bande von Ameisen war, als wir von unserer Orientierungstour zurückkamen, damit beschäftigt, ein Stückchen Banane aus dem Zimmer zu verschleppen. Eine Nachhut kümmerte sich um den Bereich, wo die Banane wohl fallengelassen wurde und musste enttäuscht feststellen, dass es da nichts zu holen gab. Die Schokolade auf dem Tischchen, die wir heute im Auto als Wegzerrung hatten, hatte die Ameisenbande noch nicht entdeckt. Nun galt es eine Entscheidung zu treffen. Entweder überlässt man die karamellgefüllte Schokolade den Ameisen oder man betätigt sich als Spielverderber. Lange brauchten wir nicht für’s überlegen. Wenn die Ameisen schon Banane hatten, warum sollten sie auch noch Schokolade bekommen.

Rätselhaft bleibt, wo sie damit hinwollten. Aber vielleicht haben sie einen geheimen Zugang und nutzen ihn als Ein- und Ausgang aus dem Zelt. Es ist wohl das einzige Mal in diesem Urlaub, dass wir in einem Zelt untergebracht sind und es ist ganz nett. Wir haben drei Räume: Ein Wohn- und Schlafzimmer, ein Waschzimmer mit separierter Toilette und außen könne wir duschen. Wirklich eine schöne, runde Sache.

Wir sind mittlerweile an unserer fünften Station angekommen – Kosi Bay.

Wer den gestrigen Bericht gelesen hat, dem ist nicht entgangen, dass ich wenig beizutragen habe zu den Ereignissen des letzten Tages. Mit Ausnahme meiner Wenigkeit waren alle auf Safari gewesen. Um fünf Uhr sind sie aufgebrochen und haben sich den ganzen Tag in einem Nationalpark herumgetrieben, der sich Hluhluwe Imfolozi Park nennt. Ich ahnte schon am Nachmittag, dass es den Herrschaften ganz gut gefallen haben muss, schließlich kamen und kamen sie nicht zurück. Erst nach Einbruch der Dunkelheit waren sie wieder da und berichteten von ihren Erlebnissen: Alles hätten sie gesehen, erzählten sie. »Alles?« fragte ich.

»Ja, alles.«
»Auch Löwen.«

»Nein, die nicht.«

So viel Glück kann man ja auch nicht haben.

»Aber Leoparden?«
»Nein, die auch nicht. Also alles, außer die Großkatzen.«
»Schakale? Hyänen?«

»Die auch nicht.«

»Aber Elefanten und Giraffen.«

Da freue ich mich schon auf die Bilder, zumal die Giraffe sich auch trinken produziert haben soll. Das ist sicher eine spannender Anblick.

Das Restaurant, was wir uns ausgesucht hatten, war nicht mehr drin. Da hätte man noch spazieren gehen müssen und Flusspferde wolle doch niemand wirklich sehen, es wäre ja auch viel zu dunkel. So spazierten wir «in die Stadt«, was so viel heißt, wie zur Haupt-Restaurant-Straße von St. Lucia. Dort landeten wir im »Ocean Basket«, dem Bruder-Restaurant vom »Braza«, in dem wir schon waren und von dem wir sehr begeistert waren. Das Essen war top in dem Restaurant, mit der Schnelligkeit war es nicht ganz so prickelnd. Es war eine müde Truppe, mit der kaum etwas anzufangen war. Den meisten Esprit zeigte noch Henrik und das will schon was heißen.

Die gute Nachricht war: Nun, das die Reisekollegen an das frühe Aufstehen gewöhnt waren, sollte man sie nicht aus dem Takt bringen. Heute morgen ging es gleich wieder los: Um zwanzig nach fünf Uhr brachen wir auf, um zum Whale Watching zu laufen. Pünktlich waren wir bei der Anlaufstelle, gaben die Kontaktperson bekannt, die informiert werden sollte, falls wir ertranken oder von einem Wal oder Hai gefressen würden und dann ging es mit dem Traktor zum Strand.

Es war ein recht kleines Boot, das mit den zwölf Personen – einschließlich des Kapitäns – gut gefüllt war. Mehr Leute hätten schwerlich Platz gehabt. Wir kletterten in das Boot, wurden mit Regenjacke und Schwimmweste versorgt, nahmen die warnenden Worte des Kapitäns zur Kenntnis und auch die Information zur Kenntnis, dass es keine Herausforderung wäre Wale vor die Linse zu bekommen oder zu überleben, die Hauptherausforderung wäre, trocken wieder zukommen. Dann schob uns ein Traktor ins Meer und im rechten Moment düste das Boot los. »Düsen« ist das richtige Wort, denn wir stoben in »Miami Vice«-Manier über das Wasser. Der Kapitän nahm nicht jede Welle, die er sah, sondern umfuhr die Wellen, die ihm nicht gefielen und suchte sich die passenden Lücken. Es war sehr beeindruckend und für Landratten wie uns, ein Wahnsinnsritt.

Der Kapitän wusste schon, wo er Wale zu finden hatte und fuhr mit uns dahin. Dann ging das Spektakel los. Anfangs schnaubten sie, später sah man ihren Rücken. Wir sahen Wale bei ihren morgendlichen Waschungen, bei denen sie immer wieder mit dem Schwanz auf’s Wasser schlugen, sahen sie auftauchen und springen. Besonderer Höhepunkt war ein Wal, der auftauchte und sich dabei auf den Rücken drehte, ehe er wieder eintauchte. Nichts alles konnte man in Fotos fassen, nicht alles habe ich auf Film. Zwei Stunden lang Wale begucken, das würde ganz schön in die Arme geben. Aber das macht auch nichts, denn die Erinnerung an diesen Tripp, die wird bleiben. (Hoffe ich zumindest, wäre ja blöde, wenn ich mich als dementer älterer Herr an irgendwelche Software-Probleme von der Arbeit erinnere und die schönen Sachen vergessen hätte. Gott bewahre!)

Das Boot war samt kompletter Ladung schon wieder auf dem Heimweg, da tauchte noch eine Gruppe von Delphinen auf. Damit waren wir auf Wolke 7.

Auf Wolke Nummer 8 war die Beste aller Ehefrauen™ als wir wieder in der Lodge waren und es dort Frühstück gab. Wir hatten am Morgen einen Muffin mit auf den Weg bekommen, allerdings gab es noch keinen Kaffee. Den gab es erst nach dem Wal-Ausflug.

Dann hieß es St. Lucia verlassen und es ging in Richtung Kosi Bay. Es war eine entspannte, nahezu langweilige Fahrt. Das Highlight war eine tote Kuh am Straßenrand und das rege Marktleben in den Städtchen, die wir durchfuhren. Just in Time kamen wir in unserer Lodge an. Dem skeptischen Blick des Rezeptionisten konnten wir entnehmen, dass es ein Problem gab. Unsere Zimmer waren nicht gebucht. Da keiner unfehlbar ist, konnte es dafür zwei Gründe geben: Entweder hatte die Buchung nicht geklappt oder aber, wir waren nicht in der richtigen Lodge. In meinen Augen sprach schon recht viel für die zweite Annahme, weshalb ich die Unterlagen aus dem Auto holte und nach einem kleinen Check des Rezeptionisten, vernahmen wir die Worte, dass wir falsch wären. Wir müssten weiterfahren.

Zwanzig Minuten später waren wir an Ort und Stelle. Zwei Nächte verbringen wir nun in der Utshwayelo Lodge. Das Programm ist schon komplett vorgegeben, unser Entscheidungsspielraum ist wirklich klein. Nach der Orientierungstour, die darin bestand, dass man das Camp bezeigt bekam und einen ersten Ausflug in den Nationalpark machte, stand fest, dass der morgigen Tag aus einer Bootstour (Iris war schon ganz außer sich vor Freude) und einem Strandbesuch bestand. Die Orientierungstour machte aber schon Geschmack auf mehr. Zum einen durften Rüdiger und die Junioren auf der Pritsche Platz nehmen und so durch den Nationalpark fahren, zum anderen war die Landschaft, die uns gezeigt wurde, einfach fantastisch. Da will ich unbedingt noch eine Foto-Tour hin unternehmen. Der große »am Strand-Rumliegen« bin ich ja nicht.

Wir warten nun darauf, dass es neunzehn Uhr wird. Dann geht es zum Dinner. Der Hunger dafür ist schon vorhanden, nachdem es heute Mittag keine Kleinigkeit zum Lunch gab. Ich hoffe mal, dass die Portionen ein wenig größer sind. Wir wollen ja nicht, dass die Jungs uns vom Fleische fallen.

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Land und Fluss https://www.terra-gallus.de/2018/10/land-und-fluss/ Sun, 07 Oct 2018 12:32:54 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8510 Wann immer irgendetwas zu planen ist, springen wir ein wenig zu kurz. Den Zeitangaben, die uns genannt werden, sollten wir mit mehr Vorsicht genießen und mehr draufschlagen, als wir das bisher getan haben. Gestern war auch wieder so ein Tag: Geplant war eine Safari im iSimangaliso Wetland Park. Colin hatte uns gesagt, dass wir zweieinhalb Stunden bis Cape Vidal benötigen würden und anderthalb Stunde zurück. Das addierten wir zusammen, schlugen eine Stunde drauf und legten fest, dass wir um neun Uhr losfahren würden.

Schönheitsfehler Nummer 1: Wir fuhren nicht um 9 Uhr los.

Schönheitsfehler Nummer 2: Als wir losfuhren, fuhren wir nicht direkt in den Park sondern erst einmal zu dem Strand. Der absolut toll gewesen war. Iris nutzte die Gelegenheit, ihre Füße in den Indischen Ozean zu tauchen und tauchte gleich mal Teile ihrer Hose mit ein.

Schönheitsfehler Nummer 3: Man sollte vielleicht nicht jeden Loop in einem Nationalpark fahren. Auch wenn sowohl der erste Abstecher sehr schön war, der zweite Abstecher zur Mission Rock nette Ausblicke bot und die Idee eines Aussichtsturm in einem National Park, wie den des des Dune Loops, kannten wir so auch noch nicht. Abgesehen davon: Wären wir den ersten Loop nicht gefahren, hätten keine Nashörner gesehen. Da kann man sagen, was man will, aber das war schon mal ein ziemlich spektakulärer Höhepunkt, da sie weit entfernt genug von uns standen, um sich von uns gestört zu fühlen; aber nah genug, dass wir sie gut sehen konnten.

Wir hätten eigentlich um 11:30 Uhr am Cape Vidal sein sollen, um dort noch ein wenig zu baden zu zu schnorcheln. Im »echten Leben« waren wir erst um viertel vor ein Uhr dort. Das Equipment hatten wir vom Guesthouse mitbekommen, aber vor Ort stellte sich nicht nur heraus, dass es ziemlich bevölkert war und sich Affenbanden zwischen den parkenden Fahrzeugen herumtrieben. Es war wohl auch kein Wetter zum Schnorcheln. Wir stürzten uns in die Fluten des Indischen Ozeans. Es war erfrischend und das Wasser wirklich auch angenehm. Überrascht war ich vom Sog des Wassers, wenn es sich vom Ufer zurückzog – um einen dann wieder mit einer brachialen Welle zu fluten.

Schönheitsfehler Nummer 4: Man sollte die Anschlusstermine im Auge behalten. Um 15:15 Uhr sollte uns der Fahrer für die Nachmittagstour abholen. Da die Rücktour anderthalb Stunden dauern sollte und wir um halb zwei Uhr losfahren, blieb nicht viel Zeit für die Rücktour – die schließlich mit 90 Minuten angesetzt war. Die »Erwachsenen« waren der Meinung, dass es gut wäre, wenn man direkt zurückfahren würde. Aber Henrik wollte unbedingt den Grasland Loop fahren, von der kleinen Hoffnung getragen, dass wir Leoparden sehen. Die sollen manchmal gut sichtbar sein, da sie sich nicht nur auf Bäumen herumtrieben, sondern auf auf dem Land. Ich bin, glaube ich, noch nie so schnell einen Safari-Abschnitt gefahren. Die von Henrik herausgegebene Devise lautete: »Es wird nur für Mitglieder der Big 5 angehalten.«

Gestoppt hat uns dann eine Bande von Eichhörnchen, die auf dem Weg herumtollte. Eines wollte partout nicht aus dem Weg gehen und blieb sitzen, staute das Metall-Monster, mit dem wir unterwegs waren an. Erst ein beherzter Hup-Ton machte uns den Weg frei.

Wir wurden sehr pünktlich abgeholt. Nachmittags sollte es zu einer Hippe-Kroko-Tour auf dem Lake St. Lucia gehen. Auf das Boot passen 15 Leute und wir wurden von einem kleinen Zulu durch den Nachmittag geführt und gelenkt. Mir geht es so, dass man gern vergleicht. Eine ähnliche Tour machten wir im Norden von Namibia, einfach nur nach Krokodilen und Flusspferden suchen. Auch dort wusste der Guide schon, wo er fündig werden würde. Krokodile bekamen wir damals aber nicht zu sehen. Eine zweite Tour der Art fand ein paar Tage später statt und da kannte sich der Guide nicht nur mit den Flusspferden und Krokodilen aus, sondern er hatte auch ein Faible für Vögel, kümmerte sich auch um das, was an Land vor sich ging. Unser Safari-Guide von gestern zeichnete sich dadurch aus, dass er viel Humor hatte, sehr viel wusste und uns am Anfang die Zulu-Sprache näher brachte. Die Umgebung bot aber »nur« Flusspferde, Krokodile, Gänse und einen Kingfisher. (In der Ferne gab es noch einen Seeadler, aber den hatte unser Guide gar nicht entdeckt gehabt.) Die Anzahl der badenden Flusspferde war beachtlich, aber der Guide wusste genau, wo er mit welcher Gruppe zu rechnen hatte. Es besteht die entfernte Chance, dass die Flusspferde ihn auch schon kannten.

Schön war, dass man ausgiebig Zeit hatte, den Flusspferden zuzuschauen. Er fuhr als nicht zu einer Flusspferd-Gruppe, wartete ein paar Minuten und es ging dann weiter, sondern man hatte alle Zeit der Welt. Gegen Sonnenuntergang hin, wurden die Tiere dann auch während lebhafter und kommunikativer.

Wir fuhren von der Bootsfahrt zu unserer Abendbrot-Location. Es handelte sich um das »Reef and Dune«, war sehr gut besucht und jede Menge Stimmung, da auf den Fernsehern, Rugby übertragen wurde. Rüdiger hatte ein wenig mitgeschaut und konnte uns in einer Art Live-Berichterstattung informieren, dass es am Anfang gut aussah (das war der laute Teil des Spiels), dann das Spiel wohl drehte und es ans Verlieren ging.

Leider kündigte sich im Restaurant schon an, was den heutigen Tag recht langweilig macht. Eine Durchfall-Attacke überkam mich und so hatte ich in der Nacht mehr Bewegung als mir lieb war. Für heute war eine Safari angesetzt, die um fünf Uhr begann. Da die Kombination aus Durchfall und Safari eine sehr ungünstige ist, habe ich mich ausgeklinkt und die anderen sechs sind zeitig aufgebrochen. Ich habe meine Toiletten-Gänge gehabt und wurde wachsam von den Guesthouse-Eignern und dem Personal im Auge behalten.

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Nicht unser Tag https://www.terra-gallus.de/2018/10/nicht-unser-tag/ Fri, 05 Oct 2018 20:45:14 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8498 Man kann wirklich nicht alles machen, aber was geht, versuchen wir zu realisieren. Durch die Bäume an einer Art Seilbahn zu rasen, war der Wunsch von Henrik gewesen. Jeder hätte jetzt gedacht, dass der Vorschlag von der Besten aller Ehefrauen gekommen wäre, aber Henrik war einfach ein wenig schneller. Es gab eine in der Nähe, aber am Vortag hätten wir das nicht unterbekommen. Ein Vorschlag war nun, dass vor der Weiterfahrt nach St. Lucia zu machen.

Henrik klärte das mit dem Host des Antbear und der meinte, nur nicht den von uns ausgesuchten Anbieter, der wäre in einer komplett anderen Richtung. Er wüsste aber einen Anbieter, der auf unserem Weg nach St. Lucia liegen würde. Das kam uns entgegen und so bekamen wir dort eine Reservierung. Die war für zehn Uhr morgens. Das hieß: Um 8 Uhr von uns losfahren, denn die Anfahrt dauerte schon anderthalb Stunden.

Statt nun durch das Zululand zu fahren, ging es nach Pietermaritzburg. Die Attraktion sollte sich zwölf Kilometer entfernt befinden. So fuhren wir erst an den ärmlichen Häusern vorbei, bevor wir in eine Villen-Gegend kam. Danach wurde die Straße zu einem Schotterweg und links und rechts befanden sich Parks. Richtig große Bäume waren nicht zu sehen, aber Hügel gab es, schöne Aussichten. Der Argwohn erfasste mich erst, als wir eine Aufforderung zum Abbiegen vom Navi erhielten und auf dem Schild von der Canopy Tour gar nichts zu lesen war. Safari Spar stand auf dem Schild. Safari, Spa und Seilbahn zu kombinieren schien mir nicht üblich zu sein, hinterfragen tat ich es nicht.

Auf den Boden der Tatsachen wurden wir am Gate geholt, als wir meinten, wir möchten zur Canopy Tour und die Stimme in der Gegensprechanlage meinte, da wären wir falsch. Wir waren wohl nicht die ersten, die anstatt zum Baum-Abenteuer zum Gurken-Scheibchen-Auflegen geführt worden waren, weshalb die Stimme ziemlich exakt sagen konnte, dass wir fünfundvierzig Minuten benötigen würden, um in den Abenteuer-Modus zu geraten. Nun waren wir sowieso schon auf dem letzten Drücker dort angekommen, unseren Termin um zehn Uhr konnten wir also vergessen.

Die Beste aller Ehefrauen rief nun bei unserem Anbieter an, der ebenfalls meinte, dass dies schon häufiger vorkommen würde. Die schlechten Nachrichten waren: Es würde zwischen fünfundvierzig und sechzig Minuten dauern, bis wir dort wären. Dann müssten wir zwanzig Minuten bis sechzig Minuten warten. Um dem Ganzen noch einen draufzusatteln, sagte sie uns, es wäre entgegengesetzt zu der Richtung, die wir nach St. Lucia zu fahren hätten. Eine kurze Überschlagrechnung machte uns klar, dass das nicht klappen würde. Wir sind also früh aufgestanden und losgefahren, für nichts.

Nicht für ganz nichts, das muss man zugeben: Zuerst sahen wir bei der Ausfahrt kleine Äffchen. Sehr süß.

Wir schauen immer zurück, wo der zweite Wagen bleibt und fahren im Zweifel langsamer bzw. halten an. Diesmal sahen wir nichts und zumindest ich, sah den Wagen Nummer 2 auch nicht abbiegen. Wir warteten, warteten, warteten und waren in Wagen 1 sicher, dass es auf dem kurzen Stück nichts zu begucken gab. Also wendeten wir und fuhren zurück zur Einbiegung. Nun standen wir vor einem Dilemma: Entweder weiter vorn war etwas passiert, dann müssten wir hinfahren. Wäre aber dort nichts passiert, sondern Wagen 2 hätte nur einen anderen Weg genommen, könnte es sein, dass ihnen das auch schon aufgefallen ist, sie gedreht hätten, und an uns vorbeifahren würden, während wir den Weg zurück abgefahren wären. Eine echt blöde Situation.

Aber das Glück war uns an der Stelle hold: Wir sahen Wagen 2 aus der anderen Richtung zurückkommen. Sie hatten sich an der ursprünglich geplanten Route orientiert, während wir gesagt hatten, dass wir – da wir schon soweit südlich waren – nun über Durban fahren würden, dort vielleicht in der Stadt einen Lunch einnehmen würden und von dort weiter nach St. Lucia düsen würden. Es ging also zurück nach Pietermaritzburg und von dort auf die Autobahn. Vorher sahen wir aber noch die ersten Giraffen, die uns aus dem Safari Park neugierig beguckten.

Es war eine kostenpflichtige Autobahn und hier stellte sich heraus, dass Wagen 1 irgendwie ein Mautbox hatte. Wenn wir an die Maut-Station heranfuhr, dann piepte es kurz und die Maut-Kassierer wollten kein Geld mehr von uns. Das funktionierte nicht an allen Maut-Stationen, aber an einigen schon. Wagen 2 hat das Feature nicht.

Hinter der Durban-Mautstation bremsten alle. Vor uns stieg eine riesige Rauchwolke auf, tiefschwarz und von erheblichem Umfang. Nichts bewegte sich mehr und wir hatten unseren ersten richtigen Stau in Südafrika. Der hatte es in sich. Südafrikaner haben offenbar ein sehr flexibles Verhältnis zu ihrer Straßenverkehrsordnung. Die meisten Leute blieben stehen und warteten. Aber schon bald gab es die ersten Absetzbewegungen, bei denen Leute über den Grünstreifen am Rand oder die Standspur zurückfuhren. Vor uns entstanden immer größere Lücken. Nach zwei Stunden, wir drohten die letzten auf der Autobahn zu sein, die dort stehen, denn auch kleinere LKW hatten schon gedreht, reihten wir uns in die Schlange ein. An der kurz hinter uns liegenden Abfahrt, die nun eine Auffahrt war, stand ein Polizist und regelte den Verkehr. Ich hätte mal vermutet, dass wenn dies eine deutsche Autobahn gewesen wäre, der Polizist dort weniger den Verkehr geregelt hätte, sondern alle abkassiert hätte, die aus der Geisterfahrer-Richtung gekommen wäre.

Wir schlängelten uns durch kleine Straßen, um wieder auf der Autobahn zu gelangen. Mit einem schönen Lunch in der Innenstadt von Durban wurde es so aber natürlich nichts. Es war schon vierzehn Uhr und wir mussten eine Kleinigkeit essen und tanken. In einem Einkaufszentrum in der Nähe der Autobahn stillten wir die Bedürfnisse. Rüdiger hatte ein kleines Bistro ausgemacht, in dem wir herzlich empfangen wurden. Die Bedienung freute sich so sehr, dass ich meinte wir wären wohl der »Catch of the Day«, woraufhin sie lachte und anfing ein wenig zu tanzen. Die Kleinigkeit hier war wieder eine sehr sättigende Kleinigkeit. Wir stiefelten kurz weiter, denn es gab einen Geldautomaten und einen Supermarkt, in dem wir uns mit Wasser versorgen konnten. Auf dem Rückweg kamen wir erneut am Bistro vorbei. Unsere Ex-Bedienung sah uns und winkte uns zum Abschied fröhlich zu. Die Leute sind zu freundlich hier.

Das gilt eigentlich auch für den Straßenverkehr. Die Autofahrer fahren zwar innerorts wie die Henker und wenn man sich vor einer Fahrbahn-Verengung noch reinquetschen kann, dann tut man das natürlich auch. Warum auch nicht? Auf den Fernstraßen sieht es ein wenig anders aus: Wie selbstverständlich fahren die Fahrer langsamer Fahrzeuge auf den Fernstraßen soweit wie möglich nach links, so dass man überholen kann, fahren auch auf Standstreifen, die sicher nicht dafür gedacht sind und – das ist der absolute Clou – auch der Gegenverkehr hat das mit im Auge. So hat man trotzdem das Gefühl von Zuvorkommenheit. Man bedankt sich nach einem Überholvorgang brav mit der Warnblick-Leute – »Danke!« – und bekommt manchmal mit der Lichthupe noch ein »Gern gesehen!« hinterhergeschickt. Das Tempolimit auf den Autobahnen scheinen die Leute auch zu achten, auch wenn Baustellen-Geschwindigkeitsbegrenzungen nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Von Durban nach St. Lucia waren es über 230 Kilometer. Die Fahrt brauchte seine Zeit. Kurz vor sechs Uhr trafen wir in St. Lucia ein und wurden schon von Colin erwartet. Vom ersten Moment an fühlt man sich im St. Lucia Wetlands Guest House wohl: Colin heißt einen auf englisch-deutsch herzlich willkommen und macht seine Spässchen. Nachdem er uns unsere Zimmer gezeigt hat, gab es einen Willkommens-Drink und er zeigte uns, was man so machen kann und wie man es am Beste angeht. Die Zimmer sind schön möbliert und praktisch eingerichtet; es gibt einen schönen Wohnraum, wo man sich auf Couches lümmeln und einen Drink von der Bar genießen könnte, wenn man nicht auf dem eigenen Balkon dem lauten Meeresrauschen lauschen möchte.

Colin warnte uns, dass um neun Uhr die Restaurants schließen würden, wenn nichts zu tun wäre. In der Hinsicht ähnelt St. Lucia Clarens sehr. Eigentlich ist es ein reiner Touristenort. Innerhalb von fünfzehn Minuten ist man an der Hauptstraße, wo sich die Restaurants befinden. Vorausgesetzt man nimmt den richtigen Weg. Wir ließen uns im »Braza« von Rambo abfüttern, wo es eine Mischung aus Seafood, Fleisch und Pasta gab. Man sah am Tisch keine unzufriedenen Gesichter. Zum Teil lag das sicher auch daran, dass es sich um einen versöhnlichen Abschluss eines Tages handelte, an dem so einiges schief gegangen war. Zum anderen lag es sicher auch daran, dass das Bier sehr lecker war.

Eines war ganz sicher: Eine Wärmflasche nahmen wir heute nicht mit ins Bett.

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Easy https://www.terra-gallus.de/2018/10/easy/ Thu, 04 Oct 2018 19:08:51 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8481 Heute morgen waren wieder alle vollständig angetreten, um das Frühstück einzunehmen. Zuerst wurden die jeweiligen Nacht-Erlebnisse ausgetauscht: Wer wie wo mit wem geschlafen hat. Die Ascheberg-Eltern schlafen normalerweise bei offenem Fenster, immer. Hier musste man die Fenster nicht öffnen, die frische Luft kam sowohl durch die Tür- wie durch die Fensterritzen. Greta dagegen hatte vor dem Schlafengehen noch mal das Fenster aufgemacht. Wir hatten mächtig geheizt, ohne dass es etwas gebracht hatte, aber es war ja gar nicht so kalt. Henrik drehte am Schalter seiner Heizung und das Zimmer war warm.

Die erste Frage, die sich an diesem Morgen stellte, war die nach einem Plan. Der Tag kam wahrhaft sonnig daher. Der Sani Pass, den ich im Auge hatte, fiel flach: Es hatte die Tage vorher viel Niederschlag gegeben und der kam in der Gegend, wie wir heute morgen aus der Ferne schon sehen konnten, als Schnee herunter. Unser Host meinte, es wäre keine gute Idee, dort rauf zu fahren, wenn man nicht gerade ein geübter 4x4-Fahrer wäre. Obwohl der Ausblick von oben auf die Drakensberge im Schnee fantastische Ausblicke bieten würde. Dieses Etikett können wir uns nicht anhängen.

Die Empfehlung unser Empfangsdame war, zum Giant Castle zu fahren, weil das auch in der Nähe wäre. Dort könne man die Höhlenmalereien besichtigen und schöne Touren bewandern. Besonders ans Herz legte sie uns eine Tour zum »World View«, wo man einen schönen Rundumblick hatte. Meine Wenigkeit fragte, welchen Schwierigkeitsgrad diese Tour aufweist. »Easy!« waren ihre Worte gewesen.

Greta hatte auch ihre Wünsche: Sie wollte gern das Reitangebot wahrnehmen. Sie klärte mit der Rezeption, wann es losginge und für wie viele Personen teilnehmen können. Daraus entstand der Plan, dass die Jungs mit der Besten aller Ehefrauen und mir zum Giant Castle fahren würden, wo wir schon mal die Höhlenmalereien besichtigen würde und Greta mit ihren Eltern erst einmal in der Gegen rumreiten würde und sie dann nachkommen, um die Wanderung zu absolvieren.

Die Fahrt auf der Piste war heute wesentlich angenehmer. Da es nicht mehr geregnet hatte, war der Weg gut zu fahren. Man hatte so auch Zeit, sich um Nebensächlichkeiten zu kümmern, wie zum Beispiel am Pistenrand stehende Rinder und Pferde mit ihren Fohlen. Während die Piste recht gut zu fahren war, was uns ein einheimischer Fahrer auch demonstrierte, der uns mit 80 km/h überholte und auf seiner Pritsche noch einen stehenden Mitfahrer hatte, sah es auf der asphaltierten Straße ganz anders aus.

Rüdiger wartete vor ein paar Tagen (nach der Fahrt von Johannesburg nach Clarens) mit der Theorie auf, dass man nur die richtige Geschwindigkeit haben müsse, um über die Schlaglöcher hinwegzugleiten. Bei den wenigen Versuchen, eher unfreiwilliger Art, bei denen man das Schlagloch nicht hatte kommen sehen, bewährte sich die angegebene Richtgeschwindigkeit für das »Gleiten« nicht. Wie wir später erfuhren, testete Rüdiger bei seiner Fahrt zum Giant Castle diese Theorie ebenfalls nach. Seine Mitfahrer bezeugten, dass die Versuche besser zu einem Abbruch des Experimentes hätten führen sollen. Vorerst hält er jedoch an der Theorie fest.

Warum auch immer hält es die südafrikanische Straßenbehörde so, dass sie die Fahrer eine Reihe von Schlaglöchern passieren lassen, bevor sie Schilder aufstellen, in denen auf das offensichtliche und gut spürbare Malheur auf der Straße hingewiesen wird. Die Schlaglöcher haben die unterschiedlichen Ausprägungen und sind aus der Ferne schwer einzuschätzen. Manchmal sehen sie aus, als wären sie schon repariert, sind es aber nicht. Es ist ein wenig wie eine Lotterie.

Auf jeden Fall war die Fahrt zum Giant Castle schon mal eine sehr schöne. Schon am Anfang waren die Drakensberge, weiß gepudert, ganz in der Ferne zu sehen. Die Straße, die einen in den Nationalpark bringt, gewährte schönste Ausblicke und wir konnten nicht so häufig anhalten, wie wir es uns gewünscht hätten.

Dass unser Zeitplan bezüglich der Höhlen-Malerei seine Tücken hatte, stellte sich alsbald heraus. Denn für die Höhlenmalerei-Wanderung waren drei Stunden einzuplanen. Die hatten wir nicht, denn das Reiten dauerte nur etwas über eine Stunde und so hatten wir nur einen Vorsprung von anderthalb Stunden. Nicht genug. So gingen wir letztlich nur in die Richtung der Höhlen, ohne sie zu erreichen. Man hätte sich in das Mountain-Register eintragen müssen, was wir aber verpeilten. Da wir keine Lust hatten, zurückzugehen und den Eintrag zu tätigen, waren wir als Illegale auf dem Wanderweg unterwegs. Gefühlt waren wir schon sehr weit, ich konnte noch einen Mini-Wasserfall begutachten können, dann ging es zurück in Richtung Camp.

Auf dem Rückweg kam uns eine Schulausflugsgruppe entgegen, die im Gänsemarsch Richtung Höhle spazierten. Die Begeisterung in den Gesichtern der Kinder war mit Worten nicht zu fassen, sollte ich einen Zahlenwert von 1 bis 10 angeben, wobei 10 die absolute Ekstase war, dann war die Stimmung etwa bei 3. Vielleicht hat ja mein Vorhaben geholfen, jeden einzelnen in der Gruppe mit einem fröhlichen »Hello« zu begrüßen. Sicher bin ich mir jedoch nicht, weil von vielen kamen nur verständnislose Blicke, von einigen nur nüchterne Erwiderungen und richtig fröhliche Echo waren nur selten zu vernehmen. Von den Erwachsenen der Gruppe wurde die Begrüßung viel enthusiastischer aufgenommen.

Im Camp setzten wir uns erst einmal ins Restaurant, um die obligatorische Kleinigkeit zum Lunch zu uns zu nehmen. Ich habe schon früher den Eindruck gehabt, dass die Mitarbeiter in solchen staatlichen Camps es ein wenig an der Begeisterung für die Wünsche ihrer Gäste missen lassen. So war es hier auch. Die Sandwiches waren lang nicht so lecker, wie bei anderen Locations, die wir aufgesucht hatten. Das Verständnis von einer »Kleinigkeit« deckte sich durchaus mit dem unsrigen, was aber natürlich nach Tagen der Irritation und Gewöhnung nur zu zusätzlicher Konfusion führte. Ein Rätsel ist übrigens auch, warum eine normale Cola in einer 200-ml-Dose angeboten wird, eine Coke Light und Sprite dagegen in einer 330-ml-Dose. Man muss wirklich nicht alles verstehen.

Die Reiter-Gruppe kam ebenfalls dazu und berichtete von ihren Abenteuer bei der Tour, die mit einer Action Cam für die Ewigkeit gesichert wurden. Rüdiger hatte anfangs Probleme, das Pony in Gang zu setzen, weil es das gefundene Gras viel leckerer fand. Er musste lernen, sich durchzusetzen. Gegenüber dem Pony. Iris spielte offenbar den Film «Ab durch die Hecke« mit einem Pony nach. Für Greta fand das alles sehr lustig. Übereinstimmend sagten aber alle, das es eine sehr schöne Tour gewesen sei.

Nach dem Lunch setzten wir uns in Bewegung, um den Pfad zur Welt-Ansicht zu bezwingen. Erste Zweifel kamen mir, als sich sah, dass man erst einmal in ein Tal hinabzusteigen, einen Fluss zu queren hat – der sich dort sehr idyllisch durch die Gegend schlängelte – und es sofort wieder auf den Berg ging. Die Sünde einer 200-ml-Dose Cola hätte sich damit sofort wieder erledigt. Die Beste aller Ehefrauen ging noch mit nach unten, bevor sie während des Anstiegs entschied, dass es keine gute Idee wäre, diesen Weg mit uns gemeinsam fortzusetzen. Der weitere Verlauf der Tour gab ihr recht. Wie jemand auf die Idee kommen konnte, den Weg als leicht zu beschreiben, erschloss sich uns nicht so recht. Es war ein harter Beginn und ich schwöre, so schön der Ausblick am Ende war, es war auch ein hartes Ende. Als ich oben ankam, ließ ich mich erst einmal fallen und hoffte, irgendwann wieder zu Luft zu kommen. Flott ein paar Fotos gemacht, dann hieß es, den Weg zurückzugehen und alle Abstiege, die wir zwischendurch hatten, und auf dem Hinweg noch toll fanden, entwickelten sich nun zu Aufstiegen, die verflucht gehörten.

Es wäre alles nicht so anstrengend gewesen, aber wir hatten einen gewissen Zeitdruck. Die Wanderung sollte zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück dauern. Gegen sechs Uhr abends macht der Nationalpark zu und eine halbe Stunde später wird es dunkel. Wir waren erst um 13:45 Uhr gestartet. Eine leichte Überschlag-Rechnung macht deutlich, mit welcher Nadel unser Plan genäht war. Man könnte uns auch eine gewisse Unvernunft vorwerfen. Dass wir letztlich nur knapp 1:45 h benötigten, war unserem strammen Rückmarsch zu verdanken. Ich konnte nicht anders. An der letzten Tal-Senke, der mit dem idyllischen Fluss, kniete ich mich an das Ufer und trank das kalte, leckere Wasser. Eine Wohltat.

Die Wanderung begann etwa bei 1740 Metern. Der Fluss lag auf einer Höhe von 1690 Metern und von dort ging es dann in zwei Etappen auf 1800 Meter, bevor es wieder auf 1750 Meter herunter ging. Um auf den Gipfel zu kommen, ging es dann von 1775 Meter Höhe auf 1842 Meter. Zumindest den letzten Anstieg hätten sie durch einen Fahrstuhl krönen können.

Auf der Rückfahrt war wieder mal zu beobachten, dass uns von den verschiedensten Leuten – und nicht nur Kindern – vom Straßenrand aus zugewinkt wurde. Für die Kinder hätten wir Süßigkeiten dabei, aber die verweilen noch im Koffer von Susann.

Das Essen am Abend war lecker, auch wenn die Jungs gut und noch mal das gleiche Menü hätten essen können. Serviert wurde Lamm an Rotweinsoße eingebettet in Broccoli- und Kürbis-Gemüse. Aber sowohl die Vorspeise wie auch das Dessert – ein Zitronen-Pie – mussten sich nicht verstecken.

Um kurz vor neun Uhr wurde der Zapfenstreich eingeläutet. Müde waren mal wieder alle.

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In den Regen https://www.terra-gallus.de/2018/10/in-den-regen/ Wed, 03 Oct 2018 19:50:09 +0000 https://www.terra-gallus.de/?p=8475 Gestern hatten wir noch 27° Celsius und waren mit dem rechtzeitigen Auftragen von Sonnencreme beschäftigt. In der Nacht kam dann der Regen und es gab durch die umschließenden Berge verstärkten Donner. Lange hatte es nicht geregnet, aber am Morgen waren es nur noch 13°, was einem frisch vorkam. Schlimmer war jedoch, dass der Himmel bedeckt war und die Wolken tief hangen. Unser Mushroom Rock war noch zu sehen, aber die etwas höheren Berge dahinter, waren schon eingedeckt durch Schleier.

Das war nicht der Plan gewesen. Nach dem Frühstück wollten wir aufbrechen in die Drakensberge. Der Weg führte uns durch Golden Gate und kurz dahinter, sollte es es zum Drakensberg Amphitheatre gehen. Während das Wetter in Golden Gate nur ungemütlich war und die Temperaturen stetig sanken, wurde es auf dem Weg in die Drakensberge neblig und ungemütlich.

Wir fuhren eine halbe Ewigkeit durch einen Ort namens Phuthaditjhaba. Die ganze Stadt war auf den Beinen, die Bewohner in Decken gehülllt, weil es so kalt war, vereinzelt sah man Frauen, die in Bademänteln gingen. Uns kam auch ein Reiter entgegen, der sich eine Skimaske über den Kopf gezogen hatte, und ein wenig wie Zorro aussah. Auf einem anderen Wagen saß ein Mann, der sich auch eine solche Maske übergestülpt hatte und je nachdem, in welchem Film das Kopfkino gerade unterwegs war, dachte man dann an ein Entführungsopfer und in Hinblick an die langen Schlangen, die wir vor Geldautomaten sehen, an einen Banküberfall.

In der Mitte von Phuthaditjhaba gibt es das Nelson-Mandela-Einkaufszentrum. Das sorgte bei uns für ein wenig Stirnrunzeln. Schließlich ist ein Einkaufszentrum eine eher profanere Einrichtung, die nicht unbedingt den Namen des bedeutendsten Politikers, den das Land jemals gehabt hat, tragen sollte. Wir waren schon ganz gespannt, was uns dort erwarten würde.

Für uns ging es weiter zum Sintinel Hike. An der Zufahrt stand ein Häuschen mit einem Wärter. Mit einer gewissen Skepsis schauten wir in die Umgebung, unsicher, ob wir wirklich dort hoch fahren sollten, wenn man denn von der Umgebung nichts sehen würde. »Lohnt es sich, hoch zu fahren«, fragten wir den Mann. Die Antwort war eines Orakels würdig: »Andere sind auch schon hochgefahren.« Wir schauten uns an und dachten uns, dass das zwar nicht die Antwort auf unsere Frage war, aber wenn andere schon hochgefahren sind.

Es war ein wirklich schöner Weg nach oben. Ich meine damit nicht die Umgebung, denn von der sah man nicht so viel. Aber es war ein sehr kleinteilig gepflasterter Weg, so wie man bei uns Gartenwege pflastern würde. Wir waren uns einig, dass das eine wirklich aufwändige Arbeit gewesen war. Das hätte man nur noch aufwerten können, in dem man Ornamente eingearbeitet hätte. Da wir ahnten, wie schön es sein müsse, waren wir noch voller Hoffnung.

Der Weg teilte sich und die Hoffnung erlag einem Schlaganfall. Nach links führte der Weg zu einem Hotel und war weiterhin so schön. Der rechte Weg, den wir nehmen sollten, sah mehr als abenteuerlich aus. An einem schönen Tag, wäre ich ihn auch ohne zu zögern gefahren. Aber so feucht wie es war, nur noch Nebel kamen leichte Zweifel auf. Hinter Wagen 2 fuhr ein Einheimischer und der gab die Empfehlung ab, nicht weiterzufahren, denn das würde sich nicht lohnen.

Ein wenig irritiert waren wir jedoch, weil den Weg Minibusse hochfuhren. Das sind die Alltagstransportmittel der Einheimischen und die machen nicht den Einruck 4x4-fähig zu sein. Sie, und nie passte das Wort besser, huschten an uns vorbei. Wie sie es machten, ist mir rätselhaft; genauso wohin sie fuhren. Wir leiteten die Operation Rückzug ein und fuhren zurück nach Phuthaditjhaba, ein Ortsname übrigens, der mich die Erfindung der Zwischenablage preisen lässt.

Henrik wollte unbedingt mal in das Nelson-Mandela-Einkaufszentrum, was wir ohne Probleme fanden. Ein endloser Strom von Fahrzeugen, zum Großteil Minibusse, ergoss sich über den Parkplatz. Die meisten setzten wohl nur jemanden ab und fuhren dann weiter, denn so groß war der Parkplatz nicht. Es hatte eine U-Form und es reihte sich ein Laden an den anderen. Schön war es nicht.

Wir fanden unseren Parkplatz, machten uns auf den Weg, als vor uns ein Minibus hielt und der Fahrer auf uns einredete. Englisch war es nicht. Es klang euphorisch, der Grund blieb schleierhaft. Aber wollte unbedingt jemanden die Hand geben, also begrüßte ich ihn und gab ihm noch mit auf den Weg, dass wir aus Deutschland wären. Entweder hielt er uns im Anschluss für total bescheuert oder wir haben ihm ein wenig den Tag verschönert.

Der größte Teil der Gruppe bekam von Henrik einen Toiletten-Aufenthalt spendiert. Da ich bei öffentlichen Toiletten schon in Deutschland sehr skeptisch bin und mich gut zurückhalten kann, kann ich nicht aus erster Hand berichten, wie es gewesen war. Aber nachdem, was mir zu Ohren kam, konnte man die Kabinen nicht abschließen oder sie wurden von den temporären Mietern nicht verschlossen, so dass man mit dem Eintreten erkannte, dass da noch jemand saß. Eine ziemlich entzückende Vorstellung.

Draußen gab es aber auch allerhand zu sehen in der Zeit, zum Bespiel einen offenen Pritschenwagen der forensischen Pathologie von Freestate. An diesem Tag gab es jede Menge Kopfkino für uns und das alles gratis.

Natürlich kauften wir auch eine Kleinigkeit ein. Ich stellte dabei fest, dass die Menschen immer freundlich sind. Sie schauen einen manchmal ein wenig scheu an, wenn man sie dann anlächelt, kommt aber in den allermeisten Fälle ein strahlendes Lächeln oder Nicken zurück. Mit einem Camcorder eckt man natürlich auch häufig an, so hatte ich alsbald einen Security-Menschen neben mir, der aber nicht sagte, dass ich Filmen möchte, sondern sich erst erkundigte, wie es mir denn ginge und was ich denn so machen würde, bevor er damit herausrückte, dass Aufnahmen nicht erlaubt wären. Ich frage mich immer, was so schlimm ist, in Supermärkten zu filmen und warum sie es nicht mögen. Schließlich drehe ich keinen Dokumentarfilm darüber, das kleine Frauen nicht an die Keks-Tüten kommen, die sie gern haben möchten (da konnte ich noch aushelfen), sondern finde es viel interessanter, dass in nicht erreichbarer Höhe über dem Obststand eine ganze Reihe von Kinder-Plastik-Motorrädern stand. Das musste der absolut letzte Schrei in Freestate sein. Aber der Wunsch des Security-Menschen war mir natürlich Befehl, schließlich standen wir auch schon an der Kasse.

Wir verließen Phuthaditjhaba und fuhren erst in Richtung Harrismith, später nach Bergville. Es gibt auf dem Weg dahin einen sehr großen Stausee und die Möglichkeit, an einem Aussichtspunkt diesen zu begutachten. Bei schönem Wetter gibt es sicher tolle Fotos, heute hatten wir dann nur nette Fotos damit machen können. Bemerkenswerter war jedoch, dass sich ein Mann auf dem Platz niedergelassen hatte, der kleine bemalte Steinfiguren verkaufte. Greta wünschte sich ein kleines Zebra und sorgte damit dafür, dass der Mann an diesem Tag zumindest ein wenig Umsatz verbuchte. Es ist schwer vorstellbar, dass bei dem Wetter und an diesem gewöhnlichen Wochentag, das Geschäft wirklich brummen würde.

Kurz darauf gab es einen kurzen Stopp an einem Halt namens Little Switzerland. Ich hatte gar nicht realisiert, in welcher Höhe wir waren, und deshalb erstaunt, als es plötzlich einen traumhaften Blick in eine Ebene gab, die wir uns im Anschluss runter arbeiteten. Die Uhr schlug dann ein Uhr und wir kehrte in einem kleinen Kaffee ein. In einer kleinen Hütte gab es leckere Sandwiches. Da Südafrikaner offenbar dem Wort »Kleinigkeiten« eine andere Bedeutung beimessen als wir, war es eine komplette Mahlzeit. Zu der dortigen Toilette sei noch vermerkt, dass ich von einem Pissoir aus noch nie einen schöneren Ausblick gehabt hatte.

Es ging weiter und wir fuhren, fuhren, fuhren. Immer geradeaus. Kaum hatte ich die Straße gelobt, verschlechterte sich deren Zustand. Die Autobahn war natürlich tadellos. Aber die Straße danach, gab uns schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Sie war mit Schlaglöchern durchsetzt. Dann kam plötzlich ein Schild, was uns den Weg zur Antbear Lodge wies. Laut unserem Navigationssystem hätten wir noch weiterfahren sollen, aber wir gingen davon aus, dass die Besitzer der Lodge beim Aufstellen solcher Schilder involviert sind und wüssten, welches der beste Weg ist. Das war zumindest die Annahme. Es folgte eine Schotter- und Sandpiste, die sich durch den Regen nicht wirklich schön fuhr. Ein Traum war das Herunterfahren, als das ABS nur noch stotterte und wir einmal so ins Rutschen gerieten, dass wir ein wenig quer standen. Die Straße war breit genug und der Verkehr bestand aus unseren beiden Wagen, so dass nichts weiter passierte.

An einer Kreuzung zwei Kilometer vor der Lodge, machten wir uns mit dem 4x4-Fähigkeiten unseres Wagens vertraut. Wagen 2 kam hinter uns mit einiger Rutscherei zum Stehen und wir machten uns nach kurzer Absprache (Lennard: »Wir fahren schon die ganze Zeit mit Vierradantrieb.«) auf den Weg zur letzten Etappe.

Wer diese Lodge mit einem kleinen Fahrzeug anfährt und wenn das Wetter schlecht ist, dann ist das wirklich kein Spaß.

Mittlerweile hatten wir 5 Grad und es stürmte. Ein wenig Regen war auch dabei. Die Zimmer sind sehr originell eingerichtet, viele Holzarbeiten. Die Besitzer haben viel Vertrauen in die Bewohner ihrer Umgebung, ihr Personal und letztlich auch in die Gäste. Die Zimmer können nicht abgeschlossen werden. Eine Verriegelung ist möglich, aber nur von innen. Wenn ich auf meine Tür schaue, dann sehe ich einen riesigen Spalt. Offenbar haben die meisten Zimmer auch keine Heizung, dafür gibt es einen offenen Kamin und jede Menge Feuerholz. Die Kombination aus »alles ist durchlässig« und »Heizungen sind was für Weicheier« lassen erahnen, dass es recht frisch in den Zimmer ist.

Auch im Haupthaus, wo wir unser Dinner einnahmen, war es kalt. Wir zogen die Jacken nicht aus und hängten uns zusätzliche Decken um. In Rekordzeit wurde das Abendbrot – was sehr lecker war – verputzt. Dann ging es mit einer Flasche Wein in die Zimmer zurück, wo wir das Feuer im Kamin in Gang hielten. Das war einerseits sehr romantisch, wie wir so im Sessel saßen, vor dem Feuer, an den Füßen oder über die Knie noch eine Decke, und in unseren Büchern lasen. Andererseits machte das Feuer den Raum nicht warm. Stattdessen roch irgendwann alles ein wenig verraucht, was für meinen Husten nicht so besonders nett war.

Ich verkroch mich ins Bett, las ein wenig, schrieb ein wenig und der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Für morgen ist besseres Wetter versprochen, auch wärmer – worauf wir uns sehr freuen und hoffen, es zu erleben.

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